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Deutsche Sprache - schwere Sprache: Flüchtlinge meistern Grundkurs in oschatz

Deutsche Sprache - schwere Sprache: Flüchtlinge meistern Grundkurs in oschatz

Arabische Klänge in der Berufsschule Oschatz. Es gibt Grund zum Feiern. Die Dozenten Elfriede Herrmann und Peter Streubel beenden mit "ihren" Schülern, Flüchtlingen aus verschneidenen Regionen der Erde, den ersten Kurs Deutsch-Unterricht.

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Elfriede Herrmann (Mitte) und Peter Streubel (r.) mit Flüchtlingen aus Albanien, Afghanistan und Eritrea an der Tafel in der Berufsschule.

Quelle: Dirk Hunger

Bescheiden und aufmerksam sitzen hier Männer und Frauen aus dem Kosovo, aus Afghanistan, aus Albanien, dem Irak, Syrien und Eritrea. Die beiden Lehrer im Ruhestand haben den Asylbewerbern offensichtlich nicht nur den Grundstock der deutschen Sprache gelehrt, sondern auch ein Stück Herz erobert.

 

Elfriede Herrmann hat den Schülern in ihrer unnachahmlichen Art die Angst vor dem Unterricht genommen. Ein Schuljahr lang kamen sie und ihr Kollege zweimal wöchentlich mit Flüchtlingen zusammen, um ihnen wichtige Fragen und Antworten in deutscher Sprache beizubringen. "Manchmal brauchten wir etwas mehr Zeit, denn einigen Kursteilnehmern fällt es nicht leicht. Aber jetzt können sie sich verständigen. Sie müssen sich nur trauen", so Elfriede Herrmann. Insgesamt haben die beiden 50 Erwachsenen und zwölf Kindern deutsch beigebracht. Am Anfang seien die Flüchtlinge in ihrem Domizil in der Ambrosius-Marthaus-Straße abgeholt worden, um ihnen den Weg zur Berufsschule zu zeigen.

 

Beide Lehrer haben Wert darauf gelegt, den Unterricht locker zu gestalten und viel zu lachen. "Mein Herz tut weh", sagt Elli Herrmann, und alle Anwesenden wissen, was sie meint. Schön sei es, den ersten Kurs geschafft zu haben, aber ein Lehrer mit Leidenschaft lässt eine Klasse nur ungern gehen. Andererseits freuen sich beide darauf, dass die Flüchtlinge in Deutschland bestehen können.

 

Auf dem Tisch steht Gebäck, und es gibt Kaffee. Die Frauen in der Runde bekommen eine Rose und ein kleines Geschenk zum Abschied und die Männer einen Notizblock. Dafür bedanken sich die Anwesenden in deutsch.

 

Dann demonstrieren Herrmann und Streubel, wie erfolgreich sie waren. Sie stellen den Flüchtlingen Fragen in deutsch, und die "Schüler" antworten deutsch, zum Beispiel: "Wie heißen sie?", "Wo kommen sie her?", "Was essen sie?" und anderes mehr. Die Frauen und Männer können das Wichtigste, was auf der Behörde gefragt wird, beantworten. Brahim (52) und Drita Myftaraj (44) kommen aus Albanien und haben vier Kinder. Das Deutsch der Eltern hat schon recht gute Fortschritte gemacht. Dankbar sprechen Mejdulla (40) und Miribane (36) aus dem Kosovo über den Unterricht. "Wir haben Frau Herrmann und Herrn Streubel viel zu verdanken", sagt der 40-Jährige. Sie und ihre drei Kinder fühlen sich in Sicherheit.

 

Den beiden Lehrern ist anzumerken, dass sie den Unterricht gern übernommen haben. "Nicht nur die Flüchtlinge, sondern auch wir haben viel gelernt: über die Kultur, über Sitten und Bräuche", so Elfriede Herrmann. Und wie geht es jetzt weiter? "Der Kurs an unserer Volkshochschule (VHS) mit Zertifizierung wurde von den Kursteilnehmern in Oschatz erfolgreich abgeschlossen. Der Landkreis finanziert aus eigenem Budget derzeit für alle neu ankommenden Asylsuchenden diesen Kurs über unsere Volkshochschule", so der Sprecher der Landkreisbehörde Rayk Bergner. Ziel der Qualifizierung sei es, das geforderte Sprachniveau zu erreichen. Um das zu gewährleisten, sei der Einsatz von pädagogisch geschulten Dozenten im Fach Deutsch durch die VHS vorgesehen. "Es ist ein sehr anspruchsvolles Vorhaben, was unsere Honorarlehrer bereits sehr fordert, um auch flächendeckend jeweils sehr ortsnah diese Sprachkurse anzubieten." Um das methodische Konzept umzusetzen und den Finanzierungsrahmen einzuhalten, sei eine Lerngruppe von acht Teilnehmern erforderlich. Weiterführende Sprachkurse seien über die Volkshochschule leider nicht zu leisten, "dies würde die zur Verfügung stehenden Budgets sprengen".

 

Leider seien für die VHS bisher keine Förderprogramme aufgelegt worden, die weitergehende Sprachausbildung ermöglichen könnten. "Selbst mit dem jetzigen Sprachangebot leistet Nordsachsen seit drei Jahren sehr nachhaltig unseren Bildungsbeitrag auf hohen Niveau." Durch den Neuzuzug weiterer Asylsuchender in den Landkreis werde "die Gestaltung der Deutschkurse, jeweils abhängig von deren konkreten Wohnort, wieder zeitnah vorbereitet werden", so Bergner. © Kommentar

Gabi Liebegall

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