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Oschatz Das Wermsdorfer Horstseefischen von A bis Z
Region Oschatz Das Wermsdorfer Horstseefischen von A bis Z
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12:37 15.10.2017
Schlammig, anstrengend, nass: das Abfischen verlangt den Helfern einiges ab. Quelle: Bärbel Schumann
Wermsdorf


Abfischen hat in Wermsdorf Tradition. Die Anfänge reichen bis zum Ende des 15. Jahrhunderts zurück. Später wurde die kurfürstliche Amtsteichwirtschaft Mutzschen gegründet, der Vorläufer der Wermsdorfer Fischereibetriebe. Das Horstseefischen findet seit 1969 ununterbrochen jährlich an jedem zweiten Oktoberwochenende statt.

Binnenfischer Bernd Semper gehört zu den dienstältesten Helfern beim Horstseefischen. Der 60-Jährige hat bereits 1974 in Wermsdorf den Beruf des Binnenfischers erlernt. Nach der Wende fing er bei der Wermsdorfer Teichwirtschaft an. Beim Fischzug sitzt jeder Handgriff, Besuchern beantwortet er alle Fragen rund um den Fisch – ganz in Ruhe.

Die Mädels von der Wermsdorfer Teichwirtschaft: Ursula Schad, Mandy Regener, Doreen Röthen, Antje Zschächner (von rechts). Quelle: Mathias Schönknecht

C-Vitamin – frischer Fisch aus dem Horstsee schmeckt am besten mit Vitamin C reichem Gemüse, Kräutern oder Zitronensaft. Das Vitamin (auch Ascorbinsäure) erhöht nicht nur die Aufnahme des Eisens, sondern verbessert auch die Funktion anderer Vitalstoffe im menschlichen Körper. So wird Fisch gleich noch ein Stück gesünder.

Das Riesenrad ist mittlerweile Tradition auf dem Rummel in Wermsdorf. Sobald es steht, weiß jeder: Das Horstseefischen beginnt. Quelle: Mathias Schönknecht

Durchgangsverkehr – fand am Wochenende des Fischereifestes in Wermsdorf so gut wie nicht statt. All jene, die zur Autobahn oder zu nächstgelegenen Orten in Richtung Mutzschen wollten, wurden rechtzeitig umgeleitet. Wer entlang der Ortsdurchfahrt etwas zu erledigen hatte und mit dem Auto fuhr, musste Geduld mitbringen – Stau auf der Hauptstraße.

Bernd Semper gehört zu den dienstältesten Helfern beim Horstseefischen. Der 60-Jährige arbeitet seit 1974 bei der Binnenfischerei Wermsdorf. Quelle: Bärbel Schumann

Edelsalami als Hauptgewinn gab’s bei „Wurst-Peter“. Für 50 Cent Einsatz war von Nieten, über Schinkenspeck bis zur kostbaren schwarzwälder Edelsalami alles zu holen. Die Löstopfe waren jedenfalls gut gefüllt. Und für jene, die kein Glück bei den Losen hatten, gab es ein freundliches Lächeln von Verkäuferin Heike.

Bei Heike vom Stand „ Wurst-Peter“ gab’s mit etwas Losglück Schinkenspeck und ein freundliches Lächeln. Hauptgewinn: Schwärzwälder Edelsalami. Quelle: Mathias Schönknecht

Fisch isst der gemeine Deutsche gern. Durchschnittlich 14 Kilogramm pro Kopf verdrückt er im Jahr. Meist sind dies allerdings Fische aus der Ferne. Der Anteil heimischer Fischarten liegt nur bei etwa 100 Gramm. Am Wochenende wurde diese Quote vermutlich vom einen oder anderen am Horstsee deutlich aufgebessert.

Gräten kommen in den „Filetstücken“ der der Wermsdorfer Teichwirtschaft gar nicht vor, sagt Verkäuferin Ursula Schad. Dennoch hat sie einen Tipp für alle, denen doch einmal eine Fischgräte im Hals stecken bleibt: Sauerkraut. Die im Kraut enthaltene Säure zersetze das Knochenstück. Besser noch sei aber der direkte Weg zum DRK-Stand, sagt Schad.

