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Dahlener Stadträte von Jugendherbergswerk schwer enttäuscht

Flüchtlinge Dahlener Stadträte von Jugendherbergswerk schwer enttäuscht

Das Vertrauen ist dahin: Im Oktober hieß es noch, dass eine Nutzung der Jugendherberge Dahlen als Flüchtlingsunterkunft nicht in Frage käme. Genau das haben aber der Landkreis und das Herbergswerk vereinbart und den Eigentümer des Hauses, die Stadt Dahlen, erst nachträglich informiert. Dass diese Nutzung zeitlich befristet ist, glauben die Stadträte nun kaum noch.

Die Dahlener Jugendherberge ist ein beliebtes Ziel für Freizeitgruppen.

Quelle: Dirk Hunger

Dahlen. Das Vertrauen ist dahin: Bei einer Einwohnerversammlung im Oktober hatte Hans-Günther Sirrenberg, Sozialdezernent des Landkreises, auf Nachfrage erklärt, dass eine Nutzung der Jugendherberge Dahlen als Flüchtlingsunterkunft nicht in Frage käme. Genau das haben aber der Landkreis und das Herbergswerk vereinbart und den Eigentümer des Hauses, die Stadt Dahlen, nachträglich darüber informiert (wir berichteten).

Zunächst informierte Bürgermeister Matthias Löwe (WHD) die Stadträte und Besucher der Sitzung darüber, wie er von der geplanten Unterbringung junger Ausländer in der Jugendherberge erfuhr. Am 10. Dezember habe er einen Termin mit dem Thomas Müller, dem geschäftsführenden Vorstand des Landesverbandes Sachsen des Deutschen Jugendherbergeswerkes gehabt. Das habe ein Grundsatzgespräch über eine Strategie zur Entwicklung der Herberge über das Jahr 2017 hinaus werden sollen. Dann laufe der aktuelle Vertrag zwischen der Stadt als Eigentümer des Hauses und dem Jugendherbergswerk aus. Bei diesem Gespräch habe man ihm mitgeteilt, dass die Herberge vom 5. Januar bis zum 29. Februar mit so genannten unbegleiteten minderjährigen Jugendlichen belegt werde. Ihm sei eine entsprechende Vereinbarung zwischen dem Herbergswerk und dem Landratsamt vorgelegt worden.

Dezernent Hans-Günther Sirrenberg erläuterte, dass derzeit an sechs Standorten im Landkreis 44 dieser jungen Flüchtlinge untergebracht seien. In Dahlen sollte ursprünglich nur das Angebot der Anerkannten Schulgesellschaft genutzt werden, die Jugendlichen in deren Wohnheimen unterzubringen. Der Vertrag mit dem Herbergswerk ähnele einer Vereinbarung, die geschlossen werde, wenn dort deutsche Jugendliche zu Gast wären. Sirrenberg sicherte zu, dass es in der Jugendherberge „eine Betreuung rund um die Uhr“ geben werde.

Hartmut Risse (WHD) betonte, dass es Verständnis für die Unterbringung von Flüchtlingen nur geben könne, wenn man auch alles erfahre. „Ich hätte erwartet, dass wir bei einem veränderten Erkenntnisstand postwendend informiert werden“, betonte er. „Man beteiligt uns nicht. Vertraut man uns nicht?“, fragte Hartmut Risse und unterstrich: „Das missfällt mir restlos“.i

Hans-Günther Sirrenberg entgegnete, dass er diesen Unmut verstehe. Er habe sich genauso geärgert, aufgrund des nicht versiegenden Zustroms der jugendlichen Flüchtlinge seine Zusagen nicht halten zu können.

„Wir werden in eine Rolle gedrängt, die wir nicht wollen“, stellte Ernst Bößneck (FWG) fest. „Wir helfen. Das haben wir gesagt.“, unterstrich er, „Wenn in der Jugendherberge keine Gäste sind dann kann keiner etwas dagegen haben, dass dort Flüchtlinge aufgenommen werden.“ Allerdings fehle ihn – und diese Position war am Donnerstagabend von vielen Stadträten zu hören – das Vertrauen in die Aussage, dass diese Unterbringung tatsächlich am 29. Februar enden werde. Er sorge sich darum, dass die Herberge und damit ein Stück intakte touristische Infrastruktur ins Wackeln gerate.

Karl Berger (WHD) bezeichnete es als „unerträglich“, dass die Jugendherberge geopfert werden soll. Daraus, dass in undemokratischer Art die Stadt als Eigentümer nicht in die Entscheidung einbezogen worden sei, ziehe er die Konsequenz, sein Mandant zum Jahresende niederzulegen.

Von Axel Kaminski

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