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Oschatz Chefarzt verlässt Wermsdorfer Neurologie
Region Oschatz Chefarzt verlässt Wermsdorfer Neurologie
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16:06 20.07.2017
Wolfgang Köhler will die Wermsdorfer Klinik verlassen.
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Wermsdorf

Es ist ein Paukenschlag: Wolfgang Köhler, Chefarzt der Neurologie im Fachkrankenhaus Hubertusburg, hat seine Stelle gekündigt und wird die Klinik zum Jahresende verlassen. Die Mitarbeiter des Hauses wurden darüber bei einer kurzfristig einberufenen Versammlung informiert, es sollen Tränen geflossen sein und auch Köhler selbst betont, er habe sich die Entscheidung nicht leicht gemacht. Der 60-Jährige folgt einem Ruf an die Universität Leipzig, wo er das deutschlandweit erste Behandlungszentrum für junge Erwachsene mit Multipler Sklerose und Leukodystrophien aufbauen wird.

Unter seiner Ägide entwickelte sich die Neurologie in Wermsdorf zu einer hoch spezialisierten Abteilung mit Intensiv- und Schlaganfallspezialstation, MS-Ambulanz und beteiligte sich an verschiedenen Studien. Seit über 30 Jahren hat der Mediziner, der 1999 aus Berlin nach Wermsdorf kam, Erfahrungen bei der Erforschung und Behandlung von weißen Substanzerkrankungen. „Für Patienten mit solchen Erkrankungen gibt es in Deutschland kein kompetentes Hilfsangebot“, hat er festgestellt. Er wolle eine Einrichtung schaffen, wo sich Patienten mit Erkrankungen der weißen Hirnsubstanz hinwenden können und wo seine Arbeit fortgesetzt wird, auch wenn er selbst in Rente gehe, sagt er. Und diese Perspektive gebe es eben in Leipzig. „Die Unterstützung der Leipziger Universitätsverwaltung ist großartig“, so Köhler, der sich mit weiteren Hintergründen zu seiner Kündigung sehr zurück hält. Auch dass es mitunter knirscht in der Zusammenarbeit zwischen den Akteuren vor Ort und der St. Georg Unternehmensgruppe in Leipzig, zu der das Fachkrankenhaus Hubertusburg gehört, dazu gibt es kein Wort des langjährigen Chefarztes. So viel sagt er dann aber noch, dass er das Gefühl habe, in Wermsdorf nicht mehr viel erreichen zu können und bemüht einen Vergleich aus dem Fußball: „Manchmal braucht man einen neuen Trainer.“ Dazu kommen wachsende Bürokratie und zunehmend finanzielle Zwänge, die dem Mediziner die Freude an der Arbeit trüben. „Es widerspricht unserem ärztlichen Ethos, ausschließlich nach finanziellen Gesichtspunkten zu entscheiden.“ Er kenne mindestens drei Chefärzte, die deshalb ihre Stellen gekündigt hätten. „Wenn ein Krankenhaus gute medizinische Arbeit leistet, ist es auch wirtschaftlich“, so seine Überzeugung. Dafür müssten Entscheidungen über medizinische Leistungen aber auch auf Augenhöhe mit den Leuten vor Ort getroffen werden, fügt er hinzu.

Die Herausforderung, in der Neurologie der Leipziger Universitätsklinik etwas bewegen zu können, lasse ihn nach vorn blicken, betont Wolfgang Köhler und fügt hinzu: „Das lindert auch etwas den Abschiedsschmerz.“ Denn, das betont er mit Blick auf Wermsdorf nachdrücklich: „Mein ganzes Herz hängt an diesem Krankenhaus, das Team ist unglaublich engagiert, die Zusammenarbeit mit den anderen Abteilungen, mit Kliniken und niedergelassenen Kollegen funktioniert sehr gut. Wir haben hier etwas aufgebaut, und ich möchte, dass es auch ohne mich weitergeht.“ Er hoffe, dass die Chefarztposition vor Ort neu besetzt wird.

Wie die Klinik für Neurologie in Wermsdorf künftig geführt wird, ob und wann die Stelle des Chefarztes neu besetzt werden soll, ist noch unklar. Auf Anfrage dieser Zeitung dazu gab es keine Reaktion von der St. Georg Unternehmensgruppe.

Von Jana Brechlin

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