Horst im See: Seinen Namen erhielt der Horstsee von der mitten im Teich liegenden Insel, die in alten Urkunden als „die Horst“ bezeichnet wird. Sie wurde durch Aufschüttung beim Ausheben der den Seeboden durchziehenden Fischrinne künstlich geschaffen. Heute dient die Insel vor allem Wasservögeln als Brutstätte.

Imbisse abseits des Fisches waren am Wochenende auch zahlreich vertreten. Neben Bauernbrot, Pulsnitzer Pfefferkuchen, Softeis, Pferdewurst, Thüringer Bratwurst, Flammkuchen, Lebkuchen und polnischen Spezialitäten durfte natürlich das Grundnahrungsmittel der Deutschen nicht fehlen, das Bier.

Jagdhornbläser – Die Jagdhornbläsergruppe Hubertus eröffnete das diesjährige Horstseefischen am Freitag feierlich. Zusammen mit der 17. sächsischen Fischkönigin Lisa I., August dem Starken alias Rainer Müller, Bürgermeister Matthias Müller und Veranstalter Georg Stähler beschworen die Wermsdorfer Hornbläser eine ertragreiche Fischernte.

Die Wermsdorfer Jagdhornbläsergruppe Hubertus während der Eröffnung am Freitag. Quelle: Mathias Schönknecht

Königin Lisa aus dem Hause Keil ist als Lisa, die Erste ihres Namens die 17. sächsische Fischkönigin. Sie folgt auf Sarah aus dem Hause Appenfelder alias Sarah, die Erste ihres Namens, die ihre zweijährige Amtszeit im September beendet hatte. Nach dem Horstseefischen folgen allein bis Januar elf Gelegenheiten, ihre Krone aus echtem Gold dem (Fisch-)Volk zu zeigen.

Alte und neue Königin: Auch beim Adel geht’s um Mode. In dem Fall war die königliche Tasche das Gesprächsthema. Fazit: Früher war alles größer. Quelle: Bärbel Schumann

Laufen – den Horstseedamm zu Fuß zu erkunden, hat sich als die beste Variante herausgestellt, sich fortzubewegen. Zwar verirren sich jedes Jahr wenige Autofahrer zwischen die Besucher. Diese benötigen, um durchzukommen, jedoch deutlich mehr Zeit. Ausnahmen bildet die Polizei. Die ist seit einigen Jahren auf Pferden unterwegs und sorgt für Sicherheit.

Mandeln und Lebkuchenherzen gibt es am Wagen von Herbert Päprer. Der Berliner kommt seit mittlerweile 19 Jahren jedes zweite Oktoberwochenende mit seinem Stand an den Horstsee. Am 3. Oktober war er noch am Brandenburger Tor zum Tag der Deutschen Einheit. Kommende Woche geht es für ihn an das Schloss Moritzburg.

Der König der Herzen: Herbert Päprer verkauft neben gebrannten Mandeln auch Lebkuchenherzen Quelle: Mathias Schönknecht

Nachtschwärmer kamen voll auf ihre Kosten: Bis die Wolken wieder Lila wie des Fisches Schuppen schimmerten, wurde getanzt und gesungen. Getrunken wurde auch, wie Augenzeugen berichten. Freitag wartete Marcapasos auf die nächtlichen Besucher – am Samstag riefen The Porridges und DJ Boofy ins Festzelt.

Omnibusverkehrsgesellschaft Heideland – das regionale Busunternehmen bietet seit einigen Jahren während des Horstseefischens abends einen Plan mit ganz auf die Veranstaltung abgestimmten Sonderfahrten der Linie 801 an. Diese richten sich an jene, die aus Oschatz nach Wermsdorf und wieder zurück fahren wollen. Die letzte Tour ging 1.46 Uhr zurück ab Wermsdorf.

Parkplätze gibts für alle, die mit dem Auto anreisen, in Hülle und Fülle. Die dafür vorgesehenen Felder und Plätze sind ausgeschildert. Wer im Ort dort parkt, wo es nicht gestattet ist, der zahlt mehr dafür als die von der Gemeinde erhobene Gebühr fürs korrekte Parken. Die Freiwillige Feuerwehr weist Parkplätze zu und verteilt in der Gebühr inbegriffen – Informationsmaterial.

