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Cavertitzer diskutieren über jahrgangsübergreifenden Unterricht

Bildung Cavertitzer diskutieren über jahrgangsübergreifenden Unterricht

Der jahrgangsübergreifende Unterricht – eine Alternative zum gegenwärtigen Schulbetrieb – bleibt eine große Unbekannte und ein Reizthema. Die Bedenken gegen diese neue Form konnten auch ein Mitarbeiter des Sächsischen Bildungsinstitutes und die Referentin für Grund- und Förderschulen bei der Sächsischen Bildungsagentur nicht zerstreuen.

Kleine Klassen sind das Markenzeichen der Cavetitzer Grundschule. Wie man auf zu kleine Klassen reagieren soll, bietet viel Diskussionsstoff.

Quelle: Axel Kaminski

Cavertitz. Der jahrgangsübergreifende Unterricht – eine Alternative zum gegenwärtigen Schulbetrieb – bleibt eine große Unbekannte und ein Reizthema. Die Bedenken gegen diese neue Form, die es schon einmal gab, konnten auch Thomas Brenner und Dietlind Barth nicht zerstreuen. Der Mitarbeiter des Sächsischen Bildungsinstitutes und die Referentin für Grund- und Förderschulen bei der Sächsischen Bildungsagentur informierten in dieser Woche in der Grundschule Eltern, Lehrerinnen und Bürger der Gemeinde über Organisationsformen und erste Erkenntnisse zum jahrgangsübergreifenden Unterricht.

Thomas Brenner, der selbst als Lehrer in der Region Leipzig gearbeitet hat, erläuterte, dass beim jahrgangsübergreifenden Unterricht prinzipiell die Schüler aus zwei oder mehreren Jahrgängen in einer Klasse lernen würden. Konkret werde das in Sachsen so ausgestaltet, dass die Klassen 1 und 2 sowie 3 und 4 zusammengefasst würden. In einer Reihe von westdeutsche Flächenländern sei diese Form bereits in den 1980er Jahren wieder ausprobiert worden. Mittlerweile würden dazu auch Forschungsergebnisse vorliegen.

Vielfalt soll gestärkt werden

Demnach würde diese Unterrichtsform die Vielfalt der Kinder verstärken und dadurch das Lernen des Einzelnen in der Gruppe fördern. Die Kinder könnten maximal drei Jahre in der Mischklasse 1-2 verbleiben, diese aber auch in einem Jahr durchlaufen. „Sitzenbleiber“ würden weniger schnell gebrandmarkt als jetzt und würden immer noch die Hälfte der Klasse kennen. Nachgewiesen seien positive Effekte in Mathe, beim Lesen, in der Sprachbeherrschung sowie beim Umfang des Vokabulars, das sich die Schüler aneignen. Thomas Brenner betonte, dass diese positiven Effekte nur dann eintreten würden, „wenn es gut gemacht ist“. „Die Kriterien guten Unterrichts bleiben bestehen“, unterstrich er.

Dietlind Barth wies darauf hin, dass mittlerweile auch beim Unterricht in Jahrgangsklassen andere Formen als der Frontalunterricht eine größere Rolle spielen würden. Thomas Brenner räumte ein, dass der jahrgangsübergreifende Unterricht für die Lehrer zuerst Mehrarbeit bedeute. Die Schüler könnten dafür auf ein reicheres Angebot zurückgreifen, Hilfe von Klassenkameraden in Anspruch nehmen oder selbst Hilfe gewähren.

Kosten können eingespart werden

Deutlich wurde bei dieser Informationsveranstaltung, dass der jahrgangsübergreifende Unterricht ein Mittel zum Einsparen von Kosten und eine Alternative zum angedrohten Entzug der Mitwirkung des Freistaates ist. Eine Schule, in der die Klassen 1 und 2 sowie 3 und 4 zusammen unterrichtet würden, müsste mit drei Lehrerstellen zu je 28 Unterrichtsstunden auskommen, erläuterte Dietlind Barth. Derzeit sind in Cavertitz fünf Lehrerinnen tätig. Zur Einführung eines solchen Projektes würde ein Bonus von fünf Wochenstunden gewährt. „Organisatorisches Ziel ist es, wohnortnahe Schulen im ländlichen Raum zu erhalten“, erläuterte Thomas Brenner. Allerdings könne man sich kein Personal für zu kleine Klassen leisten.

Derzeit lernen 61 Jungen und Mädchen in der Cavertitzer Grundschule. Während in diesem Jahr 22 Kinder eingeschult worden seien, hätte die 2. Klasse 15 Schüler und die Klassen 3 und 4 weniger als diese Mindestzahl, erläuterte Schulleiterin Ilona Berscheidt. Man könne aber nicht davon ausgehen, dass der Trend so weiterlaufe.

Erstmals 2018 ein Thema

„Sie haben viel Zeit, sich mit diesem Thema zu beschäftigen und sich darauf vorzubereiten“, betonte Dietlinde Barth. Die 1. Klasse, mit deren Einschulung 2018 wieder die Mindestschülerzahl unterschritten werde, könnte demnach der Jahrgang sein, der in seinem zweiten Schuljahr gemeinsam mit den neuen Erstklässlern unterrichtet werde. Allerdings müssten die Eltern bei der Anmeldung ihrer Kinder darüber informiert, werden, dass möglicherweise der jahrgangsübergreifende Unterricht eingeführt werde. Das bedeute, dass man sich bis zum Sommer 2017 entscheiden müsse. Klar sei auch, das es von dieser Form kein Zurück zum Unterricht in Jahrgangsklassen gäbe.

Bei einigen anderen Fragen gab es jedoch nicht so viel Klarheit. Ralf Lindner, SPD-Gemeinderat und Mitglied im Kreiselternrat, verwies darauf, dass die Kommune in den letzten Jahren aufgrund der unklaren Perspektive ihrer Schule keine Förderung für dort notwendige Investitionen erhielt. Eine Garantie, dass sich das bei neuem Status ändern werde, erhielt er nicht. Auf wenig Glaube stieß die Aussage, dass bei Ausfall einer der künftig drei Lehrkräfte Personal von „Partnerschulen“ abgeordnet werde.

„Wir sind bereit, uns intensiver mit dieser Problematik zu beschäftigen“, sagte Schulleiterin Ilona Berscheit und betonte: „Man kann uns unsere Skepsis nicht vorwerfen.“ Man spüre deutlich den Druck des Gemeinderates. Dieser hatte sich im Mai 2014 mehrheitlich dazu bekannt, als Alternative zum Entzug der Mitwirkung, sprich der Schließung, die Kinder jahrgangsübergreifend unterrichten zu lassen. Man verschließe sich Neuem nicht, entgegnete die Schulleiterin damals und: „Auf die Schnelle geht das nicht.“

„Den Einstieg in die neue Unterrichtsart müssen der Gemeinderat und die aus Lehrerkollegium und Elternvertretern bestehende Schulkonferenz beschließen“, beantworte Dietlind Barth die Frage danach, wie diese Entscheidung gefällt wird.

Von Axel Kaminski

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