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Dahlener Schulbegleiterin öffnet Fin Luca den Weg in ein normales Leben

Inklusion Dahlener Schulbegleiterin öffnet Fin Luca den Weg in ein normales Leben

Der Schulanfang von Fin Luca Richter ist nicht nur für den jungen Schmannewitzer eine Premiere. Aufgrund einer neurologischen Erkrankung ist seine Muskelentwicklung eingeschränkt. Daraus resultieren Probleme mit der Kraft und dem Gleichgewicht – vereinfacht ausgedrückt. Die Grundschule in Dahlen nimmt nun erstmals einen Integrationshelfer für Schüler in Anspruch.

Mit Hilfe von Marie Leonhardt soll Fin Luca den Schulalltag so selbstständig wie möglich meistern.

Quelle: Dirk Hunger

Dahlen. "Für uns ist es eine Herausforderung, erstmals einen Schüler mit einem solchen Grad an körperlichen Einschränkungen hier aufzunehmen und zu unterrichten. Aber wir stellen uns dieser Aufgabe", betont Schulleiter Steffen Hennig. Eine wesentlich Hilfe sei dabei die vom Schul- und Sozialamt des Landkreises Nordsachsen bezahlte Stelle einer Schulbegleiterin.

"Als sich diese junge Frau hier vorstellte, kam mir das Gesicht bekannt vor – auch wenn das schon wieder ein paar Jahre her ist", erzählt der Schulleiter. "Nachdem wir von Zwickau nach Dahlen gezogen waren, bin ich hier von 2001 bis 2003 zur Schule gegangen", erläutert Marie Leonhardt.

Inzwischen sind nicht nur ein paar Schuljahre vergangen. Marie Leonhardt hat in Torgau eine Lehre als Ergotherapeutin absolviert und zieht in Kürze nach Oschatz um. Nach der Lehre hat sie dort eine Anstellung in Teilzeit gefunden. "Das genügte mir einfach nicht. Deshalb habe ich mich um die ausgeschriebene Tätigkeit als Schulbegleiterin beworben", erklärt Marie Leonhardt.

Dieses Prozedere kann nicht von der Schule eingeleitet werden, sondern muss von den Eltern ausgehen. Sie beantragen diese Einzelfallhilfe bei den bereits genannten Ämtern des Landratsamtes. Wird, wie im Fall von Fin Luca, der Antrag anerkannt, dann folgt eine Ausschreibung. Damit sucht die Behörde zunächst einen Träger für diese Unterstützungsmaßnahme. Das ist in diesem Fall die Firma Neverland Süd Schwarzbach mit Sitz in Cottbus. Die gemeinnützige Unternehmergesellschaft hat ihrerseits die Stelle der Schulbegleiterin ausgeschrieben. "Voraussetzung ist, dass die Bewerber eine soziale Ausbildung haben", erläutert Marie Leonhardt. Ebenso gut wie Ergotherapeuten könnten zum Beispiel auch Heilerziehungspfleger oder Erzieher diese Tätigkeit ausüben.

Für sie sei diese Tätigkeit ein Kontrast zu ihrer Arbeit als Ergotherapeutin. - aber nicht, weil sich ihre Aufgaben so sehr unterscheiden würden. "Eine individuellere Arbeit ist kaum vorstellbar. Außerdem habe ich hier die Gelegenheit, Langzeitziele zu verfolgen", betont die Schulbegleiterin. Dazu gehöre, dass einige Hilfen, die sie derzeit gibt, überflüssig werden.

Überhaupt sei das Motto bei ihrer Aufgabe "So viel Hilfe wie nötig und so wenig wie möglich." Zu ihren Aufgaben gehöre, Fin Luca sicher, ohne Sturz und Stolpern, in der Schule von A nach B zu bringen. Im Schulhaus gibt es nur einen Fahrstuhl von draußen ins Erdgeschoss. Um in andere Stockwerke zu gelangen, sei das Kind auf Hilfe angewiesen. Das werde auch länger so bleiben. Andere Probleme könne man minimieren. "Schneiden, Schreiben oder Malen geht bei richtiger Wahl des 'Werkzeuges' besser als mit der konventionellen Ausrüstung", nennt die Ergotherapeutin einen Ansatz.

Neben all dieses physischen Hilfen für ihren Schützling ist Marie Leonhardt außerdem für dessen soziale Integration zuständig. "Natürlich sind Kinder neugierig und beobachten, warum da noch eine Erwachsene mit im Klassenzimmer sitzt", schildert die Schulbegleiterin die auch für sie zunächst ungewohnte Situation. Mittlerweile werde Fin Luca akzeptiert, wie er ist. Sie werde von den Schülern als eine Art zweite Lehrerin betrachtet - mit allen Konsequenzen, die das in dieser Altersklasse hat. "Na klar binde ich da mal einem anderen Kind die Schnürsenkel zu", erzählt Marie Leonhardt.

Obwohl Fin Luca ihre Hilfe sicherlich länger benötigen wird, war die Stelle der Schulbegleiterin vorerst nur für ein Schuljahr bewilligt worden. Dann muss diese Hilfe von den Eltern wieder neu beantragt werden. Theoretisch könne dann ein neuer Träger den Zuschlag erhalten und sich eine Fachkraft suchen. "Praktisch", so hofft Marie Leonhardt, "wird man hören wollen, welche Erfahrungen die Eltern bisher gemacht haben".

Axel Kaminski

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