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Oschatz Der Collm – ganz Nordsachsen schaut auf diesen Berg
Region Oschatz Der Collm – ganz Nordsachsen schaut auf diesen Berg
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06:00 11.01.2017
Der Ort Collm und das dazugehörende Dorf an einem sonnigen Wintertag. Links vorn ist die Dorfkirche und auf dem Berggipfel der etwa 100 Meter hohe Funk-Gittermast zu sehen. Quelle: Frank Hörügel
Collm

Kerstin Krause hat den Collm direkt vor Augen, wenn sie aus den Fenstern ihres Wohnhauses schaut. Im Winter sieht sie die Bäume auf der Bergkuppe mit Schnee oder Raureif bedeckt, im Frühling freut sie sich über das frische Grün der Bäume, im Sommer über die angenehm kühle Höhenluft und im Herbst über die bunte Blätterpracht. Die gebürtige Collmerin lebt seit 53 Jahren in dem kleinen Bergdorf und weiß die Annehmlichkeiten des Ortes zu schätzen.

„Es ist schön, hier am Fuß des Berges zu wohnen, der über alles wacht und mich schon mein ganzes Leben begleitet“, sagt sie und schwärmt im gleichen Atemzug von der guten Collmer Luft. „Nicht umsonst waren wir mal Luftkurort.“ Doch das ist Vergangenheit. Genau so wie der große Fernsehturm auf dem Berg, der 2005 abgerissen und durch einen Gittermast ersetzt wurde. „Da meine Eltern auf dem Fernsehturm gearbeitet haben und manchmal Silvester Dienst hatten, konnte ich als Kind in der Neujahrsnacht von hier oben das Feuerwerk beobachten“, erinnert sie sich. Und manchmal – wenn genug Schnee lag – ging es mit dem Schlitten den Wanderweg bergab. „Das war nicht ungefährlich. Wir hatten zu tun, den großen Eichen auszuweichen.“

Weil sie sich ihrem Heimatort stark verbunden fühlt, engagiert sich Kerstin Krause für Collm – als Vorsitzende des Heimatvereins Bergtreue oder auch als Gemeinderätin. Sie kämpft für die weitere Sanierung des Albertturmes auf der Bergspitze und gegen den Lasterverkehr durch das kleine Dorf, der seit der Inbetriebnahme der Wermsdorfer Ortsumgehung zugenommen hat. Das Bergvolk – so nehmen sich die Collmer manchmal selbst auf die Schippe – hält zusammen. „Die Leute sind nett, hier passt alles“, sagt Kerstin Krause.

Vulkaneindruck täuscht

Der bewaldete Berg – sieben Kilometer von Oschatz entfernt – mutet wie ein erloschener Vulkan an, dem der Krater abhanden gekommen ist. Doch der Eindruck täuscht. Seine gefällige Form hat der Berg nicht dem Ausbruch von heißen Lavamassen zu verdanken, sondern der Bildung des variskischen Gebirges. Das war vor etwa 300 Millionen Jahren. Viel Zeit, die den Berg rund geschliffen hat. Die oberste Gesteinsschicht, die zu den ältesten Gesteinen Nordsachsens gehört, hat den Schliff jedoch überlebt. Aus dem Grauwacken genannten Gestein haben die Bauern im Umfeld ihre Häuser gebaut.

Wetterscheide im Sommer

Der Collm ist aber nicht nur aus geologischer Sicht interessant. Besonders in den Sommermonaten führt der Berg zu einem Effekt, der als Wetterscheide bezeichnet wird. „Das wird immer sehr vielgestaltig diskutiert“, weiß der Meteorologe Falk Böttcher. Als Bewohner des Oschatzer Stadtteils Fliegerhorst, der etwa drei Kilometer vom Collm entfernt ist, kennt der 48-Jährige das Phänomen aus eigener Anschauung. Waldgebiete wie um den Collm herum wirken dämpfend auf Schauer. Und wenn Schauer heranziehen, dann verstärken Erhebungen wie der Collm auf der Seite, die dem Wind zugewandt ist (Luv), die Regenfälle. Auf der windabgewandten Seite (Lee) werden die Schauer dagegen gedämpft.

Böttcher: „Dieser Luv-Lee-Unterschied kann bis etwa zehn Prozent der Niederschlagssumme ausmachen.“ Für den Collm gebe es aber keine Messwerte, die belegen, dass es über das Jahr gerechnet im benachbarten Wermsdorf viel weniger oder mehr regnet als im ebenfalls collmnahen Neuböhla. „Der Wetterscheideneffekt tritt auch wirklich nur im Sommerhalbjahr bei Schauern auf, die in aller Regel vergleichsweise kleinräumig sind“, weiß der Meteorologe. Bei großflächigem Landregen oder Schneefallgebieten im Winter gebe es diesen Wetterscheideneffekt nicht.

