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Curt-Matthias Engel plaudert in Wermsdorf aus dem Leben eine Strafverteidigers

Gespräch Curt-Matthias Engel plaudert in Wermsdorf aus dem Leben eine Strafverteidigers

Morddrohungen vor Gericht lügende Zeugen und Angeklagte, die besser geschwiegen hätten – Alltag für Strafverteidiger Curt-Matthias Engel. Jetzt war er auf Einladung Günter Schmidts in Wermsdorf und sprach unter anderem über Mundpropaganda im Knast und Besonderheiten der Wahrheitsfindung im Rotlichtmilieu.

Curt-Matthias Engel (rechts) im Gespräch mit Günter Schmidt.

Quelle: Christian Kunze

Wermsdorf. Im richtigen Moment die Klappe halten ist die beste Verteidigung – diesen Rat gab Rechtsanwalt Curt-Matthias Engel am Donnerstag den knapp 30 Besuchern im Gasthaus zum Goldenen Hirsch. Der Collmer Gemeinderat, Bahnmitarbeiter und Weltenbummler Günter Schmidt hatte den Leipziger eingeladen – zur 11. Auflage von „Schmidt’s Gäste“.

Mundpropaganda im Knast reicht oft schon aus

Um Werbung für sich zu machen, sei der 49-Jährige nicht gekommen. „Das brauche ich gar nicht, die Mundpropaganda im Knast reicht da oft schon aus“, benennt der Rechtsanwalt am Landgericht Leipzig einen Vorzug des Rechtssystems, das Beschuldigten stets die Möglichkeit einräumt, einen Anwalt zu konsultieren. Ein Privileg, das nicht alle zu schätzen wüssten. „Meist ist der Mandant keine Hilfe“, bekennt Engel – und das gelte für Deutsche ebenso wie für Ausländer. Zwar habe sich seit dem Zuzug „aus anderen Kulturkreisen“ der Einsatz von Dolmetschern verstärkt – es sei jedoch ein Trugschluss, dass Nichtdeutsche weniger kooperativ seien als Deutsche.

Clubchef der Hells Angels verteidigt

Die Muffe gehe ihm nur selten in einer Verhandlung. „Man muss einen Wall aufbauen und die Schicksale nicht zu sehr an sich heranlassen.“ Und das sagt einer, der den Clubchef der Hells Angels verteidigte, als ebenfalls im Saal Anwesende drohten, diesen zu erschießen. Auch den Kontakt zu „harmloseren“ Mandaten sollte man aufs Nötigste beschränken. Engel habe sich abgewöhnt, mit ihnen zu Gericht zu fahren, wenn es sich vermeiden lässt. „Alleinerziehende Mütter bringen meist die Kinder mit. Da erfährt man oft Details, die es schwierig machen, unvoreingenommen weiter zu arbeiten“, sagt er.

Wenn Mütter ihre Kinder töten oder andere Morde innerhalb der Familie geschehen, verlässt sich Engel nicht allein auf sein Urteil. „Solche Menschen sind in der Regel psychisch Kranke: „Gutachter bescheinigen dies. Und diesen Menschen muss – wie anderen Kranken auch – geholfen werden“.

Schweigen oder geständig sein wirkt sich strafmildernd aus – nur lügen dürften er und seine Mandaten niemals. Das, so Engel, solle man den Zeugen überlassen. „Die meisten von ihnen können das ohnehin sehr gut und besser als Angeklagte – oder sie machen Fehler und verstricken sich in Widersprüche. Ich provoziere gerne Fehler, die können meinem Mandaten nur nützlich sein.“ So etwa der Autofahrer, der in einem Prozess aussagte, mit 260 Sachen an ein Stauende herangefahren zu sein, in dem ein anderer Fahrer mit nicht einmal halb so viel Geschwindigkeit einen Unfall verursacht habe – weil die Sonne ihn blendete. „Solche großspurigen Bekenntnisse spielen mir in die Hände.“

Durch eine Überdosis Heroin gestorben

Schließlich, so Engel, sei es zur Verteidigung unerheblich, ob der Mandant schuldig ist oder nicht. Paradebeispiel dafür: Vergewaltigungsvorwürfe im Rotlichtmilieu. „Wenn eine Prostituierte behauptet, ein Mann habe sie gegen ihren Willen zu sexuellen Handlungen gezwungen, ist das schwer nachzuweisen, da es außer den beiden Beteiligten keine Zeugen gibt. Das ging einmal soweit, dass bei der Wiederaufnahme eines Falls sämtliche Personen anwesend waren, die in Beziehung zu Opfer und Täter standen. Nur die Klägerin fehlte. Es stellte sich heraus, dass sie durch eine Überdosis Heroin gestorben war. Ich habe also den vermeintlichen Täter gegen eine Tote verteidigt.“

Mit Vorsicht zu genießen seien manche Richter. „Ich habe meine Pappenheimer, mit denen gerate ich immer aneinander – man kennt sich ja.“ Skepsis lasse er walten, wenn in der Kanzlei eine Flasche Sekt oder andere Genussmittel – abgesendet von Richtern – eintreffen. „Schließlich könnte da auch was reingemischt sein“, meint er augenzwinkernd.

Von Christian Kunze

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