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Das große Krabbeln: Miniermotte greift Oschatzer Kastanien an

Natur und Umwelt Das große Krabbeln: Miniermotte greift Oschatzer Kastanien an

Nicht nur den Oschatzer Bäumen hat das milde und feuchte Wetter des Sommers gut getan, sondern auch ihren Schädlingen. So hat sich die Miniermotte stark ausgebreitet und macht den Kastanienbäumen zu schaffen. Ein wirksames Gegenmittel für die aus dem Balkan stammende Schmetterlingsart gibt es bisher noch nicht.

Viele Oschatzer Kastanienbäume leiden unter dem Miniermottenbefall.

Quelle: ppl pzi vfd hpl

Oschatz. Nicht nur den Oschatzer Bäumen hat das milde und feuchte Wetter des Sommers gut getan, sondern auch ihren Schädlingen. Besonders Rosskastanien seien von der aus Südosteuropa stammenden Miniermotte betroffen, sagt Kathleen Teschmit von der Oschatzer Stadtgärtnerei. Aber nicht nur in Oschatz sei das so, „in ganz Deutschland sind Kastanien von der Motte befallen.“

Ursprünglich aus dem Balkan

In Oschatz gibt es etwa 100 Rosskastanien, schätzt die Stadtgärtnerin, und alle Bäume seien von der Miniermotte mehr oder weniger befallen. „Es ist nicht so, dass eine Kastanie gar nicht betroffen ist“, so Teschmit. Am stärksten treffe es Bäume, die wie am innerstädtischen Promenaden-Ring im Verbund stehen, erklärt die Sachgebietsleiterin der Stadtgärtnerei. Die Insekten haben dann einen kürzeren Flugweg und müssten nicht erst einen Kilometer bis zum nächsten Baum fliegen.

Und warum gerade die Rosskastanie? Genau wie die Miniermotte, stamme auch diese Kastanienart ursprünglich aus dem Balkangebiet, weiß Matthias Nuss, Wissenschaftler am Senckenberg-Schmetterlingsmuseum in Dresden. Soweit es zurückverfolgt werden kann, sei die Rosskastanie seit dem 16. Jahrhundert wegen ihrer ansehnlichen Belaubung und Blüten in Park- und Schlossgärten angepflanzt worden. Nachdem es Anfang des 20. Jahrhunderts nicht mehr nur dem Adel vorbehalten gewesen war, die Kastanie anzupflanzen, sei ihr hier ein künstliches Verbreitungsgebiet geschaffen worden, sagt Nuss. Und da die Rosskastanienminiermotte erst seit wenigen Jahren in Mitteleuropa heimisch ist, gebe es in der deutschen Flora und Fauna keine auf sie spezialisierten Feinde. Lediglich die einheimischen Meisen und Wespen interessierten sich zusehends für die Mottenlarven. „Die milden Winter und der feuchte Sommer haben ebenfalls dazu beigetragen, dass sich die Miniermotte auch in Deutschland etabliert hat“, ergänzt Teschmit.

Befall führt noch nicht zur Baumfällung

Um die Gesundheit von Mensch und Tier nicht zu gefährden, werde auch kein chemisches Mittel gegen die Schmetterlingsart in Oschatz eingesetzt, so die Stadtgärtnerin. Zwar sei in anderen Städten mit Hormonfallen probiert worden, die Insekten anzulocken und von den Kastanien fernzuhalten, doch bisher gebe es keine sicheren Erkenntnisse, dass diese Methode wirksam sei, erklärt Teschmit.

Die Miniermotte fresse sich, sobald sie aus dem Ei geschlüpft sei, in die Kastanienblätter ein und bilde dort eine Art Mine – daher auch ihr Name, erklärt Nuss. Je nach Stärke des Mottenvorkommens, könne der Baum im schlimmsten Fall absterben, sagt Teschmit. Durch den Befall und den damit verbundenden früheren Verlust der Blätter, habe der Baum kürzere Zeit für die Photosynthese und könne nicht genügend Energie für den Winter speichern. Da der Befall aber nicht jedes Jahr gleich intensiv sei, konnten ihn die Oschatzer Kastanien bisher kompensieren. „Und nur, weil ein Baum von der Miniermotte befallen ist, heißt das nicht, dass er gleich gefällt werden muss“, gibt Teschmit Entwarnung. Das sei erst der Fall, wenn die Gefahr bestehe, der Baum könnte auf Häuser oder Straßen stürzen.

Von Matthias Schönknecht

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