Fernsicht bis zum Fichtelberg

Armin Möbius hat in seinem Leben schon viele Schauer und Schneefälle erlebt. Der 69-Jährige ist einer der letzten Collmer, die noch zu Hause geboren wurden. „Als Kinder haben wir auf dem Berg und im Wald gespielt“, erinnert er sich. Mit seinen Spielkameraden bestieg das Collmer Urgestein den Albertturm und schaute bei guter Fernsicht bis zum Fichtelberg. Möbius erinnert sich noch an das Sommerrodeln auf Rädern den Berg herunter mit dem mehrfachen Olympiasieger und Weltmeister Thomas Köhler.

Möbius hat die Motorradgeländefahrten „Rund um den Collm“ miterlebt. „Die Maschinen sind die Rodelbahn hoch und die Himmelsleiter runter gefahren.“ Und da der Collm in seiner Kindheit öfter mit Schnee bedeckt war als heute, kannte sich Armin Möbius auch mit dem Ski- und Schlittenfahren aus. „1960 war ich als einziger Teilnehmer aus dem Kreis Oschatz bei der Spartakiade in Oberhof dabei mit Biathlon, Rodelschlitten und Langlauf.“ Medaillen brachte der Collmer nicht mit nach Hause, rangierte im hinteren Drittel. Aber das Erlebnis wird er nie vergessen.

Auch als Rentner ist seine Liebe zum Berg nicht verblasst. „Ein schöner Spaziergang auf den Berg macht immer noch Spaß – jetzt auch mit den Enkeln“, sagt Armin Möbius.

Collm ist dicht bewaldet

Beim Aufstieg auf den Berg wird Möbius im Frühjahr, Sommer und Herbst vom Rascheln der Blätter und im Winter vom Rauschen der Nadelbaum-Kronen begleitet. An den dicht bewaldeten Collm-Hängen strecken viele Laubbäume ihre Kronen in die Höhe. „Hauptbaumart ist die Traubeneiche, gefolgt von Rotbuche, Hainbuche, Bergahorn, Winterlinde“, weiß Mario Erdmann. Der 48 Jahre alte Wermsdorfer betreut als Förster das Revier Collm.

Vor allem am Süd- und Südwesthang des Berges stehen alte Laubmischbestände – darunter viele Biotopbäume. Das sind Bäume, in denen zum Beispiel Spechte ihre Höhlen gebaut haben oder auf denen Brutvögel ihre Horste errichten. Bei den Biotopbäumen wird auf eine forstliche Nutzung verzichtet. „Die ältesten Bestände sind die Eichenbestände des Südhanges mit über 200 Jahren“, so Erdmann.

Auf dem Nordhang gibt es größere Vorkommen von Nadelholz – vor allem Gemeine Kiefer, Europäische Lärche und Gemeine Fichte. Diese Fichtenbestände werden nach Angaben des Försters gerade in Mischbestände umgebaut. Unter die Fichten pflanzen die Forstarbeiter deshalb hauptsächlich Rotbuchen. Die Waldbestände entlang der gepflasterten Straße, die sich den Collm hinauf schlängelt, wurden laut Erdmann „in den letzten Jahren stark durchforstet“. Nadelhölzer und Birken mussten weichen, um die natürliche Verjüngung von Bergahorn und Rotbuche zu unterstützen.

Groß und stark auf dem Albertturm

Wenn Saskia Otto (17) aus der Ferne nach Hause kommt und den Collm erblickt, dann denkt die Gymnasiastin: „Egal, wo ich gerade herkomme: Bei diesem Anblick fühle ich mich Zuhause.“ Zuhause ist sie im Heimatort ihrer Mutter seit Anfang des neuen Jahrtausends, vorher wohnte die 17-Jährige bei Schwäbisch-Hall. Beim Rückblick auf ihre Kindheitserlebnisse in Collm erinnert sie sich an die Ausflüge mit ihren Eltern auf den Berg und den Aufstieg auf den Albertturm. „Da oben habe ich mich immer schon groß, stark und erwachsen gefühlt. Da konnte einem keiner was anhaben.“ Am Fuße des Albertturmes wurde die Collmerin dann wieder von der Realität eingeholt. Denn hier gibt es noch die Kellerruine der einstigen Berggaststätte. „Das fanden wir als Kinder immer etwas gruselig und dachten, da wohnt noch jemand.“

Heute hat Saskia Otto immer noch eine besondere Beziehung zum Collm. Als begeisterte Läuferin ist sie hier vom Frühjahr bis zum Herbst ein- bis dreimal pro Woche unterwegs. „Für das Laufen ist der Collm eine gute Trainingsmöglichkeit, denn es geht rauf und runter.“ Und als angenehmen Nebeneffekt schätzt die 17-Jährige das Naturerlebnis beim Laufen. „Man entdeckt immer wieder was Neues.“

Von Frank Hörügel

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