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Das Stadtarchiv in Oschatz: Feuerfeste Schatzkammer

Das Stadtarchiv in Oschatz: Feuerfeste Schatzkammer

Archive haben vier Feinde: Feuer, Wasser, Krieg und Katastrophen (Einsturz Kölner Stadtarchiv). Daran soll zum heutigen bundesweiten Tag der Archive erinnert werden.

Oschatz. Von Frank Hörügel

 

 

 

"Wir haben relativ viel Glück gehabt", sagt Marcus Büttler. Seit knapp einem Jahr leitet der 23-Jährige das Oschatzer Stadtarchiv. Größere Verluste gab es lediglich im Mittelalter. Brandschatzende Hussiten fielen zu Weihnachten 1429 in Oschatz ein. Büttler: "Dabei wurden viele Urkunden und Dokumente in den Amtsstuben vernichtet."

Glimpflich davon kam das Oschatzer Stadtarchiv dagegen bei den beiden verheerenden Stadtbränden 1616 und 1842. Die wertvollsten Dokumente lagerten seit dem Jahr 1600 in einer eisernen Truhe im historischen Ratssaal. Bis zu dieser Schatzkammer drangen die vernichtenden Flammen nicht vor. "Es hat bloß geschwelt, aber nicht gebrannt", weiß der Archivar.

Unbeschadet überstand die beiden Stadtbrände damit auch das wertvollste Oschatzer Archivgut - der Sachsenspiegel. Dabei handelt es sich um ein Gesetzeswerk aus dem Jahr 1382. Der Sachsenspiegel hat laut Hauptamtsleiter Manfred Schade einen "unschätzbaren ideellen Wert".

Beinahe, so Archivar Büttler, sei der Sachsenspiegel zu DDR-Zeiten abhanden gekommen. Die Staatssicherheit habe damals ihre Fühler nach dem Schriftstück ausgestreckt, um es gewinnbringend für harte Devisen im Westen verkaufen zu können. Das habe jedoch durch einen glücklichen Umstand verhindert werden können, hat der 23-Jährige in Erfahrung gebracht.

Der Bestand des Oschatzer Stadtarchivs bemisst sich heute auf etwa 500 laufende Meter. "Zehn Archivkisten sind ungefähr einen Meter hoch", erklärt Büttler, wie dieses Maß zu Stande kommt. Aufgehoben wurden und werden alle dokumentierten Reichs-, Landes- und Stadtangelegenheiten, die für Oschatz von Bedeutung sind. Der Bestand lagert im historischen Ratsarchiv sowie auf den Dachböden des alten und neuen Rathauses.

Marcus Büttler verwaltet das Archiv und bearbeitet Anfragen - meist zur Ahnenforschung oder Erbenermittlung.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Außerdem entscheidet der junge Mann, ob das aktuelle Schriftgut aus der Verwaltung Eingang ins Archiv findet oder irgendwann im Papierschredder landet. Beim Studium der alten Akten muss der Archivar aufpassen, dass er sich dabei nicht fest liest. "Hier gewinnt man einen Eindruck von der Vergangenheit, den man anders nicht bekommen kann", sagt der 23-Jährige.

In welchem Zeitalter hätte er gern in Oschatz gelebt? "Vielleicht so ab dem 19. Jahrhundert. Da ist es in Oschatz richtig vorangegangen." Auf keinen Fall wünsche er sich dagegen in die Zeit vom 30-jährigen Krieg bis zum 17. Jahrhundert zurück. "Das war recht elend", sagt der Stadtarchivar.

 

 

 

- Der Tag der Archive wird heute bundesweit zum sechsten Mal veranstaltet. Initiator ist der Verband deutscher Archivarinnen und Archivare.

- In Deutschland laden heute nach Angaben des Vereins hunderte von Archiveinrichtungen in ihre Häuser ein.

- Den Bürger soll die Schwellenangst vor dem Betreten und Nutzen von Archiven genommen werden.

Zugleich soll der Öffentlichkeit das Berufsbild des Archivars näher gebracht werden - als "Detektive der Geschichte", wie es der Archivband ausdrückt. Und die Akzeptanz der Archive soll verbessert werden.

- Die Archive zielen laut Verband "als Stätten der Kultur und Wissenschaft" auf die Sicherung und Bewahrung des archivalischen Erbes als Kulturgut ab.

- In diesem Jahr steht der Archivtag unter dem Motto "Feuer, Wasser, Krieg und andere Katastrophen". Die Geschichten von Katastrophen sollen an die vielseitigen Gefährdungen der Archive erinnern.

- In Sachsen öffnen heute die Städte Bautzen, Chemnitz, Freiberg, Kamenz, Leipzig, Oelsnitz, Plauen und Zwickau ihre Archive.

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