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Collm-Klinik findet keine Hebammen: Geburtshilfe wird dicht gemacht

Immer weniger Kinder Collm-Klinik findet keine Hebammen: Geburtshilfe wird dicht gemacht

"Geburtsort: Oschatz." Ab dem kommenden Jahr wird jene Angabe auf dem Personalausweis seltener. Denn die Collm-Klinik in der Döllnitzstadt schließt zum 31. Dezember ihre Geburtshilfe-Abteilung. Diese schwere Entscheidung hatte der Aufsichtsrat des Krankenhauses am Mittwochabend mehrheitlich getroffen.

Überbringer der schlechten Nachricht: OBM Andreas Kretschmar, Klinik-Geschäftsführerin Sabine Trudel und der medizinische Geschäftsführer Mario Günther.

Quelle: Dirk Hunger

Oschatz. Die Entscheidung teilten am Donnerstag die Geschäftsführer des Hauses, Sabine Trudel und Mario Günther, sowie Oberbürgermeister und Klinik-Aufsichtsratsvorsitzender   Andreas Kretschmar mit. Begründet wird das mit dem seit Monaten anhaltendem Mangel an klinischem Fachpersonal in jener Abteilung. Auch die mehrere Monate währende und offensiv  geführte Suche nach neuen Hebammen blieb ergebnislos. Ebenso spielte der seit zehn Jahren währende Trend des Geburtenrückganges in Oschatz eine ebenso gewichtige Rolle. „Das ist wie ein kleines Sterben, auch für uns“, sagte Klinik-Geschäftsführerin Trudel.

„Das berührt mich als gebürtigen Oschatzer schon“, stockte bei Kretschmar die Stimme, als er den Entschluss verkündete, „aber im Interesse der Patienten und Angestellten ist das alternativlos.“ Um einen Regelbetrieb bei der Geburtshilfe gewährleisten zu können, muss der ganzjährige 24-Stunden-Dienst personell doppelt abgesichert sein. Der Betrieb ist gesetzlich auf mindestens 5,6 Vollkräfte festgeschrieben, erklärte die Klinik-Geschäftsführerin. Allerdings arbeiten derzeit die sechs verbliebenen Hebammen in Teilzeit. Gesetzlich vorgeschrieben sind sechs Vollzeit-Angestellte. Nur mit einem Kraftakt der Hebammen ist das seit Anfang des Monats möglich. Die sechs Damen arbeiten in Zwölf-Stunden-Schichten.

„Gerade die Überlegung aus medizinischer Sicht hat mich bewogen, diesen Entschluss mitzutragen“, begründete der medizinische Geschäftsführer und Chefarzt der Chirurgie Mario Günther. „Wir tragen eine Verantwortung für Mütter, deren Kinder und unsere Mitarbeiter. Die ist bei der Organisationsproblematik nicht gegeben“, sagte Günther weiter, „so leid es mir tut, aber dann können wir das nicht machen und müssen Müttern empfehlen, in andere Kliniken zu gehen.“

Im August war bereits absehbar, wie prekär sich die Lage bei der Geburtshilfe entwickelt. „Deswegen haben wir mit den Mitarbeitern darüber gesprochen und uns regional und überregional um Fachpersonal bemüht“, erläuterte Sabine Trudel, „die Hebammen haben sich damals schon mit der möglichen Schließung auseinander gesetzt.“

Die ist nun gewiss. Auch, weil in Oschatz in den vergangenen Jahren immer weniger Kinder auf die Welt kamen. Waren es 2005 noch 395 Neuankömmlinge, vergangenenes Jahr 270, sind es bis dato 181 Kinder.
Acht Beschäftigte sind von der Schließung betroffen. Seit 1958 wurde die medizinische Fachabteilung der Frauenheilkunde und Geburtshilfe des Krankenhauses kontinuierlich ausgebaut. Die Gynäkologie-Station bleibt bestehen.

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