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Oschatz Dahlener Jugendherberge steht jetzt leer
Region Oschatz Dahlener Jugendherberge steht jetzt leer
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00:19 14.01.2018
Die Dahlener Jugendherberge seit Ende 2017 geschlossen. Quelle: Foto: Axel Kaminski
Dahlen

Mit den Begriffen „Dahlen“ und „Jugendherberge“ kommt man über Suchmaschinen tatsächlich noch auf eine Internetseite, die die Vorzüge dieser Unterkunft preist. Dort findet sich dann allerdings der Hinweis: „Leider bieten wir ab sofort keine Übernachtungen mehr in der Jugendherberge Dahlen an. Alternativ können Sie sich gerne an unsere Jugendherbergen in Strehla, Colditz, Bad Lausick und Leipzig wenden.“ Aus der Auswahl auf der Seite des Jugendherbergsverbandes Sachsen ist Dahlen entfernt worden.

Was es noch gibt, ist das Haus, in dem seit 1939 zahlreiche Kinder- und Jugendgruppen auf Klassenfahrt übernachteten, Aktive der Tanzmeisterschaften in Riesa Quartier nahmen, Spielmannszüge ihr Trainingslager absolvierten oder Mathe-Asse sich auf Wettbewerbe vorbereiteten.

Verhältnis zwischen Stadt und Herbergsverband zerrüttet

Im Sommer 2017 teilte der Herbergsverband der Stadt Dahlen, die Eigentümer des Objektes ist, offiziell mit, dass der am Jahresende auslaufende Vertrag nicht verlängert wird. Nach der eigenmächtigen Entscheidung, im Januar und Februar 2016 übergangsweise unbegleitete junge Flüchtlinge hier aufzunehmen, war das der Höhe- und Schlusspunkt eines Verhältnisses, in dem gegenseitige Information und Vertrauen zuletzt Mangelware waren.

„Die Übergabe des Hauses durch den Mieter an uns ist gelaufen“, teilt Bürgermeister Matthias Löwe (WHD) auf Nachfrage mit. Eigene Aktivitäten zur Vermarktung gäbe es derzeit nicht. Für die Stadt sei die Herberge derzeit ein Kostenfaktor. „Das Gebäude muss weiterhin versichert werden. Es musste frostsicher gemacht werden und die Verkehrssicherheit ist jederzeit zu gewährleisten“, zählt Matthias Löwe jene Aufwendungen auf, die auch dann anfallen, wenn keine Einnahmen fließen.

Fläche als Bauland für Eigenheime?

Stadtrat Ernst Bößneck hatte sich schon kurz nach dem Bekanntwerden der bevorstehenden Schließung zu möglichen Perspektiven des Areals geäußert. Er regte an, die Fläche als Bauland für Eigenheime auszuweisen, anstatt in der Nachbarschaft gutes Ackerland teuer neu zu erschließen. „Sollte das Haus den Charakter einer Herberge oder eines touristischen Betriebes behalten, wäre die Nutzung als Wohnbaustandort natürlich nicht mein Favorit“, erläuterte er der Oschatzer Allgemeinen. Aber bei einer anderen Nutzung erscheine ihm das als gangbarer Weg. Den von ihm in die Runde geworfenen Vorschlag, in der Jugendherberge eine Waldorfschule zu etablieren, will er nicht als persönliche Vorhaben verstanden wissen. „Man kann ja mal eine Idee äußern, die andere umsetzen“, kommentiert Ernst Bößneck diesen Vorstoß und betont im selben Atemzug, dass er das Heidegut Dahlen nicht in der Rolle sieht, die Herberge zu bewirtschaften. „Wir konzentrieren uns auf unsere Kernaufgaben und suchen nicht noch neue Betätigungsfelder abseits davon“, betont er. Ernst Bößneck sieht auch nicht die Stadt in der Rolle, mit dem ihr gehörenden Gebäude eine neue Geschäftsidee umzusetzen: „Die Stadtverwaltung ist kein Unternehmer und hier ist meiner Ansicht nach tatsächlich Privatinitiative gefragt“.

Von Axel Kaminski

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