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Oschatz Chöre aus Mügeln und Thümmlitzwalde proben gemeinsam für Weihnachten
Region Oschatz Chöre aus Mügeln und Thümmlitzwalde proben gemeinsam für Weihnachten
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14:00 09.11.2018
Mügeln Themenseite Döllnitztalchor Quelle: Fotograf Sven Bartsch
Mügeln

Klanggewaltig und melodisch ertönen die Stimmen der Sängerinnen und Sänger des Döllnitztalchores und des Thümmlitzwaldchores aus dem Ratssaal in Mügeln. Noch bleiben die Türen für Neugierige geschlossen, denn es handelt sich um die Proben für das Weihnachtsprogramm. Und dieses hält wieder einige Überraschungen für die Besucher bereit.

Ein halbes Jahrhundert Sangeskraft

Wenn man dem Chor lauscht, ist es nur schwer zu glauben, dass diese Kraft aus einem Chor kommt, der schon fast 50 Jahre auf den Schultern trägt. Es gibt ihn nämlich bereits seit dem Sommer 1969. Damals hatten sich 18 sangesfreudige Frauen und Männer zusammengeschlossen und den „Volksgut-Chor“ gegründet. „Das Volksgut Mügeln stand zur Gründung Pate. Herbert Sommer, damals Lehrausbilder und Vorsitzender der Betriebsgewerkschaft, war an der Entstehung des Chores beteiligt. Heute ist er immer noch als aktiver Sänger fester Bestandteil unseres Chores“, berichtet Erika Däberitz, die Vorsitzende des Vereins, und ergänzt, dass der Chor als Teil des Ensembles des VEG Mügeln zunächst beim „Ökulei“ (Ökonomisch kultureller Leistungsvergleich) von drei Volkseigenen Gütern des Bezirkes Leipzig mitwirkte. Auch bei Betriebsfesten, Erntedankfesten, Dorffeiern, Jugendweihen, Bergmannsfesten in Kemmlitz, Veranstaltungen der Volkssolidarität und zu anderen Gelegenheiten, darunter private Jubiläen, sorgte der Chor für teils festliche, teils stimmungsvolle kulturelle Umrahmung. In dieser Zeit seien die Teilnahme an den 13. Arbeiterfestspielen 1971 in Leipzig und den 14. Arbeiterfestspielen 1972 in Schwerin besondere Höhepunkte gewesen. Immerhin erhielt das Ensemble des VEG Mügeln hier die Goldmedaille für seine Darbietungen.

Döllnitztalchor 2. Kulturfesttage auf dem LandeDahlen 31. Mai 1971Leiter: Adolf Grüneberg Quelle: privat

Zwei Chöre in einer Einheit

Chorleiter waren ab 1969 Adolf Grüneberg, Hans Wiemer, Horst Kraus und ab September 1988 Rainer Naake. „Unter ihrer Leitung pflegten wir die bekannten Lieder und erweiterten unser Repertoire ständig“, so Erika Däberitz. Mit der Wende schlossen sich jedoch im Volksgut Mügeln die Türen und so gab es den Träger des Chores nicht mehr. Es wurde notwendig, einen Verein zu gründen. Das geschah im November 1991. Seitdem gibt es den Döllnitztalchor. Erika Däberitz: „Wenn wir heute auf der Bühne stehen, sind wir aber eigentlich zwei Chöre. Grund dafür, dass die beiden Vereine zusammen musizieren, war der ehemalige Chorleiter Rainer Naake, der beide Chöre leitete. Am Anfang wurde sich gegenseitig ausgeholfen und schließlich – seit 2005 – immer gemeinsam gesungen, in den Proben an jedem Montag, abwechselnd im Rathaus in Mügeln und im Jagdhaus in Kössern, und zu den Auftritten. Döllnitztalchor und Thümmlitzwaldchor sind mittlerweile eine untrennbare Einheit. Gemeinsam sind wir 37 Mitglieder.“

Heute ist Konstantin Beyer Chorleiter. Doch bis er gefunden wurde, gab es seit 2005 einige Wechsel. Michael Reuter leitete den Chor bis 2013. Er war Dozent für Chordirigat an der Musikhochschule Leipzig und brachte sehr oft Studenten mit zu den Chorproben. „Für uns war dies sehr gut, denn so konnten wir uns an unterschiedliche Dirigenten gewöhnen und haben keine Probleme, wenn uns mal eine Vertretung dirigiert.“ Nach Reuter nahmen Musikstudent Max Rowek, dann die Kantorin Elisabeth Neumann und danach die Musikstudentin Karolin Scholz die Geschicke der beiden Chöre in die Hand, und schließlich, seit August 2017, Konstantin Beyer, dessen Großvater im Chor die Bassstimme singt.

Mügeln Themenseite Döllnitztalchor Quelle: Fotograf Sven BartschFotograf Sven Bartsch

Physiker und Chorleiter

Der 26-Jährige studiert an der TU Dresden Theoretische Physik. Auch wenn das nicht ins typische Bild eines Dirigenten passt, brachte er die Musik bereits von Zuhause mit. Zudem singt er selbst im Uni-Chor und leitet in Dresden noch ein anderes musikalisches Ensemble. Von den 37 Mitgliedern beider Chöre sind elf Männer und 26 Frauen, darunter drei Ehepaare. Hinzu kommen sechs Fördermitglieder, die den Chor unterstützen.

