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Oschatz Das Freizeitverhalten hat sich geändert
Region Oschatz Das Freizeitverhalten hat sich geändert
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15:55 25.10.2013
Dr. Manfred Schollmeyer Quelle: Dirk Hunger

Frage: Wie sind Sie auf dieses Thema gekommen?

Dr. Manfred Schollmeyer: Beim Beschäftigen mit der Stadtgeschichte ist mir aufgefallen, dass es in Oschatz - wie in anderen Garnisonsstädten auch - eine ausgeprägte Gastronomie-Szene gegeben hat. Hier gab es zusätzlich ein Lehrerseminar mit Studenten. Und mit der wirtschaftlichen Blüte nach 1871 hatten auch die Arbeiter Geld in den Taschen. Die Soldaten, Studenten und Arbeiter bevölkerten die Gaststätten.

Warum konzentrieren Sie sich auf die Zeit bis 1945?

Das Buch hat jetzt schon 564 Seiten. Die Darstellung der nach 1945 neu entstandenen gastronomischen Einrichtungen hätte den Rahmen gesprengt.

Welche Schwierigkeiten gab es bei der Recherche?

Die Nachforschungen in den Archiven von Stadt, Museum oder Zeitungen waren kein Problem. Teilweise war es aber schwierig, die Nachfahren der Wirtsfamilien zu ermitteln, zum Beispiel beim Gasthaus "Gambrinus" in der Strehlaer Straße oder dem "Weißen Stiefel" in der Merkwitzer Straße.

Was waren die nobelsten Etablissement, was die übelsten Spelunken?

Bei den Hotels waren der "Schwan", das "Roß" und der "Goldene Löwe" führend, bei den Cafés "Zierolds" und "Felbers". Spelunken waren das "Goldene Faß" am Altmarkt, das mit solchen Veranstaltungen wie dem Auftritt des 360 Pfund schweren Riesenweibes Rosel warb, oder das "Bräustüb'l" in der Ritterstraße, wo der Wirt sein bester Kunde war.

Was unterscheidet die heutige Gastro-Szene von der vor 100 Jahren?

Damals durften zum Beispiel keine Kellnerinnen bedienen. Und es gab etliche Gaststätten in Oschatz mit Separees, den sogenannten Weinstuben. Das waren verkappte Bordelle. Den meisten Wirten ging es damals wirtschaftlich nicht so gut, sie boten als zweites Standbein unter anderem Quartiere fürs Militär an.

Warum gibt es heute im Verhältnis zu damals so wenige Hotels, Gaststätten und Kneipen?

Das soziale Freizeitverhalten der Menschen hat sich geändert. Es gibt eine Vielzahl von Alternativen zum Besuch einer Gaststätte. Das ist kein Phänomen der neuen Bundesländer, sondern trifft auch auf die alten Bundesländer zu. Bei uns kommt aber noch der demografische Faktor und die schlechtere finanzielle Situation der potenziellen Kneipengänger dazu.

Sind Sie selbst ein Kneipengänger?

Während der Studienzeit ja, seitdem aber nicht mehr. Restaurants besuche ich heute nur noch zu Familienfeiern. Fragen: Frank Hörügel

Frank Hörügel

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