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Oschatz Das Geheimnis der Oschatzer Burg
Region Oschatz Das Geheimnis der Oschatzer Burg
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15:16 02.08.2013

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Und doch lässt sich aufgrund von Vergleichen mit anderen Städten der Region relativ sicher sagen, wo sie einst gestanden haben könnte.

Dass der Städtebau der Stauferzeit nach einem bestimmten Muster erfolgte, die Stadtanlagen von Oschatz, Großenhain, Pirna oder Dresden im Ursprung alle fast identisch waren, ist allgemein bekannt. Ein solches Muster gab es auch für die Anlage von den Burgen am Rande dieser Städte. Für die nachfolgenden Feststellungen wurden die Orte Nossen, Döbeln, Leisnig, Rochlitz, Colditz, Grimma, Trebsen, Wurzen, Mügeln, Strehla, Meißen und Großenhain untersucht, die alle über Burganlagen aus dem Hochmittelalter verfügen. Welche Gemeinsamkeiten gibt es?

Ausnahmslos alle genannten Stadtsiedlungen liegen an Flüssen oder Bächen. In allen Fällen befinden sich Burg und Stadt auf der gleichen Seite des Flusses beziehungsweise Baches, sind niemals durch das Gewässer getrennt.

Ausnahmslos alle Burgen befinden sich in äußerster Stadtrandlage der mittelalterlichen Stadt, direkt innen oder auch außen an der Stadtmauer, sofern es eine gab. Bei den Orten, bei denen es die Topographie zuließ, steht die Burg auf einem Felssporn, in Nossen, Döbeln, Leisnig, Rochlitz, Colditz, Wurzen, Strehla und Meißen ist das der Fall.

Bei den anderen Orten, bei denen innerhalb der gewählten Stadtgrenzen kein Felsen vorhanden war, wie in Grimma, Trebsen, Mügeln und Großenhain, befand sich die Burg immer direkt am Fluss beziehungsweise Bach, von Gräben umgeben. Das Wasser musste hier also statt des Felsens als Schutz dienen, denn die Burg wurde als Rückzugsort und nicht wegen einer möglichen schönen Aussicht errichtet. Für unsere Vorfahren konnte ihr Leben davon abhängen, entsprechend sorgfältig werden sie vorgegangen sein. Auch deshalb findet sich ausnahmslos überall das gleiche Bild, das sich bewährt hatte.

Die vorgenannten Feststellungen treffen also auf ausnahmslos alle bei Stadtsiedlungen befindlichen Burgen im Umland zu. Damit kommen wir zu Oschatz. Gibt es innerhalb der alten Oschatzer Stadtgrenzen einen Felssporn, der gut zu verteidigen ist? Nein. Also ist die Burg im Tal auf der Stadtseite der Döllnitz zu suchen, irgendwo in unmittelbarer Nähe der einstigen Stadtmauer, so wie in Trebsen, Grimma oder Großenhain.

Schauen wir uns den östlichen Stadtrand des mittelalterlichen Oschatz einmal näher an. Der westliche der beiden Bachläufe, heute zugeschüttet, war der ursprüngliche Verlauf der Döllnitz. Der östliche Bachlauf, den wir heute als Döllnitz kennen, wurde wohl erst im Zusammenhang mit der Stadtgründung künstlich angelegt.

Gibt es nun am künstlichen Bachlauf Unregelmäßigkeiten, die gezielt geschaffen wurden, damit die Burg nicht nur am Wasser liegt, sondern vielleicht von vorneherein teilweise von Wasser umgeben ist? Und wenn ja, gibt es dort vielleicht auch noch mehrere wichtige Handelswege, die trotz der Tallage von der Burg aus gut eingesehen und überwacht werden konnten?

Noch heute können von diesem auch 2013 hochwasserfreien Standort aus die alten Straßen und Wege auf der anderen Seite der Döllnitz mehrere Hundert Meter eingesehen werden. So eben wie heute war es auf dem Platz nicht immer, denn 1880 entstand hier die Tuch- und Filzfabrik von Johann Georg Fischer.

Vorher hatte sich an diesem Standort eine alte Schanze befunden, von der ein Plan, so in der 2006 erschienenen Publikation von Gerhard Heinz "Die verschollene Oschatzer Burg und ihre Umgebung im Wandel der Zeiten" abgedruckt ist. Auf den gleichen Standort konzentrierte sich im 18. Jahrhundert bereits Johann Gottlob Hoffmann, ein Bruder des Oschatzer Stadtchronisten Carl Samuel Hoffmann, der in seiner 1785 gedruckten Arbeit "Des Amtes Oschatz wüste Marken" zum "Burgstadil" folgendes anführte: "Castrum dirutum ist eine gewöhnliche Bezeichnung verfallener Schlösser. Schon im Jahr 1354 lag ein Burgstadil beim Einfluss des Wassers in die Stadt (ubi aqua intrat). Man findet noch außerhalb der Stadt Merkmale davon, nach welchen es von geringer Größe gewesen sein kann, und ist jetzt einer halb offenen Schanze gleich, die in der Kriegsbaukunst eine Flasche genennet wird, wozu sie in neuern Zeiten umgeformt worden sein kann."

Wenn wir uns strikt an die Regeln halten, an denen sich die Burgenerbauer orientierten, also die Burg auf der Stadtseite der künstlichen Döllnitz suchen, und den Hinweisen mit Text, Karte und Bildern folgen, bleibt nur ein Standort übrig ...

Robert Schmidt

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