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Der Oschatzer Kunstverein ist tot - die Kunst lebt aber weiter

Der Oschatzer Kunstverein ist tot - die Kunst lebt aber weiter

"Schlussstrich nach zehn Jahren: Kunstverein gibt auf" meldete die OAZ vor reichlich einem Jahr - am 15. Juli 2014 verkündete der damalige Vorsitzende Wolfgang Thibault die Auflösung des Oschatzer Kunstvereins.

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Gabriele Thibault, Steffi Gutzeit und Renè Dünki (v.l.) - hier bei einer Kunstaktion in der Gartensparte Erich Billert - gehörten zu den Aktivposten des Kunstvereins.

Quelle: Archiv

Mangelndes Engagement, fehlender Nachwuchs und immer weniger räumliche Möglichkeiten führte der Schmorkauer als Gründe für die Entscheidung des Vorstandes an. Jetzt, mehr als zwölf Monate später, sieht es nicht danach aus, als ob es in naher Zukunft eine Erneuerung des Kunstvereins geben wird.

 

"Wir haben uns zwar vorgenommen, nicht sofort auseinander zu rennen und uns weiter in loser Gemeinschaft zu treffen - aber selbst das ist bisher so gut wie nie passiert", räumt Wolfgang Thibault ein. Der Hauptgrund dafür sei mangelnde Zeit. "Ein jeder hat mit den eigenen Angelegenheiten zu tun, da bleibt für künstlerischen Austausch keine Gelegenheit", bedauert er. An einen Neuanfang des Kunstvereins glaubt er nicht. "Dafür müssten sich schon ein Dutzend junger, aufgeschlossener und engagierter Menschen finden, welche die Verantwortung, die ein solches Unterfangen mit sich bringt, nicht scheuen". Der harte Kern, der den ehemaligen Verein zum Schluss noch ausmachte, sei dafür zu alt. "Unser Durchschnittsalter lag zwischen 55 und 60. Von den knapp 30 Mitgliedern brachte sich nur noch die Hälfte ein - und dann waren es auch oftmals immer dieselben". An diesen Rahmenbedingungen habe sich nichts geändert. Wolfgang Thibault selbst würde sich in einem neu gegründeten Verein gerne engagieren, sofern es seine Gesundheit zulässt. "Aber an vorderster Stelle werde ich dann nicht mehr stehen", sagt er.

 

Steffi Gutzeit aus dem Fliegerhorst unterrichtet Kunsterziehung am Oschatzer Thomas-Mann-Gymnasium und gehört zu denen, die dem Kunstverein bis zuletzt treu geblieben sind. Sie schließt nicht aus, dass sich ehemalige Aktive wieder zusammenschließen. "Es ist nur fraglich, ob wir alle unter einen Hut bekommen und es so gestalten, dass die Stadt davon profitiert", schränkt sie ein. Denn ohne diese Prämisse sei ein Neuanfang nicht erstrebenswert. Einig ist sie sich mit Wolfgang Thibault darin, dass es jemanden neuen geben müsse, "der für die Kunst brennt" und sich vor den Karren spannt - im positiven Sinne. Es sei nicht so, dass sich die früheren Engagierten vollends von der Kunst abgewandt haben. "Einige von uns haben eine neue Wirkungsstätte gefunden, beim Kunst- und Kulturverein Kenntmann in Torgau. Und unter dessen Regie gibt es ja auch Ausstellungen im Oschatzer Raum", so Gutzeit. Diese Plattformen gelte es zu nutzen, um in Verbindung zu bleiben. "Ich werde mich auf jeden Fall weiter einbringen, egal ob mit oder ohne Verein", sagt sie abschließend.

 

Dass den Oschatzer Künstlern 2014 nach zehn Jahren, in denen unter anderem mehrere Kunstwochen organisiert und durchgeführt worden sind, "die Puste ausgegangen ist", bedauert auch Doris Köhler. Die Rechauerin findet es schade, dass der Verein eingegangen ist. "Denn das Engagement hat Spaß gemacht", blickt sie zurück. Heute wie damals fehle es jedoch an Initiative und Material, um als Verein etwas auf die Beine zu stellen. Nicht zuletzt gelte es, einen unüberwindbaren Widerspruch zu akzeptieren. "Das Bedürfnis, Kunst zu konsumieren, ist groß, die Bereitschaft, sich selbst dafür zu engagieren, vergleichsweise gering", meint Köhler. Dass die Kunstszene in Oschatz ausstirbt, sei jedoch nicht zu befürchten. "Statt einer großen Institution gibt es viele kleine Initiativen, die an mehreren Orten für eine Bereicherung sorgen." Diese Eigenständigkeit habe aber auch den Nachteil, "dass jeder sein eigenes Süppchen kocht" - ein weiter Grund dafür, dass sie einem Kunstverein 2.0 in Oschatz geringe Chancen einräumt.

 

Die ehemaligen Mitglieder Elvira Künne und Wolfgang Michael waren bis Redaktionsschluss nicht zu erreichen.

 

© Kommentar

Christian Kunze

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