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Carbon statt Stahl: Betonwerk Oschatz wird zum Forschungsfeld

Neue Technologie Carbon statt Stahl: Betonwerk Oschatz wird zum Forschungsfeld

Einen Binder anzufertigen ist im Oschatzer Betonwerk Alltag. Möchte man meinen. Dennoch kamen am rund 30 Gäste aus Wirtschaft und Forschung, um diesen Fertigungsprozess mit eigenen Augen zu sehen und zu dokumentieren.

Eine neues Betonelement wird mit Carbonfasern gegossen.

Quelle: Dirk Hunger

Oschatz. Mittlerweile ist es kein ungewohntes Bild mehr, wenn Vertreter von Universitäten, Baukonzernen und Baustoffherstellern im Betonwerk Oschatz zu Gast sind. Die Firma ist Teil des Forschungs- und Entwicklungskonsortium C 3, in der die Möglichkeiten zur Herstellung leichterer Betonkonstruktionen ausgelotet werden.

Kernstück ist dabei der Einsatz von Carbongewebe anstelle von Stahldraht als Bewehrung. Geforscht wird in diesem Zusammenhang auch an Betonrezepturen und technologischen Abläufen.

In Oschatz sind zum Abschluss eines C 3-Teilprojektes nach der Fertigung von Probeelementen sechs Meter lange Binder in dieser innovativen Bauweise hergestellt worden. Die Fertigung dieses konkreten Bauteiles, wie es im Bauwesen immer wieder zum Einsatz kommt, wurde gestern von rund 30 Vertretern aus Wirtschaft und Forschung verfolgt.

Gespannte Atmosphäre beim Versuch

Nach dem Aufbauen des Bewehrungskorbes und der Montage der Form konnten die 0,8 Kubikmeter Beton in die Form gegossen wurden. Verdichtet wurde der Beton dabei durch Vibration des Arbeitstisches und mit mechanischen Hilfsmitteln. Geschäftsführerin Birgit Zocher zeigte sich mit dem Ablauf der Arbeiten zufrieden. „Nein, ganz so ruhig war ich nicht, als wir hier den ersten Binder mit Carbonbewehrung hergestellt haben, nicht“, räumt sie ein.

Als die Form gefüllt war und das Bauteil eine glatte Oberfläche bekommen hatte, spickte Christian Wagner vom Bauunternehmen Implenia Construct das Werkstück mit Sensoren. „Sinn der Messungen ist es, die optimalen Bedingungen für das Aushärten des Bauteiles zu ermitteln“, erläuterte er. Dabei werde bestimmt, wie viel Wasser in diesem Prozess verloren geht. Der dadurch entstehende Unterdruck führe zu unerwünschten Rissbildungen. Kritisch seien insbesondere die ersten acht Stunden des Aushärtens. Marktchancen hätten die Carbonbewehrungen und die innovativen Betonrezepturen jedoch nur dann, wenn man damit die bisher gängigen Qualitätsstandards sicher einhalte.

Im Hinblick auf den Materialeinsatz überzeugt die neue Technologie bereits jetzt. Auf dem Parkplatz des Betonwerkes Oschatz sind derzeit zwei sechs Meter lange Binder aufgestellt – einer mit Stahl- und der andere mit Carbongewebebewehrung. Beide sind für die gleiche Belastung ausgelegt, wobei der konventionelle Träger einen Querschnitt von 2600 Quadratzentimeter aufweist, während das innovative Bauteil mit 1280 auskommt. Eingespart wird jedoch nicht nur beim Gewicht der Bewehrung, sondern auch beim Einsatz des Betons, da das Carbongewebe mit einer wesentlich dünneren Ummantelung auskommt als die Stahlbewehrung.

Konsortium für sein Forschungsprojekt geehrt

Betonwerk-Geschäftsführer Matthias Schurig zeigt sich optimistisch, was die Entwicklung der Kosten für das neue Verfahren angeht. „Anfangs hatten wir nur kleinformatige Gewebe zur Verfügung, heute können unsere Partner schon größere Abmessungen zur Verfügung stellen“, erläutert er. So wie der Maschinenbau einst 3D-Biegeautomaten zu Herstellung von Stahlbewehrungen entwickelt hat, könne er sicher auch auf die Anforderungen zur Herstellung von Konstruktionen aus Carbongewebe reagieren.

Von der Initiative „Orte im Land der Ideen“ wurde das Konsortium mit seinen Partnern Ende Juli als Preisträger geehrt. Damit ist die Entwicklung jedoch nicht beendet. Während der gestern gefertigte Binder zunächst untersucht wird und dann als Ausstellungsstück dient, ist für 2018 schon der Bau eines C 3-Hauses in Dresden geplant, das rundherum aus Bauteilen mit Carbonbewehrung errichtet werden soll.

Von Axel Kaminski

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