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Collmer Rentner haben in Costa Rica überwintert

Reisen Collmer Rentner haben in Costa Rica überwintert

Die Collmer Anita und Günter Schmidt sind aus ihrem Winterquartier in Costa Rica zurück. Seit November sind sie dort der Kälte in Deutschland entflohen, haben sich am Strand erholt, Nicaragua und Rio de Janeiro besucht und die Affen gefüttert. Dass sie nach ihrer Rückkehr in Deutschland immer noch frieren, war so nicht geplant.

Zutrauliche Gartengäste: Günter Schmidt lässt sich von einem Affen ein Stück Banane aus dem Mund pflücken.

Quelle: privat

Collm. Das hatten sich Schmidt anders vorgestellt: Da haben sie den Aufenthalt in ihrem Winterquartier in Mittel- und Südamerika schon verlängert – und dann ist es trotzdem noch kalt als sie wieder zuhause in Collm ankommen. „Furchtbar“, sagt Günter Schmidt mit Blick auf das Wetter vor dem Fenster und schüttelt sich, „Ende April und immer noch Winter.“ Okay, das mit dem Winter ist es jetzt wirklich übertrieben, wenn man aber wie Anita und Günter Schmidt seit vier Jahren schon im November nach Costa Rica flüchtet, nur zwei kurze Hosen und fünf T-Shirts im Gepäck hat, dann sind auch zehn oder zwölf Grad über Null keine Temperaturen, die die Laune heben.

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Seit November hatte sich Günter Schmidt mit Ehefrau Anita vor dem Winter in Deutschland nach Costa Rica geflüchtet. Neben dem Strandleben dort genossen die reiselustigen Rentner auch Besuche in Nicaragua und in Rio de Janeiro.

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Die beiden Collmer haben während ihres Berufslebens als Schlafwagenschaffner nach der Wende wochen- und monatelang Süd- und Zentralamerika bereist, viel angeschaut und erwandert. Mittlerweile lassen es die Rentner ruhiger angehen. Seit sie auf ihren Reisen Cahuita entdeckt haben, schlagen sie dort im Winter ihre Zelte auf. Das Dorf, eingebettet zwischen Nationalpark und Karibikküste, in Costa Rica ist für Günter Schmidt einfach „der schönste Ort der Welt“. Nachdem das eigene Häuschen in Collm winterfest gemacht ist, brechen sie ins Warme auf. Als Gepäck hat jeder einen Rucksack dabei. Reicht für alles Notwendige. „Wir waschen schließlich dort, also Anita wäscht“, sagt Schmidt. Für ihn selbst muss noch das Laufzeug ins Gepäck, damit das Training für die Marathonsaison auch am Strand fortgesetzt werden kann, Ehefrau Anita packt noch Unverzichtbares wie Soßenbinder dazu.

Der Bungalow, den die Collmer dann mieten, ist Teil einer Anlage und immer schon im Voraus für die wärmeliebenden Dauerurlauber reserviert. Eigentlich. „Wir sagen schon beim Abschied, dass wir im November wiederkommen, schicken von daheim noch eine Mail mit dem genauen Datum, und wenn wir dann da sind, ist der Vermieter trotzdem überrascht“, erzählt Günter Schmidt und hat dafür nur drei Worte: „Typisch Costa Rica.“ Lässig und entspannt, nur keine Hektik. „Das ist wunderbar.“ Aber nichts für immer. „Dort ständig leben möchte ich nicht, da wird man dann selber so. Ich bin schon froh, wenn ich wieder hier bin und Ordnung und Pünktlich Einzug hält“, sagt er. Und einfach mal Weihnachten in Collm verbringen? „Hierbleiben ist gar keine Alternative“, winkt er ab, „ich freue mich, wenn ich den Wetterbericht von Deutschland sehe und anschließend an den Strand gehen kann...“ Überhaupt der Strand: Das hätte Schmidt früher mal einer sagen müssen, dass er Tag für Tag am Meer rumhängt. „Nicht ausgehalten hab ich das.“ Heute dagegen ist die Mischung aus Meer, Sand und Nationalpark der perfekte Erholungsort. „Und nicht zu vergessen unser Garten um das Bungalow mit den Tieren: Kaimane, Schlangen, Vögel und vor allem Affen“, zählt er auf. Vor allem letztere begeistern den Collmer immer wieder. „Unsere Affen sind sehr gut erzogen, sie fressen mir mittlerweile nicht nur aus der Hand, sondern nehmen mir das Bananenstück sogar aus dem Mund.“ Um seine Gartennachbarn zu verwöhnen, arrangiert sich der Rentner auch mit der Planwirtschaft in Costa Rica: Das Land exportiert seine Bananen in aller Herren Länder. Vor Ort herrscht dagegen häufig Mangel. „Nur montags und freitags gibt es Bananen – da kauf ich dann auch gleich 30 Stück. Für unsere Affen müssen die Früchte von guter Qualität sein.“

Auch ein bisschen wie früher war der Ausflug von Schmidts nach Nicaragua. Dort waren sie 1995 schon einmal. Zwar habe sich das Land weiter entwickelt, und trotzdem: „Alles ist noch so ein bisschen wild und improvisiert – wie bei uns in den 90er Jahren.“ Abgesehen von Touristenorten sei das Leben einfach und billig. Ein Wiedersehen gab es auch mit einer weiteren Bekannten, denn die letzten beiden Wochen ihres langen Winterurlaubes verbrachte das Ehepaar in Rio de Janeiro. „Das ist für mich immer noch die schönste Stadt der Welt“, schwärmt der 65-Jährige. Abgesehen von einigen Schönheitsfehlern. So hat ein Taschendieb Günter Schmidt einen Nasenhieb verpasst. Zwei Wochen nachdem ihm bereits beim Laufen zwei Baumwurzeln zum Verhängnis geworden sind: Über eine ist er gestolpert, auf die andere mit der Nase gefallen. Doch er lässt nichts auf seine Lieblingsstadt kommen. „Das hätte mir in Berlin auf dem Alex auch passieren können“, ist sein Kommentar. Schlimmer ist da schon, dass die Schere zwischen Superreichen und Armen weiter auseinander klafft, WM-Stadion und olympische Wettkampfstätten immer mehr verlottern. „Ich hab mir das Fußballstadtion Maracana angesehen: Da leben Katzen drin, der Rasen ist verdorrt und die Sitze ausgebaut“, beschreibt. Nein, da gibt es wahrlich schönere Ecken, weiß der Reise erfahrene Rentner. „Der Strand ist ein Traum, die U-Bahn total sicher und es gibt viele Gegenden, die man problemlos als Urlauber besuchen kann.“

Abgesehen davon seien die Brasilianer sehr freundliche und entspannte Menschen. „Wenn immer die Sonne scheint, ist man so“, lautet seine Erklärung. Klingt banal. Und irgendwie einleuchtend.

Von Jana Brechlin

Collm 51.3014197 13.0206523
Collm
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