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Oschatz Der Bahnhof in Oschatz und seine Geschichte
Region Oschatz Der Bahnhof in Oschatz und seine Geschichte
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15:19 01.04.2014

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Von Reiner Scheffler

Kunz ist Chef.

1838: Im Juli ist das 416 Meter lange, aus 26 steinernen Bogenbrücken bestehende Viadukt fertig gestellt. Ein erster niedriger Massivbau enthielt Diensträume und eine Beamtenwohnung. Die Station besaß drei durchgehende Gleise. Am 3. November kommt von Dahlen her der erste, von der Lok "Sturm" gezogene 6-Wagen-Zug. Mit seiner Ankunft wurde die Station Oschatz in Betrieb genommen. Am 21. November fährt ein erster Zug von Oschatz nach Riesa.

1839: Am 7. April wird zwischen Leipzig und Dresden der durchgehende Fahrbetrieb aufgenommen. In drei Stunden und 40 Minuten fährt die englische Lok "Stephenson" die 115 Kilometer lange Trasse. Die deutsche Lok "Saxonia" darf als Lokzugfahrt hinterher fahren.

1840: Ab dem 1. Oktober geht das zweite Gleis in Betrieb.

1847: Für 30 000 Taler wird das Döllnitzviadukt in einen Damm mit zwei Brückenöffnungen verwandelt. Eine Brücke dient dem Döllnitzbach als Durchlass, eine dreibogige Restbrücke als Flutdurchlass. In der Station wird das bisherige Stationsgebäude umgebaut und erweitert. Als Nachteil erweist sich die nach außen ungeschützte Billetausgabe. Im Fahrzeugbestand der sächsischen Staatsbahnen geht die Lok "Oschatz" (Borsig) in Betrieb.

1878: Großer Bahnhofsumbau mit Trennung in Personen- und Güterbahnhof. Mit Fertigstellung wird der Bahnhof unter allen Stationen der Sächsischen Staatseisenbahnen der Rangklasse II zugeteilt und erreicht die 55. Stelle. Täglich werden 16 Reisezüge abgefertigt.

1880 : Am 1. Juli wird ein neues Stationsgebäude eingeweiht. Dem bisherigen "Bau früher Sachlichkeit" folgte ein moderner Villenstil mit reichlich Platz für Fahrgäste und Bedienstete. Ein erster Bahnhofswirt ist der Stolpener I. Rothe.

1884: Auf der Strecke wird der Rechtsfahrbetrieb eingeführt.

1885: Am 7. Januar wird die 750 Millimeter spurige Schmalspurbahn nach Mügeln in Betrieb genommen, wodurch erhebliche Bahnhofserweiterungen im Südbereich nötig wurden. Auf der Hauptbahn werden Siemenssche Signaleinrichtungen in Betrieb genommen.

1891: Die Schmalspurstrecke nach Strehla wird am 31. Dezember in Betrieb genommen. Damit einher gehen weitere Verbindungseinrichtungen zwischen Regel- und Schmalspur, wie zum Beispiel der Rampenbau für Schmal- und Regelspur im Bereich des Personenbahnhofes.

1894: Ausbau von Dreischienengleisen in 800 Meter Länge in die Zuckerfabrik und zu späterer Zeit in die mit Regelspur erreichten Industriebereiche.

1902: Station Oschatz steht in Sachsen im Güterverkehr an 29. und im Personenverkehr an 87. Stelle. Es wurden 103 771 Fahrkarten verkauft.

1913: Oschatz erhält zwei Stellwerke, eine zweite Rollgrube und 100 Meter lange Fachwerk-Bahnsteigüberdachungen.

1917: Der Bahnhof ist weitgehend ausgebaut. Auf 1,5 Kilometer Länge (51,8 bis 53,3) werden 17 Hauptsignale bedient, verbinden 99 Weichen 27 nummerierte Gleise, die 24 Betriebe nutzen.

1921: Im Personenbahnhof halten täglich 18 Personen-, zwei Eil- und acht D-Züge. Im Bahnhof rangiert eine eigene, aus dem Bestand des Lokbahnhofes Riesa entnommene Dampflokomotive der Baureihe 89.

1927: In Oschatz fahren je Richtung zehn Personen- und sieben D-Züge. Ziele über Leipzig und Dresden hinaus waren Breslau, Wien, Wesermünde, Hamburg und Amsterdam. Ein Personenzug benötigte bis Leipzig 88 Minuten, ein D-Zug 57 Minuten Fahrzeit.

