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Oschatz Dahlener Schwanenteich: Wählergemeinschaft weist Vorwürfe zurück
Region Oschatz Dahlener Schwanenteich: Wählergemeinschaft weist Vorwürfe zurück
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00:20 14.07.2018
Der Dahlener Bürgermeister Matthias Löwe steht am Schwanenteich Rede und Antwort. Quelle: Manuel Niemann
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Dahlen

Wie sich der Dahlener Schwanenteich derzeit präsentiere, sei ein Unding: „Ich bin der Meinung, dass sich unverzüglich Tierschützer um die Schwäne kümmern sollten“, schreibt OAZ-Leser Hartmut Finger an die Redaktion und belegt dies mit Fotos. Auf dem Schwanenteich gebe es derzeit keinen Quadratmeter freie Wasserfläche, alles sei zentimeterdick von Algen überwuchert.

Leser bemängelt Algenbewuchs

„Wie ich beobachten konnte, meiden es die Schwäne unbedingt in diesem Algenteppich zu schwimmen. Somit sind sie nun endgültig Gefangene auf der kleinen Insel.“ Es ist bereits der zweite Brief, in dem er die Verantwortlichen zum Handeln mahnt. Grund genug, den vermeintlich gestrandeten Schwäne einen Besuch abzustatten und die verantwortliche Wählergemeinschaft Heidestadt Dahlen (WHD) mit den Vorwürfen zu konfrontieren.

Vor Ort entschärft sich das Bild: Auf dem Teich schwimmt zwar wie auf den Fotos von Hartmut Finger zu sehen ein Algenteppich, aber dieser bedeckt nicht die ganze Wasseroberfläche. Auf der schwimmt Hans, das Dahlener Schwanenmännchen und begleitet die Passanten, während der Rest der Familie auf der Insel ruht. Die Algen behindern Hans nicht am Schwimmen. Auch die Stockentenküken, die ihrer Mutter folgen, stören sich nicht daran.

Dahlener Bürgermeister widerspricht Vorwürfen

Matthias Löwe, der Dahlener Bürgermeister, den die WHD stellt, hat sich Zeit genommen und redet ausführlich über den Teich, dessen Wasserqualität, aber auch darüber, dass es sich bei Hartmut Finger um einen ehemaligen Angestellten handelt, von dem die Stadt sich getrennt hat.

„Das will ich nicht weiter kommentieren“, sagt er. Die Vorwürfe hingegen seien nicht gerechtfertigt: „Ich finde sie befremdlich auch in ihrer Ausdrucksweise. Ich kann sie nicht akzeptieren. Sie treffen nicht nur uns, sondern auch die Leute, die uns mithelfen den Teich zu pflegen.“

Teich wurde vor der Brut gereinigt

Der werde in der Regel ein Mal im Jahr im März oder April – bevor die Schwäne brüten – abgelassen und gereinigt. 2017 wurde das ausgesetzt, in diesem Jahr ist es bereits passiert. Neben organischem Material kommen dabei Fahrräder oder verlorene Mobiltelefone zum Vorschein. 200 Flaschen waren auch schon dabei, obwohl Altglas-Container in Sichtweite sind.

Der Teich ist kein vollkommen stehendes Gewässer: Er werde ganzjährig aus Quellen gespeist. „Wenn wir ihn reinigen und abgelassen haben, ist er innerhalb von drei Tagen wieder voll“, erklärt Löwe. Das sei ein Grund, warum die Schwäne hier im Winter gehalten werden können: Der Teich friere durch den stetigen Zulauf nie vollkommen zu.

Zusätzliches Füttern ist ein Problem

Im Sommer verzichte man bewusst auf Chemikalien, die durch den Zu- und Ablauf ohnehin kaum Wirkung erzielen könnten. „Zwar sieht es nicht schön aus“, gibt Löwe mit Blick auf den Algenteppich zu, „aber die Natur hat ihre eigenen Gesetze.“

Die ließen bei hohem Sonnenstand und steigenden Temperaturen die Algen wachsen. Dass die Fadenalgen wachsen, ist für ihn ein Beleg, dass der Nährstoffgehalt im Wasser hoch ist.

Hier macht sich zwar auch bemerkbar, dass die Leute zufüttern, obwohl es im Sommer nicht notwendig ist und im Winter Futter gekauft werde. „Aber darunter ist das Wasser klar“, stellt er fest. Dafür spreche auch, dass es im Teich Teichmuscheln gebe – eine Art, die es bei schlechter Wasserqualität nicht gäbe.

Schwan Hans lässt sich von den Algen das Schwimmen nicht vermiesen. Quelle: Manuel Niemann

Fischbesatz gegen die Algen auf Dauer zu teuer

Ebenso gedeihen Fische, die zusammen mit dem Anglerverein abgefischt wurden oder die die Dahlener selbst eingesetzt hatten, um den Algenbewuchs zu trimmen. „Doch die Graskarpfen, die wir eingesetzt hatten, haben uns – sicher auch nicht böswillig – Hobbyangler rausgefischt.“

Auf Dauer sei es keine Lösung, die wieder nachzukaufen, daher werden die Algen, wenn Bedarf ist, abgeschöpft. Während der Brut werde jedoch auf Eingriffe verzichtet.

Schwanenzucht in Dahlen ist erfolgreich

Dass die Höckerschwäne brüten, zeige jedoch, dass der Lebensraum der Vögel nicht eingeschränkt sei. Höckerschwäne bevorzugen stille Gewässer wie Binnenseen und Meeresbuchten, können auch auf künstlich angelegten Gewässern gehalten werden. Zum Gründeln brauchen sie jedoch flache, pflanzenreiche Gewässer, deren Nährstoffgehalt und damit die Biomasseproduktion hoch ist.

Wildenten siedeln sich an

Obwohl sie kupiert sind und daher nicht wegfliegen können, ist es nicht das erste Mal, dass sie Nachwuchs ziehen. Dabei dulden sie es sogar, dass frei lebende Stockenten es ihnen gleich tun und ebenfalls auf der vermeintlich isolierten Insel ihre Küken ausführen.

Die Insel liefere mit ihrem Krautbesatz zwar kein schönes Bild, sagt Löwe, dafür aber Schutz vor Greifvögeln. „Es ist eben kein Gartenteich. Wir können nicht mit einer Wathose jederzeit dort rüber gehen und mähen.“

Von Manuel Niemann

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