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Oschatz Die Kirchen bleiben im Dorf - andere Immobilien kommen auf den Prüfstand
Region Oschatz Die Kirchen bleiben im Dorf - andere Immobilien kommen auf den Prüfstand
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16:20 04.03.2015

Von christian kunze

Die Zahlen sprechen eine klare Sprache. Im Jahr 1933 gab es in Sachsen noch 4,5 Millionen Mitglieder, im Jahr 2020 werden es laut Prognose der Landeskirche nur noch 440 000 sein. Die Kirchgemeinden sind deshalb angehalten, effizientere Strukturen zu schaffen.

Ein Instrument, das die Landeskirche den Kirchspielen und -gemeinden dafür zur Verfügung stellt, ist ein Gebäudeleitfaden. Darin werden alle Immobilien im Bestand aufgelistet und in unbedingt notwendige und erhaltenswerte Immobilien (Liste A) und solche, von denen man sich perspektivisch trennen kann (Liste B, siehe Kasten), unterteilt. Denn die Landeskirche wird ihre Zuweisungen an die Gemeinden mittelfristig, aber stetig verringern. Hintergrund: Trotz des Mitgliederrückgangs wurde bisher am Bestand kaum gerüttelt.

Die Auflistung und Einteilung des Gebäudebestandes hat man in der Oschatzer Kirchgemeinde schon vor vier Jahren in Angriff genommen. "Wir sind hier schon sehr weit fortgeschritten und auf einem guten Weg", schätzt Pfarrer Christof Jochem auf Nachfrage der Oschatzer Allgemeinen Zeitung ein. Der Oschatzer erklärt zudem, dass in den neuen Bundesländern der Rückgang noch signifikanter als im Westen ist. "Hier hat die DDR-Diktatur 40 Jahre lang zusätzlich dafür gesorgt, dass Menschen der Kirche den Rücken kehren." In der Döllnitzstadt, schätzt der Oschatzer, sind etwa 15 Prozent der Bevölkerung Kirchenmitglieder. Christof Jochem ist darüber hinaus auch für die Einschätzung der Immobilien in der Oschatzer Schwesternkirchgemeinde Naundorf verantwortlich. Diese obliegt ihm in beiden Fällen gemeinsam mit den Mitgliedern des Bauausschusses.

Maßgeblich für den Erhalt von Kirchenräumen sind für Jochem zwei Kernaufgaben, die die Kirche bewältigen muss. "Wir brauchen Platz für die Verwaltung und Treffpunkte für die Gemeindearbeit. Diese beiden Aufgaben sind ausschlaggebend."

Die wichtigste Regel des Gebäude-Leitfadens lautet indes: Die Kirche bleibt im Dorf. Kein Kirchgänger in Naundorf oder Oschatz muss sich also Sorgen machen, dass "seine Kirche" eines Tages nicht mehr da ist. Gemeinderäume, vermietete Objekte und andere, nicht unmittelbar für den Verkündigungsdienst notwendige Objekte, sollen dagegen auf den Prüfstand kommen. Wie lässt sich der Betrieb, auch in Kooperation mit Nachbar- oder Schwesternkirchen, optimieren? Können Räume stillgelegt, verkauft, vermietet oder mit einem vertretbaren Aufwand saniert werden? Entscheidend für die Kategorisierung soll weiterhin die Lage der Gebäude sein und wie sich die Zahl der Mitglieder in einzelnen Orten entwickelt. Sind die Prognosen für all das schlecht, sollte ein Abriss in Erwägung gezogen werden. Welche Objekte in Oschatz und Naundorf auf den Prüfstand kommen, wurde laut Jochem bereits beraten. "Welche Prioritäten wir setzen, wird nach bestem Wissen und Gewissen entschieden"

Zur Erhaltung der Oschatzer Kirchen St. Aegidien, Klosterkirche, Altoschatz, Merkwitz und Lonnewitz und der übrigen Gebäude sind 55 000 Euro im Jahr geplant. In der Kirchgemeinde Naundorf mit den Kirchen Naundorf, Hohenwussen, Limbach, Hof und Zöschau stehen 20 000 Euro zur Verfügung.

© Kommentar

Christian Kunze

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