Quarkbällchen – Neben all den herzhaften Leckereien, die der Fisch zu bieten hat, hatten viele Besucher doch gerade zur Kaffee-Zeit auch mal Lust auf etwas Süßes. Beim Horstseefischen war für jeden Besucher das Richtige dabei. So gab es nicht nur Backfisch und Räucherforelle, sondern auch leckeren Kuchen, heiße Waffeln und frische Quarkbällchen.

Riesenrad – Mit seinen 31 Metern Höhe ist es schon von Weitem gut erkennbar und auch für den letzten Besucher das Zeichen für das Horstseefischen. Aus den 26 Gondeln hatten Hunderte Gäste am Wochenende einen Rundumblick über das gesamte Festgelände, den Horst- und den Döllnitzsee.

Suppe darf beim Horstsee-Fest nicht fehlen. Steffen Schwarze bereitete auch dieses Jahr die original Wermsdorfer Fischsuppe mit anderen Helfern zu. Am Freitag wurden 600 Liter gekocht und ausgeschenkt. Sonnabend und Sonntag ging jeden Tag die doppelte Menge über die Theke.

Steffen Schwarze bereitet am Freitag 600 Liter der originalen Wermsdorfer Fischsuppe zu. Quelle: Bärbel Schumann

Taschen und Frauen: Sieben Jahre nach ihrer Amtszeit schwärmt die 10. Fischkönigin Birgit Holzmann noch immer beim Treffen mit der neuen Fischkönigin Lisa Keil, was alles in ihre Pompadour am Kleid der Fischkönigin gepasst habe. Schnell zählt sie zehn Dinge auf. Da staunt die neue, die nur Autogrammkarten in ihrer rechteckigen Tasche am Kleid mitführt.

Umwege erhöhen die Ortskenntnis. Zum Fischerfest in Wermsdorf gehören Umleitungen und damit verbundene Umwege dazu. Nach Oschatz geht es beispielsweise über Gottwitz, Grauschwitz, Ablaß, Querbitzsch, Mügeln und Naundorf. Kleiner Trost: die Umleitungen sind gut ausgeschildert.

Volksfest mit 500-jähriger Tradition: Zwar entwickelte sich das Horstseefischen „erst“ seit 1969 zu dem jährlich stattfindenden größten Volksfest Sachsens, das zehntausende Gäste aus nah und fern anzieht. Doch schon seit Anfang des 16. Jahrhunderts ist die Fischzucht bereits Tradition in Wermsdorf.

Wermsdorf ist nicht nur für seinen Fisch, sondern auch für seinen Wald bekannt. Der Wermsdorfer Forst könnte 2018 sogar „Waldgebiet des Jahres“ werden. Deutliche Verweise auf die Beziehung der Wermsdorfer zu ihrem Gehölz finden sich im Ortswappen und der Gaststätte „Zum Goldnen Hirsch“. In letzterer kann auch wieder Fisch gegessen werden.

X
avier war glücklicherweise längst abgezogen. Kein Unwetter, keine umstürzenden Bäume und vor allem keine fliegenden Fische – dem strahlend blauem Himmel stand also nichts entgegen. Sogar spätsommerliche 20 Grad Celsius erwärmten die Besucher am Wochenende zwischen den sonst so kühlen Seen – E-X-cellent!

Y
achten gibt es keine auf dem Horstsee. Dafür aber Tret- und Ruderboote. Auszuleihen von Ende April bis Anfang September beim Hotel Seegasthof Horstsee. Mit bis zu fünf Personen kann im Gewand eines Schwans oder in einer klassischen Bootsvariante über den 70 Hektar großen See gestrampelt werden. Denn anders als bei Yachten zählt allein die Muskelkraft.

Zum Schluss steht fest: Beim Horstseefischen gibt es neben vollen, kiloschweren Tüten Fisch, viel zu holen. Rummelbegeisterte kommen genauso auf ihre Kosten wie Tanzfreunde und Trödelkönige. Und wem das dichte Gedränge zu viel wird, der kann immer noch eine kurze Auszeit im Gasthaus „Zum Bahnhof“ nehmen.

Von Mathias Schönknecht

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