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Oschatz Dahlener Parkettleger will im Schloss Hubertusburg einen Ordenssaal gestalten
Region Oschatz Dahlener Parkettleger will im Schloss Hubertusburg einen Ordenssaal gestalten
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00:22 30.07.2018
Der St. Heinrichsorden gilt als älteste Militärauszeichnung Deutschlands und wurde 1763 durch Kurfürst August III. erstmals im Schloss Hubertusburg verliehen. Ein Abbild davon soll in den Parkettboden in der Galerie eingearbeitet werden. Quelle: Foto: Künker
Dahlen/Wermsdorf

Nach dem Dahlener Schloss soll nun auch Hubertusburg in Wermsdorf neues Parkett für einen Saal erhalten. Im August werden deshalb angehende Parkettlegemeister anreisen und für einige Tage im Schloss arbeiten. Unterstützt wird das Ganze von Hersteller- und Lieferfirmen, die das Material dafür kostenlos zur Verfügung stellen. Jetzt steht allerdings fest: Nicht wie zunächst geplant im kleinen Hubertussaal im rückwärtigen Flügel des Schlosses, sondern in einem Raum davor auf der gleichen Etage wird der hochwertige Holzboden verlegt. Das teilte der Initiator der Aktion, der Dahlener Parkettlegemeister Steve Klose mit.

Da der gesamte hintere Teil des Gebäudes noch in ungenutztem und unsaniertem Zustand ist, sollte auf Drängen des Denkmalschutzes für den kleinen Hubertussaal zunächst ein Raumkonzept erstellt werden. Bei seinem Besuch im März dieses Jahres hatte Finanzminister Matthias Haß (CDU) grünes Licht gegeben, die Kosten dafür bereitzustellen (wir berichteten). „Offenbar ist es aber zu kompliziert, alle Belange des Denkmalschutzes jetzt so zu berücksichtigen, dass man dort die Parkettaktion durchführen könnte, deshalb haben wir uns für eine Alternative entschieden“, erklärte Klose. Der Meisterkurs mit Parkettlegern aus verschiedenen Teilen Deutschlands wird sich stattdessen der großen Galerie vor dem Hubertussaal widmen.

Schloss Hubertusburg Wermsdorf Quelle: Jana Brechlin

Überliefert sei, dass an diesem Ort der erste St. Heinrichsorden durch den Sächsischen Kurfürsten verliehen worden ist, so der Dahlener. Eine Geschichte, die man bei der Aktion aufgreifen will: „Wir werden den Orden mit Krone in der Mitte des Bodens darstellen“, kündigt Steve Klose an. Dafür werden verschiedene Hölzer zum Einsatz kommen, letztlich soll das Motiv einen Durchmesser von etwa zwei Metern erreichen.

Auch im Schloss Dahlen, wo voriges Jahr im September ein internationales Workcamp angehender Parkettleger stattfand, haben sich die Handwerker künstlerisch verewigt, denn im Kaisersaal prangt seitdem das Stadtwappen auf dem Fußboden. „Anders als in Dahlen wird diese Arbeit diesmal nicht erst vor Ort in Angriff genommen, sondern schon vorbereitet – der St. Heinrichsorden ist einfach zu aufwendig und braucht etwas Zeit“, begründet Steve Klose.

Auch werden im August in Wermsdorf nicht die einzelnen Hölzer für das Parkett hergestellt, sondern dann kommt Zwei-Schicht-Fertigparkett zum Einsatz. Das sei wesentlich dünner und kein Vollholz und könne, wenn es zu einer Sanierung dieses Schlossbereiches komme, auch leicht wieder entfernt werden. „Wenn die Räume einmal gemacht werden, wird unsere Arbeit hinfällig“, ist dem Parkettprofi bewusst. Doch man habe das Schloss Hubertusburg bewusst ausgewählt. Für die Sponsoren der Aktion sei das ein repräsentatives Objekt. Zudem könne dies eine Chance sein, noch mehr Aufmerksamkeit und mögliche Entwicklung für Hubertusburg zu generieren. „Wir wollen das Schloss voranbringen“, betonte Klose.

Schloss Hubertusburg Wermsdorf Parkett Quelle: Oschatzer Allgemeine

Aus diesem Grund unterstützt auch Landtagsmitglied Frank Kupfer (CDU) das Vorhaben des Dahleners und hat Finanzminister Haß auf das Wermsdorfer Schloss aufmerksam gemacht. Der auch gleich für das Projekt die Schirmherrschaft übernimmt. “Wir bleiben im Gespräch und ich setze mich auch weiter für Hubertusburg ein“, hatte Kupfer seinerseits versichert. Darauf baut man nicht nur beim Wermsdorfer Freundeskreis Schloss Hubertusburg und in der Gemeindeverwaltung, auch Steve Klose sagt: „Wir müssen jede Chance ergreifen, um das Schloss in den Fokus zu rücken.“ Mittlerweile habe man deshalb bereits zur Gesellschaft des St. Heinrichsordens Kontakt aufgenommen, die dem Parkettprojekt wohlwollend gegenüber stehe. Deren Mitglieder pflegen das Erbe der ältesten deutschen Militärauszeichnung und engagieren sich nach wie vor in Sachsen. „Vielleicht kommt sogar Prinz Alexander von Sachsen zur Übergabe des Saales nach Wermsdorf“, hofft Klose.

Der Dahlener nennt das Parkett-Projekt ambitioniert: In nur wenigen Tagen, vom 17. August bis zur Übergabe am 20. August sollen gut 120 Quadratmeter im Schloss Hubertusburg verlegt werden. Dazu reisen 21 Teilnehmer aus Leipzig, Dresden, Hamburg, Heidelberg, Ulm und München an. Verwendet werden über 21 000 Holzteile aus Eiche, Nussbaum und Kirsche. Für die Abbild des Ordens kommt noch Wenge zum Einsatz, ein besonders dunkles Holz. „Das ist ein ehrgeiziger Plan, aber zu schaffen“, so der Dahlener Handwerksmeister, der als Dozent künftige Meister im Parkettlegen in Süddeutschland unterrichtet, optimistisch. Zuvor müsse man in der kleinen Galerie oder, wie der Initiator jetzt sagt, dem Ordenssaal Spanplatten auf den alten, teils unebenen Böden verlegen. „Damit schaffen wir eine vernünftige Arbeitsgrundlage.“ Abgesehen vom neuen Parkett werde sich in dem Raum nichts verändern, wo einst noch zusätzliche Wände für das frühere Lazarett eingezogen wurden, soll das auch zu sehen sein, versichert er.

Von Jana Brechlin

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