Zu den regelmäßigen Abendproben kommen ein dreitägiges Chorlager und zwei Ganztagsproben – einmal im Frühjahr und einmal vor der Weihnachtszeit. In diesem Jahr ist diese Probe besonders wichtig, da es im Programm ein Stück mit vier Instrumentalisten geben wird. Hier hat Beyer seine Beziehungen spielen lassen und die jungen Musiker aus Dresden und Berlin von einer Zusammenarbeit überzeugt. „Vor elf Jahren haben wir das Stück schon einmal gesungen. Damals gehörte Konstantin selbst mit seinen Geschwistern zu den Instrumentalisten“, erinnert sich die Vorsitzende. Beim Weihnachtskonzert in diesem Jahr werden 15 bis 18 Lieder präsentiert. Das Motto lautet „Das neugeborne Kindelein“. Für den Auftritt werden zum Teil sehr alte Lieder aus der Schublade geholt und mit neuem Schwung wiederbelebt.

50. Jubiläum wird gefeiert

Und wie sieht es im kommenden Jahr aus? „Wir begehen unser 50. Jubiläum. Um das zu feiern, bekommen wir am 25. und 26. Mai Besuch von unserem befreundeten Chor aus Flechtorf bei Wolfsburg. Diese Freundschaft besteht bereits seit 1992, als wir uns beim Stadtfest in Grimma zum ersten Mal begegneten.“ Der Verein aus Flechtorf hatte an diesem Tag einen Auftritt und bat darum, mit einem einheimischen Chor gemeinsam aufzutreten. Dass daraus eine so enge Verbindung entstehen würde, konnte zu jener Zeit noch keiner ahnen. Beinahe jedes Jahr wird sich getroffen und gemeinsam musiziert, so wie auch am 25. Mai 2019 in der Kirche in Mügeln. „Die Flechtorfer reisen am Vormittag an. Dann wird erst einmal ausführlich geschwatzt, bevor am Abend das Konzert beginnt. Jeder hat seinen eigenen Auftritt, doch einige Lieder singen wir gemeinsam. Am Sonntag wollen wir mit unseren Freunden im historischen Oschatz eine Stadtführung erleben und ihnen im Park die Kaffeekannensammlung zeigen. Dafür hatten die Flechtorfer 2007 52 Kannen mitgebracht. So konnten wir gemeinsam 116 Kannen der Ausstellung überlassen. An solchen Aktionen beteiligen wir uns gerne.“ So auch an der Endlospolonaise um den Rosensee zur Landesgartenschau 2006, die das Vereinsmitglied Klaus Fischer ins Leben gerufen hatte.

Der Dollitzthalchor beim Konzert.

Doch das Hauptaugenmerk legt der Verein natürlich auf den Gesang. So finden regelmäßig Frühlings- und Sommerkonzerte statt. Es gibt Auftritte beim Erntedankfest in Mügeln, dem Tag des offenen Denkmals, zu Ortsjubiläen und mehr. Um die zehn bis zwölf Konzerte finden im Jahr statt, darunter fünf bis sechs Weihnachtkonzerte. „Das ist für uns sehr wichtig. Wie andere Vereine lebt auch unser Chor von Spenden. Auch Benefizkonzerte für bestimmte Projekte haben wir bereits auf die Beine gestellt. So zum Beispiel für die Kinder von Tschernobyl, die zu dieser Zeit in der Dahlener Heide zur Kur waren, für die Sanierung der Mügelner Kirche und des Glockenstuhles sowie des Brunnens im Stadtbad Mügeln.“ Doch nicht nur die gemeinsame Musik zeichnet den Verein aus. Er ist auch beispielgebend im guten Miteinander zwischen Alt und Jung. Gemeinsame Unternehmungen und gesellige Veranstaltungen schweißen ebenso zusammen. „Fest im Programm ist jährlich eine Fahrt ins Blaue. Hier sind selbstverständlich die Partner mit von der Partie. Es ist eine schöne Gelegenheit ihnen mal Danke zu sagen, dafür dass sie uns Sängerinnen und Sängern montags und zu den Auftrittsterminen ,freigeben’“, meint Erika Däberitz.

Der Chor hat eine schier unendliche Palette der unterschiedlichsten Lieder in seinem Repertoire. „Wir singen klassische Werke, zeitgenössisches Liedgut, Volkslieder ebenso wie Opernchöre, Lieder aus anderen Ländern, zum Teil auch in Originalsprache. Zum Beispiel singen wir ,Sommer ist ins Land gekommen’, ein Kanon aus England um 1240, ebenso wie das Weihnachtslied ,Kling Glöckchen klingelingeling’ in der Bearbeitung von Carsten Gerlitz, einem zeitgenössischen Komponisten aus Berlin.“

Fast zum Schluss soll noch ein wichtiges Anliegen des Chores genannt sein. Wie jeder Chor sucht auch der Döllnitztalchor dringend neue sangesfreudige Mitstreiter. Notenkenntnis ist von Vorteil, aber keine Bedingung. Wichtig sind die Liebe zum Gesang und die Freude an Gemeinschaft. „Wir laden Interessierte gern ein, in unserem Verein mitzuwirken, im Januar beginnt die neue Saison, das ist günstig für den Start bei uns“, betont die Vorsitzende. „Im Internet ist unsere Homepage zu finden, einfach ,Döllnitztalchor’ oder ,Thümmlitzwaldchor’ eingeben.“

Weihnachtskonzerte: am 9. Dezember 15 Uhr in der Kirche Schönbach und 18 Uhr in der Kirche Grimma-Hohnstädt; am 16. Dezember 14 Uhr in der Kirche Sornzig und 17 Uhr in der Kirche Altmügeln; am 21. Dezember 19 Uhr im Jagdhaus Kössern

Von Kristin Engel

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