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Der Gasthof Leuben

Der Gasthof Leuben

Die Geschichte des Leubener Gasthofes ist bis in das 16. Jahrhundert belegt. Allerdings ist nicht erwiesen, ob der heutige Standort in der Naundorfer Straße Nr.

Leuben.

4 auch exakt dem Standort in jener Zeit entspricht. Es ist überliefert, dass der Gasthof, wie er bis in die 1960er Jahre Zentrum der dörflichen Geselligkeit war, einst zum Rittergut Leuben gehörte. Nachdem August der Starke 1726 den Bau der Poststraße von Dresden über Meißen, Leuben und Wermsdorf nach Leipzig veranlasste, hatte der Rittergutsbesitzer Hans-Gottlieb von Thielau nach den Vorlagen des Lampertswalder Gasthofes die Schänke um- und ausgebaut und den Bau des Backhauses erwirkt.

 

Als dann der Verkehr auf der Poststraße nach 1803, von modernen Verkehrsmitteln abgelöst, zum Erliegen kam, verlor der Gasthof auch seine überregionale Bedeutung, verblieb aber zunächst im Besitz des Rittergutes und gelangte erst später in private Hände.

 

Obwohl handgreifliche Auseinandersetzungen in den Kneipen der Stadt und des Umlandes nur selten aktenkundig gemacht worden sind, sorgte der Gasthof Leuben mit seinen Zechgelagen wiederholt für Aufsehen im Ort und in der Umgebung. Der Chronist Carl Samuel Hoffmann schildert 1817 Vorkommnisse, die sich im Gasthof 1726 zugetragen haben sollen. Er berichtet: "[-] dass eines Tages das Gesinde im Herrenhofe bei Abwesenheit ihrer Herrschaft in die Schenke gegangen sei. Hans, der Schafknecht, habe in der Trunkenheit das Bild des heiligen Antonius (aus der nahe liegenden Kapelle) herbeigeschleppt und allerhand Gespötte mit ihm getrieben. Als dasselbe um Mitternacht ein Ende hatte, sei auch der Schafknecht zu seinen Schafen gegangen [-]. Entsetzen habe ihn ergriffen als er den misshandelten Heiligen [-] vor sich habe stehen sehen, der ihn mit derben Faustschlägen so übel mitgespielt[-], dass er lange Zeit mit einem dick geschwollenen Kopfe habe herumgehen müssen. [-] Jedoch sei dabei alles natürlich zugegangen. Denn bei dem Spektakel in der Schenke habe sich auch ein böhmischer Knecht befunden, der, als ein eifriger Katholik [-] großes Ärgernis genommen und [glaubte] seine Schmach rächen zu müssen. Daher habe er [-] in Worten und Gestalt die Rolle des Heiligen gespielt und den Schafknecht für seinen Vorwitz derb bezahlt". Auch der Limbacher Pastor Ernst Adolph Heyne kam 1840 in "Sachsens Kirchengalerie" auf das Treiben im Leubener Gasthof zu sprechen und beschrieb einen dort geschehenen Mord. Ein Mann namens Matthäus Müller soll 1599, als er betrunken aus der Leubener Schenke nach Hause kam, seine Frau mit einem Messer ermordet haben. Der aus Böhmen stammende Mörder sei geflohen und konnte nicht gefasst werden.

 

Die Geschichte des Gasthofes im Unterdorf war in der jüngeren Vergangenheit weniger spektakulär. Beginnend in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts bewirtschafteten der Viertelhüfner Franz Haferkorn, der Gutsbesitzer Hugo Haferkorn, der auch 1902 den Saal anbauen ließ, und der Restaurateur Paul Oehme, der den Tanzsaal 1927 umbaute, den Gasthof. Der aus Wurzen zugezogene Gastwirt Kurt Müller und seine Frau Frieda kauften 1932 das Grundstück, verpachteten den Gasthof aber bald weiter an Hans Geilert und später an Martin Voigt.

 

Die Besitzer und Pächter bearbeiteten neben dem Gasthof das zum Grundstück gehörige Land und bewirtschafteten auch das aus dem 18. Jahrhundert stammende Backhaus bis in die 1930er Jahre. Der Leubener Gasthof war neben dem Schloss der gesellschaftliche Mittelpunkt der Dorfbevölkerung. Hier wurden die kalendarischen und familiären Feste gefeiert. Regelmäßig fanden Bälle, Tanzvergnügen, Filmvorführungen sowie Veranstaltungen der Vereine statt. Und die Gemeinde nutzte die Räumlichkeiten über Jahrzehnte für die Gemeindewahlen. Wie viele andere Gastwirtschaften musste auch der Leubener Gasthof den gesellschaftlichen und sozialen Umbrüchen in den frühen DDR-Jahren seinen Tribut zollen und wurde in den 1960er Jahren geschlossen. Der ehemalige Gasthof wird heute als Wohnhaus genutzt und das gesamte Anwesen mit dem 2013 vorbildlich restaurierten Backhaus befindet sich noch im Besitz der Nachfahren von Kurt und Frieda Müller.

Dr. Manfred Schollmeyer

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