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Delegation aus Norwegen begutachtet Treptitzer Modell

Umwelt Delegation aus Norwegen begutachtet Treptitzer Modell

Eine Delegation aus Norwegen machte im Rahmen ihrer Exkursion Station in Treptitz. Hier informierten sie sich über die Vorgehensweise beim Bau der Kläranlage. Der Trepitzer Verein versorgt das Dorf zudem mit Wärme aus der Biogasanlage und kann bereits nach einem Jahr positive Bilanz für den Betrieb der Vererdungsanlage ziehen. Die Norweger waren begeistert.

In Treptitz machte eine Delegation aus Norwegen Station, um etwas über die Vorgehensweise beim Bau der Kläranlage zu erfahren.

Quelle: Dirk Hunger

Treptitz. Für die Delegation aus Norwegen war Treptitz nur ein Stopp innerhalb einer Drei-Tages-Reise hier in Deutschland. Die Teilnehmer des Lehrganges waren alles Fachleute aus dem Wasser- und Abwasserbereich und arbeiten bei verschiedenen norwegischen Wasserverbänden. „Die Norweger müssen in den nächsten Jahren ebenfalls dezentrale Abwasserkonzepte umsetzen, einschließlich Betrieb und Wartung der Anlagen. Ziel dieses speziellen Drei-Tages-Workshops ist es, einen Überblick über den derzeitigen Umsetzungsstand der dezentralen Abwasserentsorgung in Deutschland zu geben und Lösungsansätze für den Betrieb und die Wartung von dezentralen Systemen in Norwegen unter Beachtung von regionalspezifischen Besonderheiten aufzuzeigen“, erklärt Antje Lange vom Bildungs- und Demonstrationszentrum für dezentrale Abwasserbehandlung den Hintergrund des Trainingskurses.

Kostengünstige Infrastruktur in Treptitz

Darin enthalten war auch der Ausflug nach Treptitz in dieser Woche. Hier wollten sie erfahren, wie Infrastruktur auf dem Dorf kostengünstig gestaltet werden kann. Denn bei diesem Thema sind die Treptitzer Experten. Der Verein organisiert bereits die Abwasserbeseitigung mit zwei Gemeinschaftskläranlagen selbst, sie versorgen sich mit Wärme aus der Biogasanlage und betreiben seit einem Jahr erfolgreich ihre eigene Vererdungsanlage.

„Es kann nur funktionieren, wenn sich die Leute freiwillig zusammenfinden. Es muss eine Gemeinschaft bestehen, um die zuständigen Behörden von der Umsetzbarkeit des Projektes zu überzeugen“, sagt Vereinsvorsitzender Tilo Sahlbach. Die Gäste aus Norwegen lauschten seinen Erklärungen gespannt zu. „Das klingt alles so toll. Was gibt es aber für Probleme?“, wollte einer der Teilnehmer wissen. Auch hier hatte Tilo Sahlbach ein paar Antworten. Darunter, dass die wasserrechtliche Erlaubnis auf 15 Jahre begrenzt wurde. Danach muss die Erlaubnis neu beantragt werden.

Gäste aus Thüringen haben sich angemeldet

Ein bis zwei Mal im Jahr sind Delegationen aus den verschiedensten Städten und Ländern in Treptitz, die durch Zeitung und Fernsehen von ihrem Konzept erfahren haben und sich ein eigenes Bild davon machen möchten. Vor den Gästen aus Norwegen war es eine Delegation aus Ungarn. Gäste aus Thüringen haben sich bereits angemeldet.

Die Norweger hatten viele weitere Fragen. Hauptsächlich wollten sie wissen, was mit den Klärschlamm passiert. „Bei ihnen wird dieser sehr stark mit ganz normalen Mist aus der Tierproduktion vermischt. Das ist hier nicht so“, so die Erklärungen von Tilo Sahlbach. „Interessant für die Gäste war auch, dass diese Anlage besser funktioniert als in der Fachliteratur beschrieben. Diese ist nicht bereits in zehn Jahren voll, sondern erst in 30. Da sieht man, dass die Lehrbuchwerte eher auf der sicheren Seite liegen. Unser Schlamm lässt sich sehr gut entwässern.“

Sahlbach betont, dass sich das Projekt verstetigt hat. „Es war keine Eintagsblase. Es funktioniert! Es ist beachtlich, dass ein so kleines Dorf wie Treptitz im gleichen Atemzug wie große Städte genannt wird. Das ist für uns eine große Auszeichnung. Wichtig ist, dass das Ökologische und Ökonomische zusammen kommt und nicht nur eine Seite im Vordergrund steht. Die Gesamtheit muss betrachtet werden. Und genau das haben wir versucht, in Treptitz umzusetzen.“

Junge Leute zieht es nach Treptitz

Er betonte zudem, dass gerade junge Leute nach Treptitz ziehen. „Hier ist es günstiger als in der Stadt. Wir haben eine gute Dorfgemeinschaft. Das Vertrauensgefühl ist sehr stark, da wir unsere Kosten selbst beeinflussen und jeden Cent nachvollziehen können“, so der Vorstandsvorsitzende.

Schon im Jahr 2014 wurde der Verein Bundessieger in der Kategorie Umwelt beim Standortwettbewerb „Land der Ideen“. So kamen auch Anfragen aus vielen Regionen, die wissen wollten, wie das Treptitzer Modell funktioniert. „Einige Vorhaben schaffen es nicht, weil der nötige Sachverstand fehlt. Daher sollte frühzeitig ein Ingenieurbüro herangezogen werden. Die Bürgergemeinschaft muss sich einig sein und schon im frühen Stadium müssen die finanziellen Rahmenbedingungen geklärt sein. Doch es haben auch bereits einige andere Ortschaften geschafft. So zum Beispiel Bockwitz in der Gemeinde Belgern-Schildau. Das Oberdorf konnte das Modell vor zwei Jahren umsetzen.“

Zwei Stunden lang lauschten die Teilnehmer der Exkursion aus Norwegen den Ausführungen von Tilo Sahlbach und stellten ihre Fragen. Im Anschluss daran hatten die Teilnehmer noch Zeit für Diskussionen. Bereits am Mittwoch traten sie ihre Rückreise an und nahmen viele Ideen und Anregungen mit in ihre Heimat.

Von Kristin Engel

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Treptitz
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