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Oschatz Claudia Lutze aus Leisnitz ist mit 26 ihr eigener Chef
Region Oschatz Claudia Lutze aus Leisnitz ist mit 26 ihr eigener Chef
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15:45 12.09.2018
Claudia Lutze in ihrem grünen Pavillon auf dem Oschatzer Wochenmarkt. Quelle: Manuel Niemann
Oschatz

An den Dienstag- und Freitagvormittagen geht es geschäftig zu vor dem Oschatzer Neumarkt-Brunnen: Kastenwagen öffnen ihre mobilen Theken, um Fleisch und Wurst, frischen Fisch, ofenwarmes Brot oder auch Broiler anzubieten. Stände mit Textilien sind aufgebaut, Pullover stapeln sich auf Kartons, die als Auslage dienen, Unterwäsche flattert im Wind. In einer neuen Reihe stürzt sich die OAZ mitten in das Getümmel und sieht sich um, wer dort seine Waren feilbietet. Wer sind die Gesichter, die hier die frühen Morgenstunden als Händler zum Verkauf nutzen?

Schnittblumen, Pflanzen und Gesteck aus Leisnitz

Claudia Lutze überlegt nicht lang, ob sie etwas über ihre Arbeit verraten will. Die 26-Jährige ist in Oschatz geboren und nicht die Einzige, die auf dem Wochenmarkt Schnittblumen, Gestecke oder auch Setzpflanzen anbietet. Sie kommt aus Leisnitz, „also gleich um die Ecke“.

„Ich mache das seit drei Jahren. Erst im Neben- und jetzt seit Juli im Haupterwerb und habe Zuhause auch ein kleines Hoflädchen“, erzählt sie. Damit der kleine Laden im Liebschützberger Ortsteil bekannter wird, hat sie hier auf dem Oschatzer Markt ihren Stand aufgeschlagen. Um das Zu-den-Leuten-Fahren komme sie nicht herum: Schnittblumen und Sträuße binden allein lohne sich auf dem Dorf nicht, sagt sie.

„Selbst hier ist die Konkurrenz ganz groß“, sagt sie mit Blick auf die anderen Stände. Da habe sie es schwer. Sie steht allerdings auch erst am Anfang: Erst seit Mai ist sie hier zu finden. „Es war ein Kampf hierher zu kommen, weil der Markt voll sei, wurde mir gesagt“, erzählt sie.

Passend zu den Jahreszeiten werden von Claudia Lutze Gestecke und Blumenarrangements angeboten. Quelle: Manuel Niemann

Vom Ziegenstall zum Blumenstand

Lutze ließ sich nicht abschrecken. Auch der Schritt in die Selbstständigkeit fiel ihr nicht schwer. „Ich hatte keine Angst, mich selbstständig zu machen. Ich wollte mein eigener Chef sein“, sagt sie selbstbewusst. Auch sei es kein schwerer Schritt gewesen, weil ihre ganze Familie hinter ihr stehe: „Wir wohnen auf einem Bauernhof. Also ich weiß, was Arbeiten heißt“, sagt sie. Den Hof betreiben ihre Eltern, die beide anderen Berufen nachgehen, in ihrer Freizeit. Tiere wie Enten, Gänse und eine Kuh werden nebenbei versorgt.

Die waren auch Ausgangspunkt für ihren Berufsstart. Der gestaltete sich schwieriger: „Erst habe ich Tierwirt gelernt, dann Gärtner.“ Wenn man wie sie auf einen Hof aufwachse, gehörten Tiere einfach dazu. „Da will man dann mehr wissen, mehr erfahren.“

Da zum Start ins Berufsleben als Tierwirt auch Menschen gehören und relativ niedrige Löhne angesagt sind, orientierte sie sich noch einmal um. Nach zwei Jahren in einem Ziegenstall kehrte sie ernüchtert der Tierwirtschaft den Rücken. Die Arbeitsatmosphäre stimmte einfach nicht.

Die schulische Ausbildung, die sie anschließend begann, sagte ihr auch nicht zu. Ihre Mitschüler waren eher mit Partymachen als Lernen beschäftigt. „Meine Mutter hat mir gesagt, ich könnte die Schule beenden, wenn ich etwas anderes hätte“, erinnert sie sich.

Pflanzen statt Tiere

Gesagt, getan: „Dann habe ich mir in einer Gärtnerei einen Job gesucht und war dort erst einmal ganz normal arbeiten.“ Erst da habe sie beschlossen, den Beruf noch einmal von Grund auf lernen. „Ein Jahr wurde mir anerkannt, weil ich schon einen landwirtschaftlichen Beruf hatte. Und dann habe ich noch einmal zwei Jahre in Wurzen Gärtner gelernt.“

Auch dort findet sich ihre Liebe zur Natur wieder: „Natur ist mir sehr wichtig, ich verwende so wenig Künstliches wie möglich.“ Neben den Pflanzen der Saison hat sie auch dekorative Sachen im Angebot: Gestecke für den Totensonntag oder später im Jahr auch für Weihnachten.

„Einen Teil kaufe ich von Gärtnereien aus der Umgebung und im Großmarkt zu, einen Teil produziere ich auch schon selbst. Aber mein Gewächshaus ist noch nicht fertig“, lacht sie. Die Zahlen habe sie nicht im Kopf, aber groß werde es. „Ich biete auch Grabpflege an, aber das wird noch nicht so in Anspruch genommen.“

Perspektivisch reiche dies erst einmal zum Leben: „Das ist erst einmal, was ich alleine schaffe.“ Natürlich fände sie schön, nicht aufpassen zu müssen, was sich rechne.

Saisonales wie einen Apfelstrauß bastelt Lutze auch mit Reha-Patienten in Schmannewitz. Quelle: Manuel Niemann

Oschatz nicht die einzige Station

„Montags mache ich die Sachen fertig: Alles was fehlt – Pflanzen neu gestalten und neu dekorieren – und natürlich muss ich mich auch um die Pflanzen kümmern.“ Dann wird am Abend noch das Auto beladen und dienstags geht es früh beizeiten auf den Markt. Zuhause wird ausgepackt, kontrolliert und gegebenenfalls etwas neu gemacht.

Denn am nächsten Tag geht es schon wieder nach Waldheim auf den Markt. „Dann gehe ich zwei Mal im Monat abends auch noch in die Reha-Klinik in Schmannewitz mit den Leuten basteln.“ Zur Zeit sind auch dort Herbstdeko wie ein Apfelstrauß gefragt.

Auch auf dem Bauernmarkt in Klosterbuch oder auf dem Frischemarkt in Grimma oder in Staucha ist sie regelmäßig zu finden. „Im Dezember mache ich auch immer einen Tag der offenen Tür, direkt auf dem Hof in Leisnitz.“ Der liegt in der Müllergasse 4a und wird am 1. Dezember wieder offen sein.

Von Manuel Niemann

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