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Dahlen während der napoleonischen Kriege

Dahlen während der napoleonischen Kriege

Rund um Leipzig wird ein Jahrestag begangen, bei dem ich meine Zweifel habe, ob man dieses Datum als Jubiläum feiern, oder nicht eher als Anlass zum Gedenken nehmen sollte.

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Das Dahlener Rathaus.

Quelle: Dirk Hunger

Hierbei handelt es sich um die 200. Wiederkehr einer der größten und blutigsten Schlachten des 19. Jahrhunderts. Hunderttausende Soldaten aus vielen Ländern metzelten sich gegenseitig nieder, so dass man sie noch heute die große Völkerschlacht nennt. Das Ergebnis war eine verheerende Niederlage Napoleons, des Feindes aller Deutschen.

 

Nur wenige Jahre zuvor war das noch ganz anders. Fast alle fortschrittlichen Deutschen blickten nach Frankreich und auf seine Revolution 1789. Dort sah man den Fortschritt und die Aufklärung, während sich in den deutschen Staaten, so auch in Sachsen, nach dem Siebenjährigen Krieg das alte Feudalsystem restaurierte.

 

Der Geist der Aufklärung kam dennoch nach Sachsen. Wenn auch anders, als sich das die fortschrittlichsten Köpfe im Land vorstellten. Aus Frankreich kamen in diesem Fall nicht nur die Ideen, sondern vielmehr ein gewaltiges Heer unter Führung Napoleons (1769 bis 1821), das sich eher als Aggressor und Besatzer bei uns einen Namen machte. Das Schicksal vieler deutscher Staaten, so auch von Sachsen, wurde in der Schlacht bei Jena und Auerstädt am 14. Oktober 1806 besiegelt, die selbst für die früher so glorreiche preußische Armee in einem Desaster endete.

 

Damit brachen in ganz Deutschland, neue Zeiten an. Wenn auch die Zeit der französischen Besatzung mit rund sieben Jahren - gemessen an anderen geschichtlichen Ereignissen - recht kurz war, so brachte sie jedoch gravierende, nachhaltige Veränderungen mit sich. Hier soll zum Beispiel nur an die Einführung eines zur damaligen Zeit modernen Personenstandwesens erinnert werden. Obgleich der Hauptgrund dafür die Erfassung aller wehrpflichtigen jungen Männer war.

 

Da Sachsen zunächst in diesem Konflikt als Verbündeter Preußens auftrat, kam es auch schon vor dieser Schlacht, im September 1806, zu Einquartierung von durchziehenden preußischen Truppen in Dahlen. Napoleon erklärte Sachsen zwar zum neutralen Gebiet, setzte den Kurfürsten aber quasi als Geisel fest. Die Neutralität hielt ihn auch nicht davon ab, Sachsen als Versorgungsbasis für alle kriegswichtigen Güter inklusive Rekruten zu betrachten und dies rigoros durchzusetzen. Hier bieten sich durchaus Parallelen zum Siebenjährigen Krieg an.

 

Bereits im Oktober 1806 wurden die Dahlener verpflichtet, "Weitzen, Graupen und Schlachtochsen" nach Wittenberg zu den Franzosen liefern. Am 13. November mussten 13 Gespanne nach Leipzig gestellt werden. Zudem hatte man eine nun unter französischem Befehl stehende sächsische Kompanie vom Regiment Prinz Friedrich August, die seit dem 1. November in Dahlen einquartiert war, zu versorgen.

 

Ein Teil der Kontributionen wurde durch eine Art Einkommenssteuer erhoben. Dazu zog man auch die Geistlichen heran. Zu diesem Zweck wurde eine Einkommensuntergrenze festgelegt, die bei 300 Taler Jahreseinkommen lag. Nur der darüber hinausgehende Verdienst versteuert.

 

Demnach hatten der Pfarrer drei Taler und zwölf Groschen und der Rektor zwölf Groschen in die Kriegskasse Napoleons zu zahlen. Der Diakon, die übrigen Schullehrer, der Küster, der Kantor mit 158 Taler und der "Majdgenschulmeister" mit 161 Talern Jahresverdienst brauchten somit keine Kriegssteuern bezahlen. Die Einkommen weiterer Dahlener Einwohner wurden uns in diesem Zusammenhang leider nicht überliefert.

 

Im Jahr 1807 wurde dem sächsischen Kurfürsten von Napoleon die Königskrone angetragen. Damit machte sich der sächsische Landesvater und mit ihm ganz Sachsen aber nur noch mehr vom Diktat des Franzosenkaisers abhängig. Bis zum Sommer 1809 waren die Verhältnisse jedoch einigermaßen ruhig. Nun zog Napoleon aber gegen Österreich in den Krieg und die sächsischen Verbündeten waren gezwungen, dabei mit zu marschieren.

 

Aus Dahlen scheint allerdings niemand an dem Feldzug teilgenommen zu haben. Am 16. Juni sollten sich zwar eine große Zahl junger Männer in Oschatz stellen, der Befehl wurde jedoch einen Tag vorher wieder zurückgenommen. Dafür wurden aber am 22. August alle Männer zwischen 17 und 35 Jahren auf die Bürgerstube zur Musterung befohlen. Die Anforderung an die Rekruten war, dass sie mindestens 69 Zoll (1,40 m) groß, gesund und von gutem Rufe sein müssten. An diesem Tag wurden fünf Dahlener eingezogen. Diese waren "1) Kressens einziger Sohn, 2) der Pfarrknecht, ungeachtet sein Bruder schon bei den Soldaten war, 3) Schröter aus der Bautschmühle, 4) Zimmermann ein Hausbesitzer und 5) der Fleischerbursche des Gastwirts Hauptmann".

 

Fortsetzung folgt

Hartmut Finger

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