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Deutsche Meisterschaft: Profis klettern in Oschatz um die Wette auf Bäume

Zur Kleinen Gartenschau Deutsche Meisterschaft: Profis klettern in Oschatz um die Wette auf Bäume

Die Ankündigung im Programm der Kleinen Gartenschau klingt wie ein großer Spaß für kleine Jungs: Deutsche Baumklettermeisterschaft im Stadtpark. Dahinter steckt jedoch ein ernsthafter Wettbewerb, bei dem die kletternden Baumpfleger ihr Können unter Beweis stellen werden.

Neben der Schnelligkeit wird bei den Baumklettermeisterschaften die Sicherheit und das saubere Ausführen von Arbeitsschritten bewertet.

Quelle: privat

Oschatz. Die Ankündigung im Programm der Kleinen Gartenschau klingt wie ein großer Spaß für kleine Jungs: Deutsche Baumklettermeisterschaft im Stadtpark am 4. und 5 .Juni. Dahinter steckt jedoch ein ernsthafter Wettbewerb, bei dem die kletternden Baumpfleger ihr Können unter Beweis stellen werden.

Ausrichter der Meisterschaft ist die Deutsche Sektion der Internationalen Gesellschaft für Baumpflege (ISA). Deren Präsident Jan von Hofmann erläutert, dass diese Berufsgruppe dort tätig wird, wo Hebebühnen nicht eingesetzt werden können. Als eigenständiger Beruf sei der kletternde Baumpfleger nicht anerkannt. Er gehöre zu den Garten- und Landschaftsbauern. Wer ohne Hebebühne hinaus in die Baumkronen wolle, müsse zuvor einen Wochenkurs in Seilklettertechnik absolvieren. Dieser berechtige – neben der beruflichen Tätigkeit – zur Teilnahme an Baumklettermeisterschaften.

Gefragt seien die Baumkletterer bei Kommunen ebenso wie bei Privatleuten. „Ich bin seit zehn Jahren selbstständig tätig und kann mich über einen Mangel an Arbeit nicht beklagen“, erklärt Jan von Hofmann. Bei großen Aufträgen, wie nach Stürmen, würden die zumeist als Einzelunternehmer tätigen Baumkletterer auch oft gemeinsam arbeiten. Viele von ihnen seien neben der Baumpflege auch in der Industriekletterei tätig.

„In unserem Beruf kommt es darauf an, sich effektiv, schnell und sicher zu bewegen“, betont Jan von Hofmann. Das sie das können, werden die Teilnehmer der Deutschen Meisterschaft am ersten Juniwochenende in Oschatz unter Beweis stellen. Die Teildisziplinen würden die tägliche Arbeit widerspiegeln – ohne dass dabei im Oschatzer Stadtpark massenhaft Äste abgesägt würden. Erste Aufgabe der Wettkämpfer werde es sein, einen 200 bis 300 Gramm schweren, an einer Schnur befestigten Sack vom Boden aus durch eine von mehreren vorgegebenen Astgabeln zu werfen. An dieser Schnur sei ein Seil hochzuziehen, an dem dann der Baumkletterer aufsteigen könnte. Die höchste Punktzahl bringe ein Treffer in der höchsten Astgabel. „Die kann sich durchaus in 35 Meter Höhe befinden“, erläutert der Präsident.

Danach stehe eine reine Geschwindigkeitsdisiziplin auf dem Programm. „Die Teilnehmer steigen in Fußklettertechnik zu diesem Ziel auf“, erläutert Jan von Hoffmann. Während die meisten für 15 Meter so um die 20 Sekunden herum bräuchten, gäbe es einen neuseeländischen Kollegen, der diese Höhe auch in 13 Sekunden überwindet.

Tatsächlich gibt es dann doch noch einen Wettbewerb, der ein bisschen nach dem Baumklettern für die Jungs klingt: Auf Zeit ist vom Boden aus von Ast zu Ast auf einen Baum zu klettern – in 20 bis 25 Meter Höhe. „Die Teilnehmer werden dabei extern gesichert“, erläutert Jan von Hofmann den Unterschied zum Freizeitspaß für Heranwachsende. Daran schließt sich ein Wettbewerb an, bei dem die Baumkletterer verschiedene Arbeitsstationen erreichen müssen. In dessen Verlauf sei zum Beispiel mit der Handsäge oder einer Säge an einer drei Meter langer Stange eine Glocke anzuschlagen. Dieses Signal ersetze den Sägeschnitt, denn die Oschatzer Bäume sind zwar Wettkampfort, werden dabei aber nicht verschnitten. Letzte Herausforderung für die Wettkämpfer ist die Rettung eines verletzten Kletterers aus dem Baum – ebenfalls ohne Hebebühne oder Leiter.

„Diese fünf Disziplinen werden komplett am Sonnabend durchgeführt“, schildert der Präsident der deutschen Isa-Sektion den Zeitplan. Die fünf besten Männer und drei besten Frauen würden sich für das Finale am Sonntag qualifizieren. An diesem Tag habe jeder von ihnen eine halbe Stunde Zeit, um sein Seil einzubauen, sich zu sichern, dann die vorgegebenen Arbeitsstationen zu erreichen und im Anschluss Seil und Sicherungen wieder zu entfernen. Neben dem Einhalten des Zeitlimits kämen dabei auch Punkte für das saubere und sichere Ausführen der Arbeitsschritte in die Wertung.

„Unseren Zuschauern werden wir am Rande des Wettbewerbes Führungen durch den Stadtpark unter dem Gesichtspunkt der Baumpflege anbieten“, berichtet Jan von Hofmann. Dabei werde man auf dem Boden bleiben. Geplant sei außerdem ein Baumrätsel. „Oft werden kletternde Baumpfleger angefordert, wenn es um die Sicherung der Verkehrspflicht geht, also zum Beispiel, wenn Äste abzustürzen drohen“, schildert er ein Einsatzfeld der Wettkämpfer, die im Juni in Oschatz gegeneinander antreten. Aber man habe generell das Wohl des Baumes im Blick. „Unser Anliegen ist, dass – auch im städtischen Umfeld – gesunde Bäume alt werden können“, betont Jan von Hofmann.

Von Axel Kaminski

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