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Oschatz Curt Lehmann - Konstrukteur aus Oschatz
Region Oschatz Curt Lehmann - Konstrukteur aus Oschatz
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13:13 07.04.2014
Schreibmaschinen-Konstrukteur Curt Lehmann aus Oschatz. Quelle: Privat

Nach dem Ersten Weltkrieg betrieb er mit seinem Bruder Ernst in Erfurt eine kleine Werkstatt, in der er Uhren, Fotoapparate, Schreib- und Rechenmaschinen reparierte. Nebenbei konstruierte er eine eigene Schreibmaschine, die er "Culema" (Abkürzung von Curt Lehmann) nannte. Er stellte sie 1919 auf der Leipziger Messe vor, was ihm einige Vorbestellungen einbrachte. Daraufhin gründete er mit seinem Bruder die Schreibmaschinenfabrik Gebrüder Lehmann in Erfurt.

Die "Culema"-Schreibmaschine hatte eine für jene Zeit sehr klare äußere Form und einige Neuerungen, die später auch andere Hersteller übernahmen. Allerdings besaß sie eine dreireihige Tastatur mit doppelter Umschaltung, was zu dieser Zeit bereits völlig überholt war. Dies wird wohl einer der Hauptgründe dafür gewesen sein, dass der Maschine ein kommerzieller Erfolg versagt blieb. So war man 1922 gezwungen, die Geschäftsleitung an den Hamburger Finanzier F. Wallbröhl zu übergeben. Dieser bestand erst einmal darauf, die Maschine von nun an "Hansa" zu nennen.

Währenddessen konstruierte Curt Lehmann auch noch eine dreireihige Klein-Schreibmaschine. Sie sollte den Namen "Orientalis" tragen, ist aber nie in Serie produziert worden. Die Firma wechselte in den nachfolgenden Jahren noch zweimal ihren Namen (Hansa Schreibmaschinenwerke Ferd. Wallbröhl beziehungsweise Wallbröhl & Co.), musste aber 1926 wegen des ausbleibenden geschäftlichen Erfolges die Produktion einstellen. Hier muss allerdings erwähnt werden, dass man diese Schreibmaschinenfabrik heute eher als eine größere Werkstatt bezeichnen würde.

Curt Lehmann aber ließ sich von dem finanziellen Fiasko nicht abschrecken, eine weitere Schreibmaschine zu konstruieren. Diese hatte nun eine vierreihige Tastatur und als Neuheit einen mehrfach auswechselbaren Schriftsatz. 1935 sollte diese Schreibmaschine mit der Bezeichnung "Universal 1" in den Handel kommen. Hierzu wurde die Schreibmaschinenfabrik Curt Lehmann als Unterabteilung des Dresdener Großunternehmens Albert Rehbein gegründet.

Noch bevor die Produktion richtig in Schwung kam, führte diesmal die aufkommende Wirtschaftskrise zur Einstellung der Fabrikation und zum Verlust des von ihm investierten Vermögens. Aus dieser Zeit stammt auch eine weitere völlig neu konstruierte Schreibmaschine "Piana", welche jedoch nur als Funktionsmodell mit vier Tasten existiert. Fachleute sind sich allerdings einig, dass diese Maschine kaum Käufer gefunden hätte. An der mechanischen Ausführung sämtlicher von Curt Lehmann gemachter Konstruktionen erkennt man aber eindeutig die Handschrift eines gelernten Uhrmachers. Zudem legte er Wert darauf, dass alle seine Maschinen sehr geschlossen und damit staubdicht waren, was auch die Geräuschemission verminderte. Dies sollte erst 30 bis 40 Jahre später zum Standard werden.

Der wiederholte wirtschaftliche Misserfolg hielt aber ganz offensichtlich den Erfinder Curt Lehmann nicht davon ab, immer wieder zu tüfteln. So machte er auch auf anderen Gebieten Erfindungen. Von Curt Lehmann konstruierte Schreibmaschinen wurden insgesamt etwa 2000 Stück verkauft, was angesichts der Verkaufszahlen anderer Hersteller (zum Beispiel "Continental" 1925 mit 25 000 Stück) sehr wenig ist. Wie wir gesehen haben, gab es dafür verschiedene Ursachen.

Im hohen Alter wurde Curt Lehmann wegen seines schöpferischen Wirkens von den DDR-Oberen hoch dekoriert. Er verstarb dennoch recht mittellos am 3. Mai 1966 in der Nähe von Oschatz.

Hartmut Finger

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