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Oschatz Christian Schiel aus Wadewitz kritisiert fehlende Lobby für Radfahrer
Region Oschatz Christian Schiel aus Wadewitz kritisiert fehlende Lobby für Radfahrer
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14:11 30.08.2016
Christian Schiel ist regelmäßig auf der S 38 bei Mahlis unterwegs: „Mindestens einmal im Monat erlebe ich dabei eine gefährliche Situation“, sagt er. Quelle: Foto: Dirk Hunger
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Wadewitz

Gut 5000 Kilometer fährt Christian Schiel pro Jahr. Mit dem Fahrrad. Der Wadewitzer ist freiberuflicher Musiker und erledigt als solcher die meisten seiner Wege mit dem Rad. Dabei ist er auch regelmäßig auf der S 38 von Oschatz nach Wermsdorf unterwegs – genau dort, wo vor anderthalb Wochen eine junge Autofahrerin tödlich verunglückte. Schiel kennt die neuralgischen Punkte, die der jungen Frau zum Verhängnis wurden, ganz genau: „Die lang gezogene Kurve, der durchgehende Mittelstreifen und Autofahrer, die es nervt, hinter einem Radfahrer bleiben zu müssen und dann überholen, auch wenn sie von vorne nichts sehen.“ Auch bei dem jüngsten Unfall setzte ein Fahrer zum Überholen von Radlern an – und stieß dann frontal mit dem Auto der tödlich Verunglückten zusammen. „Ich habe jede Woche, wenn ich hier unterwegs bin, gedacht ’es ist ein Wunder, dass hier nichts passiert’ Dass nun tatsächlich jemand hier sterben musste, hat mir keine Ruhe gelassen", beschreibt er.

Riskante Überholmanöver

Oft genug würden hinter ihm an dieser Stelle Autos in Kolonne fahren – bis dann ungeduldig der erste zum Überholen ansetze. „Ich verstehe, dass es die Leute nervt, hinter einem Radfahrer fahren zu müssen“, räumt er ein. Doch gerade, wenn just im Moment des Ausscherens etwas von vorn komme, werde es schnell kritisch: „Ich hab schon oft die Bremsen quietschen hören.“ Die Gefahr verstärke sich noch, wenn auch die nachfolgenden Autos zum Überholen ansetzen und weder sehen, ob Gegenverkehr kommt noch, warum der erste überhaupt überholt.

Abgesehen davon, dass sich die Autofahrer damit selbst in eine heikle Situation bringen, seien Radfahrer besonders gefährdet. Christian Schiel radelt zwar stets mit Helm, weiß aber, dass er bei einem Unfall mit Kraftfahrzeugen den Kürzeren ziehen würde. „Radfahrer haben bei uns keine Lobby“, ist seine Erfahrung. „Es wird viel über Radtourismus und Fernradwege gesprochen, die Alltagsradler dagegen vergisst man“, fügt er hinzu. Dabei sei er kein Exot, sondern kenne viele Menschen, die ebenfalls täglich Strecken auf dem Fahrrad zurücklegten. Zwar gebe es zunehmend auch straßenbegleitende Radwege, doch die hätten viele Tücken. So seien in Oschatz stadtauswärts entlang der Wermsdorfer Straße Radler auf dem Fußweg erlaubt, müssten bei dieser Regelung aber im Schritttempo fahren. „Und das anderthalb Kilometer lang. Jemanden, der längere Strecken fährt, hält das auf“, macht der Wadewitzer deutlich. Deutliche Kanten an den Absätzen, nur wenig abgesenkte Einfassungen würden zudem auf vielen Wegen das Radfahren beeinträchtigen und je nach Reifendruck auch schon einmal einen Platten verursachen.

Radler bei Baustellen komplett vergessen

Bei Baustellen würden Radfahrer oftmals komplett vergessen, hat Christian Schiel erfahren. So sei es zum Beispiel ein Kunststück, den Horstsee zu erreichen. „Ich sehe ein, dass es gerade bei Baustellen schwierig ist, an alle zu denken. Aber der Kreisverkehr in Dahlen ist ein gutes Beispiel. Hier hat man sich etwas einfallen lassen, damit auch Radler in die Stadt oder zum Bahnhof kommen.“ Oft genug scheinen Radwege von Leuten geplant, die selber offenbar nicht in die Pedale treten würden. Ein Zeichen dafür sei auch die mangelhafte Beschilderung, während für Ausweisung von Fernstrecken mehr Geld ausgegeben werde.

Wege ins Nichts

Es sei besonders ärgerlich, wenn bestehende Wege, die von Radfahrern gut genutzt werden könnten, nicht gepflegt werden und stattdessen im Zuge der Flurneuordnung Strecken ins Nichts gebaut würden, weil damit lediglich ein Feld, nicht aber der nächste Anschluss erreicht werden soll.

Von Jana Brechlin

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