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Der harte Kern von Zaußwitz und seine Erben

Der harte Kern von Zaußwitz und seine Erben

Zaußwitz. Gelbe Polo-Hemden mit blauer Schrift sind ihr Markenzeichen. "Der harte Kern von Zaußwitz" war ursprünglich "nur" eine Frauensportgruppe. Seit der Gründung vor mehr als 30 Jahren leisteten die Damen aber mehr. Ihr Engagement belebt den Ort, und damit sind sie unverzichtbar für das 200-Seelen-Dorf geworden.

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Die derzeitigen Mitglieder der Frauensportgruppe "Der harte Kern von Zaußwitz". Nur wenige mussten beim Fototermin absagen. Das Altersspektrum der Gruppe ist groß. Die Jüngste unter ihnen, Dominique Göritz, feierte gestern ihren 26. Geburtstag, die Älteste ist Renate Kunze (nicht mit auf dem Bild), sie zählt 60 Lenze.

Quelle: Sven Bartsch

Zum Sporttreiben braucht es keinen Verein. Die Gruppe existiert seit Februar 1981, ohne eingetragen zu sein. Heute bestreiten die Damen Radtouren, diverse Gymnastikübungen, Aerobic und Nordic Walking. Die Gründerin hat noch immer den Hut auf und ist leicht zu erkennen. Ellen Trapp trägt kein gelbes, sondern ein grünes Oberteil, Aufschrift: "Boss".

"Nach den ersten Übungen im damaligen Kindergarten war uns klar: Wir wollen mehr", berichtet Ellen Trapp. Eva Schneider rief die erste Weihnachtsfeier ins Leben, danach waren gesellige Abende und Ausflüge nicht mehr wegzudenken. "Wenn man in lockerer Runde sitzt, kommen einem die besten Ideen", sagt Anett Kochale vom "harten Kern". Tatsächlich nahm das Engagement nach der Wende zu: 1992 fand auf Initiative Evelin Fischers die erste Tombola statt. Die Einnahmen kamen den Kindern und dem Sport zugute. "Wir kauften Sport- und Spielgeräte und kämpften mit dem damaligen Bürgermeister Andreas Kretschmar für einen Fußballplatz", zählt Gudrun Schreiber auf. Sie ist verantwortlich für Chronik und Finanzen und gehört neben Ellen Trapp, Evelin Fischer und Ines Moritz zu denen, die sich seit der ersten Stunde mit engagieren.

Der Sport wird seit 1994 intensiver betrieben, die damals noch namenlose Runde trifft sich seitdem wöchentlich zum Training, statt wie zuvor aller 14 Tage. Der Name "Der harte Kern von Zaußwitz" geht im Übrigen auf das regelmäßige sportliche Betätigen zurück. Verlässliche Partner sind die Kameraden der Freiwilligen Feuerwehr im Ort. "Ohne unsere Kooperation wäre das Dorffest nicht denkbar", sagt Ellen Trapp. Ihren Gruppennamen haben die Frauen seit 1997. Im gleichen Jahr entstand in der Teufelsschänke in Kleinrügeln die Idee, Unterhaltungsprogramme aufzuführen. Diese sind inzwischen legendär: Das Parodieren prominenter Zeitgenossen lässt kein Auge trocken, hat Fans in Oschatz, Strehla, Dahlen und darüber hinaus.

"Wir treten einfach gerne auf, können aber nicht alle Anfragen für Geburtstage und andere Jubiläen wahrnehmen", sagt Gudrun Schreiber. "Dafür fehlt den meisten, die voll im Berufsleben stehen, die Zeit." Die Frauen sind also gefragt und werden auch künftig immer neue Programm-Ideen brauchen, um ihr Publikum, nicht nur in Zaußwitz, begeistern zu können. Um so größer ist die Freude bei langjährigen Mitgliedern, dass mit Sindy Forkel, Andrea Langer, Dominique Göritz, Claudia Trapp und Jana Müller seit kurzem junge Frauen als "Die Erben des harten Kerns von Zaußwitz" dazu gehören. Zunehmend werden auch Kinder integriert, so dass mitunter drei Generationen auf der Bühne stehen, wenn "Der harte Kern" für Stimmung sorgt. Nachwuchssorgen plagen die Gruppe also im Moment keinesfalls. Das vielseitige Engagement im Dorfleben ist es wohl auch, was selbst zugezogene Frauen dafür begeistert, sich dem "harten Kern" anzuschließen.

Männer sind nach wie vor Mangelware, ganze vier davon zählt der "harte Kern" derzeit. Auch sonst ist die Zahl der Ausnahmen überschaubar: Nur eine Frau aus den Reihen der Sportgruppe seit der Gründung war eine Nicht-Zaußwitzerin, nur einmal ist das Programm zum Dorffest ausgefallen. "Das war nach der Jahrhundertflut 2002. Damals stifteten wir alle Einnahmen der Tombola für betroffene Familien", erinnert sich Gudrun Schreiber. Und ebenfalls nur einmal unterstützten die Frauen bisher das Krippenspiel in der Kirche, weil es an Darstellern fehlte. "Das könnten wir aber durchaus noch einmal machen, denn wir können auch ernst", meint Chefin Ellen Trapp.

Christian Kunze

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