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Oschatz Das Leid mit den Fundtieren
Region Oschatz Das Leid mit den Fundtieren
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23:25 17.10.2014
Die kleine Katze ist Gaby Stahl am Mittwoch zugelaufen. Wohin das Tier nun soll, ist noch unklar. Quelle: Sven Bartsch
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Meist soll es schnell an das nächste Tierheim weitergeleitet werden. So erging es in dieser Woche Gaby Stahl aus Marbach. Ein Kätzchen fand sie an der Hauptstraße nahe ihres Grundstücks - abgemagert, nass, mit klebrigen Augen. Ein Anruf bei der Gemeindeverwaltung Strie­gistal in Etzdorf, die für die ­Weiterleitung von Fundtieren zuständig ist, brachte jedoch Ernüchterung: Amtsmitarbeiterin Sabine Brendecke habe sie regelrecht abgewimmelt, sagt Gaby Stahl. "Am Telefon sagte mir Frau Brendecke, sie will wissen, woran die Leute erkennen, dass es Katzen nicht gut geht und ich solle warten, ob das Tier die Nacht überlebt und mich dann nochmal melden." So wandte sich die junge Mutter an die Tierheime Ostrau und Freiberg, die sie aber wieder zurück an ihre Gemeinde verwiesen. "Beim zweiten Anruf in Etzdorf sagte Frau Brendecke, ich würde mich der Katze in den Weg stellen, wieder nach Hause zu kommen", erzählt Stahl weiter.

Häufig falsche Fundtiere abgegeben

Sabine Brendecke weiß um die Pflicht der Behörde, führt für ihr Verhalten aber schlechte Erfahrungen ins Feld. "Wir haben mehrfach im Jahr solche Fälle, dass die Leute genau dann Fundtiere haben, wenn es gerade viele junge Katzen gibt", sagt sie. "Wir sind daher vorsichtig geworden. Außerdem sollte man wenigstens eine Nacht warten, ob das Tier wieder dorthin findet, wo es hergekommen ist."

Der Hintergrund ist auch finanzieller Natur. "Wir zahlen etwa 300 Euro pro Tier. Das ist dann besonders erfreulich, wenn es eine Katze mit vier Jungen ist", sagt Brendecke. "Wir halten immer einen Obolus dafür vor, aber der ist für dieses Jahr längst verbraucht. Wir können den im nächsten Jahr verdoppeln, aber dann fehlt er wieder bei Investitionen. Das Problem ist, dass einige Wenige verantwortungslos mit den Tieren umgehen, weil ­ihnen das Sterilisieren ihrer Kater oder Katzen zu teuer ist." Es gebe bestimmte Adressen in der Gemeinde, von denen häufig Fundtiere kommen. Gaby Stahl zähle aber nicht dazu, betont Brendecke. ­Allerdings mahnt sie auch: "Man darf Katzen nicht vermenschlichen, sondern sollte das Katzenleben in seiner eigenen Natürlichkeit akzeptieren. Katzenkinder verstecken sich und werden nicht über Nacht gefressen." Und: "Wer eine fremde Katze füttert, heißt das Tier bei sich willkommen."

Das sieht Marlies Przybilla vom Tierheim Wiesengrund in Ostrau anders. "Fundtiere sind Sache der Behörde. Die Gemeinde Striegistal ist hier eine Ausnahme. Dort sagen sie, es gibt keine Fundkatzen und das Problem löse sich von selbst", berichtet Przybilla. In ihrem großen Einzugsgebiet, dass bis nach Oschatz, Dahlen und Frankenberg reicht, gebe es mit ­allen Gemeinden Verträge, entweder über eine jährliche Abgabe, die sich nach der Einwohnerzahl richtet oder Einzelabrechnungen. Meldet eine Gemeinde ein Fundtier, wird es für die Abgabe vom Tierarzt behandelt und 30 Tage lang versorgt.

Gemeinden in der Pflicht

Ohne die Zwischenstation Gemeinde, müssten die Heime selbst für die Pflege aufkommen. Brendeckes Anregung, die Tiere ein bis zwei Tage draußen zu lassen, schließt sich Przybilla an. "Eine kleine Katze rennt nun mal weg. Da ist es nicht so grotesk von der Gemeinde, so zu reagieren." Dass aber die meisten oder gar alle Katzen wieder nach Hause finden, widerlegt sie. "Wir haben im Jahr rund 400 Katzen. Höchstens zehn Prozent finden zu ihrem Besitzer zurück." Dass die Kommunen hohe finanzielle Aufwendungen haben, weil einige Leute deren Pflicht ausnutzten, müsse hingenommen werden. "Man kann die Menschheit nicht so erziehen. Dann müsste man an ganz anderen Punkten anfangen", meint Przybilla.

Gaby Stahl hat ihre Fundkatze auch nach drei Nächten noch bei sich. Sie will nun trotz des Angebots der Gemeinde Striegistal, das Tier weiterzugeben, es woanders unterbringen. "Der Gemeinde stehe ich nicht mehr unvoreingenommen gegenüber. Ich weiß nicht, wie sie die Katze behandeln würden."

© Kommentar Seite 13

Kasel, Beatrice

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