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Oschatz Deal vor Gericht: Kriminelles Trio gesteht - und erhält milde Strafe
Region Oschatz Deal vor Gericht: Kriminelles Trio gesteht - und erhält milde Strafe
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00:37 30.05.2015
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Oschatz

Von Gabi Liebegall

Er sitzt bereits wegen einer anderen Straftat ein. Die beiden anderen kommen aus der Arbeitslosigkeit vor Gericht. Sie alle haben keinen Schulabschluss und auch keinen Job, zwei davon sind berentet. Außer einem Angeklagten haben die Beschuldigten einige Eintragungen im Bundeszentralregister.

Für diese Sitzung wird im Foyer ein Detektor wie an Flughäfen aufgebaut und jeder Besucher untersucht. Gefunden wurde bei einem jungen Mann ein Messer, das ihm vorläufig weggenommen wird.

Vorgeworfen wird den dreien von der Anklagebehörde Raub, gefährliche Körperverletzung, Beleidigung - in den Jahren 2013 und 2014. Und passiert ist es immer wieder an einem Supermarkt. Hier haben sie sich willkürlich junge Leute ausgesucht, um sich an ihnen abzureagieren. S. und B. haben auf einen Jugendlichen eingedroschen. S. demonstrierte seine Macht und hob ihn am Schlawittchen hoch, drückte seine Zigarette auf dessen Körper aus und wollte fünf Euro erpressen. Da das Opfer kein Geld bei sich hatte, sollte es die geforderte Summe in einer Woche beibringen, ansonsten würde etwas Schlimmes passieren. Am selben Tag im Juli 2013 schlugen alle drei auf einen jungen Mann ein. Im September 2014 wurde die Polizei zu diesem Supermarkt gerufen, weil S. Angst und Schrecken verbreitete. Als die Beamten eintrafen, wollte sich S. mit einem anderen anlegen. Er beschimpfte ihn und schlug aus Wut eine Auto-Scheibe mit dem Schlüsselbund ein. In den meisten Fällen war erheblich Alkohol im Spiel.

Das alles hält Staatsanwältin Birgit Kraft den Angeklagten vor. Die jedoch scheinen oberflächlich zuzuhören. S. aus dem Knast schaut oft an die Uhr. K. lümmelt mit dem Kopf auf der Handfläche vor sich hin, und B. zeigt sich nervös.

Richter Karsten Arnold entscheidet sich für einen Deal (siehe Kasten). Er spricht mit den beteiligten Parteien ab, wie die Hauptverhandlung weitergehen könnte. Das Gericht schlägt eine Obergrenze der Strafe vor, dafür müssen die Angeklagten ein Geständnis ablegen. Die Angeklagten stimmen zu.

S. wird zu einem Jahr und fünf Monaten Freiheitsentzug verurteilt, EU-Rentner K. zu einem halben Jahr Haft auf zwei Jahren Bewährung sowie zu 50 gemeinnützigen Arbeitsstunden, die in fünf Monaten abgeleistet werden müssen. Und EU-Rentner B. wird mit halben Jahr Haft auf zwei Jahren Bewährung bestraft sowie mit 30 Arbeitsstunden. Aufgrund seines Gesundheitszustandes hat er drei Monate Zeit dafür.

Sowohl die Staatsanwältin als auch der Richter in der Begründung der Urteile - beide redeten mit den Angeklagten Tacheles, und zwar unmissverständlich. Ob es bei ihnen die gewünschte Wirkung erreicht, liegt allein in der Hand der drei jungen Männer.

Liebegall, Gabi

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