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Oschatz Dampf-Feuerwehrspritze bekommt in Wermsdorf TÜV
Region Oschatz Dampf-Feuerwehrspritze bekommt in Wermsdorf TÜV
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11:29 16.08.2018
Kurt Kirpal hat für die Spritze die Betriebserlaubnis vom TÜV erhalten. Ein Video von der Maschine in Aktion sehen Sie unter www.lvz.de/region/oschatz Quelle: Fotos: Jana Brechlin
Wermsdorf/Torgau

Auf ein echtes Schmuckstück können sich die Besucher beim Tag der Sachsen in Torgau freuen. Und zwar auf eins, das dank Ingenieurskunst aus Wermsdorf Seltenheitswert hat: Der Gründer der KET Kirpal Energietechnik GmbH Kurt Kirpal hat die dampfbetriebene Feuerwehrspritze von 1899 aus dem Torgauer Feuerwehrmuseum aufgearbeitet und so wieder flott gemacht, dass die Spritze sogar durch den TÜV gekommen ist.

Damit gilt diese als älteste zugelassene Feuerwehrspritze in Deutschland, die mit Dampfbetrieb läuft und dafür eine Zulassung bekommen hat.

Kurt Kirpal hat eine Dampffeuerspritze von 1899 aufgearbeitet und dafür TÜV erhalten. Quelle: Jana Brechlin

Sieben Stunden hat ein Vertreter des Technischen Überwachungsvereins (TÜV) Süd die Spritze unter die Lupe genommen und bei voller Befeuerung geprüft, schließlich gab der Sachverständige grünes Licht: Es gibt „keine sicherheitstechnischen Bedenken, das Maschinensystem befindet sich hinsichtlich des Betriebs in einem ordnungsgemäßen Zustand“ und darf von einer sachkundigen, zugelassenen Person betrieben werden. Ein Ergebnis, auf das Kurt Kirpal berechtigt stolz sein kann: Drei Wochen lang bei stets über 30 Grad Celsius in der Sommerhitze hat der 72-Jährige an der Spritze gearbeitet, Feuer unterm Kessel gemacht und wieder und wieder probiert.

Kurt Kirpal hat eine Dampffeuerspritze von 1899 aufgearbeitet und dafür TÜV erhalten. Quelle: Jana Brechlin

Weil das Gerät zu den „überwachungspflichtigen Anlagen“ gehört und die Wermsdorfer KET die nötige Zulassungen für Arbeiten an solchen hat, nahm sich der Senior des Museumsstücks an. „Es funktionierte nicht mehr, wie groß der Aufwand wird, war vorher aber nicht klar“, sagt er. Die Rohre, die wie ein Gitter übereinander in dem stehenden Quersieder verlaufen, um für die nötige Menge Dampf zu sorgen, waren völlig verstopft, anderes war kaputt oder eigentlich bewegliche Teile steckten fest. „Ich musste alles auseinander nehmen, säubern, reparieren und wieder zusammenbauen“, so Kirpal. „Hier ist alles handgeschmiedet, sogar einzelne Muttern und Schrauben, die dann auch nur an eine bestimmte Stelle passen und nicht einfach untereinander getauscht werden können“, staunt er über die Arbeit vor 119 Jahren.

Kurt Kirpal hat eine Dampffeuerspritze von 1899 aufgearbeitet und dafür TÜV erhalten. Quelle: Jana Brechlin

Not macht erfinderisch, und so habe 1899 der Bautzener Ingenieur Busch eine dampfbetriebene Feuerwehrspritze entwickelt, weil es wiederholt große Brände in den wachsenden sächsischen Städten gab: „Das war gegenüber der Handdruckspritze, an der zwischen vier bis acht Leute, verteilt auf zwei Seiten, das Löschwasser ins Feuer pumpen mussten, eine Revolution“, beschreibt Kurt Kirpal. Auf einem Kutschenrahmen ist ein stehender Dampfkessel montiert, der von unten mit Holz und Kohle befeuert wird. „Die Spritzen wurden damals immer warm gehalten und von einem Feuerwehrmann reihum mit wenig Holz befeuert, damit man im Notfall schnell einsatzbereit war“, weiß der Wermsdorfer.

Kurt Kirpal hat eine Dampffeuerspritze von 1899 aufgearbeitet und dafür TÜV erhalten. Quelle: Jana Brechlin

Der Dampf aus dem Kessel setzt dann einen Kolbenmotor in Bewegung, die Kraft wird weiter auf ein Schwungrad übertragen und erreicht die zwei Zylinder der Wasserpumpe. Dank fest montierter Anschlüsse und immer mitgeführter Schlauchstücke konnte so Wasser etwa aus einem nahen Teich oder Bach gepumpt und zum Feuer weitergeleitet werden. 800 Liter pro Minute rund 40 Meter weit – allein durch die Kraft des Dampfes – halfen fortan Brände löschen. Und das schafft die Spritze heute immer noch. „Beim Umzug am 9. September wird die Maschine auch unter Dampf fahren“, kündigt Kurt Kirpal an. Lediglich auf das Spritzen mit Wasser müsse man verzichten – das sei vom Veranstalter nicht erlaubt worden.

Von Jana Brechlin

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