1946: Der Bahnhof hat die Kriegswirren gut überstanden. Der Zugverkehr ruhte nur wenige Tage. Es fahren je Richtung wieder täglich fünf Züge. Ab September liegt das Bahnwesen in Volkes Hand. Allerdings muss als Reparation das zweite Gleis entfernt werden.

1968: Im Rahmen einer Oberbauerneuerung mit Wiedererrichtung des zweiten Gleises und in Vorbereitung der Streckenelektrifizierung werden allerhand betriebliche Verbesserungen erreicht. Auf den Döllnitzbrücken werden neue Kronenbefestigungen geschaffen.

1970: Ab 31. Mai wird zwischen Wurzen und Riesa der elektrische Zugverkehr aufgenommen, womit die durchgehende Elektrifizierung erreicht wurde. Die 18 000 Einwohner zählende Kreisstadt Oschatz befördert auf ihrem Bahnhof täglich bis zu 3000 Reisende.

1972: Sang- und klanglos wird ab dem 1. Februar die Schmalspurbahn nach Strehla eingestellt und bis Mai abgebaut.

1975: Diesmal in würdiger Form wird auf der Strecke nach Mügeln ein Verkehrsträgerwechsel durchgeführt. Der Güterverkehr bleibt erhalten.

1977: Endgültig wird auf der Leipzig-Dresden der planmäßige Verkehr mit Dampflokomotiven eingestellt. Letzte Baureihe war die 58-Reko.

1982: Auf dem Schmalspurteil des Bahnhofes werden Gleiseinrichtungen dezimiert. Der Rest wird oberbaumäßig erneuert.

1987: Ein leistungsbezogener Zahlenspiegel weist noch täglich den Bahnhof berührende 66 Reise- und 60 Güterzüge aus. Acht Betriebsanschlüsse werden noch bedient. Der Modernisierung muss die Signalbrücke weichen, dafür werden die hölzernen Bahnsteigüberdachungen Gleis 1 stabilisiert, Gleis 2 jedoch entfernt und durch sogenannte Kauen ersetzt.

1988: Bahnhof Oschatz feiert mit einer Lokschau das 150. Streckenjubiläum.

1993: Die Deutsche Reichsbahn verabschiedet sich auf dem Schmalspurteil von ihrer Strecke nach Mügeln. Übernommen wird sie von der ersten nicht bundeseigen-gegründeten Döllnitzbahn GmbH. Nun kommen auch schmalspurige Dieselfahrzeuge zum Einsatz.

1995: Im Rahmen des Verkehrsprojektes Nummer 9 beginnen weitreichende Umbauten und Erneuerungen. 55 Millionen D-Mark kosten diese zwei Jahre andauernden Arbeiten. Unter anderem werden nahezu alle Gleiseinrichtungen, Bahnsteige und Signaleinrichtungen erneuert.

1996: Stellwerk 1 wird stillgelegt und abgebaut. Eine völlig neue Döllnitztalbrücke wird errichtet und die bisherige unter Denkmalschutz gestellt.

1997: Stellwerk 2 wird stillgelegt und die Zugaufsicht ebenfalls außer Dienst genommen. Der Bahnhof, welcher bereits zur Riesaer Dienststelle gehörte, wird verwaltungsgemäß aufgelöst. Betrieblich wird er zunächst von Wurzen aus fernbedient.

2000: Erste ICE-Züge brausen mit bis zu 200 Kilometer/Stunde durch Oschatz. Täglich können 46 haltende Züge genutzt werden, deren Fahrzeit erheblich gekürzt werden konnte. Allerdings halten keine Durchgangszüge mehr. Verbliebene zwei Regelspur-Güteranschlüsse werden von Riesa aus mit Übergabezügen bedient.

2001: Fernbedienung nun von Leipzig aus. Im Bahnhof bleibt eine Service-Kundenbetreuung (Fahrkartenerwerb) eingerichtet. Auf den Bahnsteigen sind Richtungsanzeiger mit Informationsangaben vorhanden, werden von Leipzig aus Lautsprecher bedient.

2014: Nach wie vor halten auf der Jubiläumstrasse werktäglich 40 Reisezüge. Als Informationsquelle und zum Fahrscheinerwerb steht neben den Stationsautomaten ein Verkaufscontainer bereit. Der Erwerb eines Fahrscheines erfolgt für den Reisenden jedoch ungeschützt im Freien wie beim ersten Stationshaus vor 175 Jahren.

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