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Oschatz Das Ende einer langen Tradition: Letzte Mügelner Kegelbahn macht dicht
Region Oschatz Das Ende einer langen Tradition: Letzte Mügelner Kegelbahn macht dicht
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06:00 09.10.2017
Zum letzten Mal trafen sich die Mitglieder des Kegelklubs Direkt und die Lipsia-Kegler auf der Bahn im ehemaligen Volkshaus zum sportlichen Treiben. Die Bedingungen waren in den vergangenen Jahren immer schlechter geworden. Nun geben sie hier auf. Quelle: Foto: Bärbel Schumann
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Mügeln

Die Mitglieder der letzten Kegelclubs von Mügeln haben zum letzten Mal eine Kugel auf einer Kegelbahn in der Stadt geschoben. Die Mitglieder des von Geschäftsleuten und Handwerkern 1887 gegründeten Kegelklubs Direkt fanden sich gemeinsam mit den Kegelfreunden, die sich einst als Beschäftigte des früheren Chemiewerkes Mügeln zum Kegeln in ihrer Freizeit trafen, zusammen. Sie nahmen sportlich Abschied von der „Volkshaus Bahn“. Bis in diesen Tagen trafen sie sich donnerstags und freitags zum Kegeln noch auf der Bahn. Sie ist die einzige Kegelanlage, die es in der Stadt noch gibt. Doch seit das Grundstück sich in Privathand befindet, und auch schon in den Jahren zuvor, nichts in das Anwesen samt Sportanlage investiert wurde, verkamen Haus und auch die manuelle Kegelanlage immer mehr. Wer die Räume betrat, fühlte sich in die Zeit der 1950er, 1960er Jahre versetzt. Da half auch der letzte von den Sportlern selbst durchgeführte Farbanstrich der Wände nichts mehr, denn der alte Kohleofen sorgte zwar bei kalten Temperaturen für Wärme, doch er qualmte auch trotz respektvollen Umgangs gehörig.

Mügelner Kegler von Lok waren erfolgreich

„Nun ist leider Schluss. Das ist hier nicht mehr tragbar“, sagt Roland Hirth, der zu den „Direkt“-Keglern gehört. Die Bahn im Volkshaus sei Mitte der 1950er Jahre ausgebaut worden. „Mein Vater hat damals beim Aufbau geholfen. Ich musste mit ran“, erzählt Hirth. Die zwei Bahnenanlage habe ihre Hochzeit zu Zeiten der BSG Lokomotive Mügeln erlebt. Fast jeden Tag herrschte schon ab nachmittags Betrieb. Nachmittags kegelten die Jugendlichen, später kamen die Erwachsenenmannschaften. Die Lok-Kegler hätten es mit mehreren Mannschaften sogar bis in die Bezirksklasse gebracht, bemerkt einer der Männer. Aber auch durch Hobby-Sportler des Mügelner Chemiewerkes Lipsia sei die Bahn regelmäßig genutzt worden. Knut Otto gehörte mit seinen damaligen Kollegen einer Jugendbrigade dazu. „Seit 1972 treffen wir uns einmal in der Woche hier zum Kegeln“, so der Mügelner. Sieben Männer gehören der Truppe noch an.

Auch die Kemmlitzer Anlage existiert nicht mehr

Nach der Wende wechselte das bis dahin der Deutschen Bahn gehörende Grundstück mehrfach den Besitzer. Auch unter den komplizierteren Bedingungen fanden sich die Kegelgruppen zusammen. Nun ist aber endgültig Schluss. Unzumutbar für Nutzer sei der Zustand geworden. Traurig stimmt die Kegler vor allem, dass damit nun sozusagen auf der letzten Kegelbahn der Stadt das Licht ausgeschaltet wird. Längst gibt es die Kegelbahnen in der einstigen Gaststätte „Hirsch“, im ehemaligen Kellerhaus nahe Schloss Ruhetal, in der Gaststätte „Gute Quelle“, im ehemaligen „Lamm“ oder dem Ratskeller nicht mehr. Auch die moderne Anlage im Kemmlitzer Kaolinwerk existiert seit dem Abriss des einstigen Kulturhauses nicht mehr. Damit wird es auch für die Mitglieder des ältesten Kegelklubs der Stadt, den „Direkt“-Keglern unmöglich, ihre seit 1837 bestehende Tradition fortzusetzen. „Die Handwerker und Geschäftsleute hat nicht nur das Kegeln verbunden. Man saß anschließend zum Beispiel bei Heinz Gruhle im Lokal zusammen, speiste, trank und tauschte sich aus“, erzählt Erich König. Gemeinsam sei auch immer gefeiert wurden, wie der Jahresabschluss. Torsten Kluge zeigt die Fahne der Direkt-Kegler. Sein Vater, sein Opa gehörten zu dem Klub, waren für dessen Banner verantwortlich, genauso wie er heute.

Lange haben beide Klubs überlegt, wie ihre Zukunft aussehen soll. Aufgeben wollen beide nicht, deshalb entschlossen sie sich, umzusatteln, werden Bowlingkugeln statt Kegelkugeln zum Rollen bringen. Alle sind sich einig, dass es ein Armutszeugnis ist, dass nun auch die letzte verbliebene Kegelbahn in der Stadt nicht mehr genutzt werden kann.

Von Bärbel Schumann

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