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"Die Leute haben sich das ausgesucht"

"Die Leute haben sich das ausgesucht"

Die Oschatzer Brandschützer sind derzeit die Feuerwehr im wohl modernsten Gerätehaus des Kreises. Was das für die Motivation der Kameraden bedeutet, ob das Neid schürt und wie es um die Nachwuchsarbeit vor Ort bestellt ist, darüber spricht Wehrleiter Lars Natzke im Interview.

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Stadtwehrleiter Karsten Saack, Wehrleiter Lars Natzke, Frank Breitfeld vom Landratsamt, Oberbürgermeister Andreas Kretschmar und die Kameraden Christopher Brix und Olaf Reinicke (v.l.) begutachten die neuen Messgeräte und die Pumpe, die zur Jahreshauptversammlung übergeben werden.

Quelle: Dirk Hunger

Frage: Vor zwei Monaten sind Sie in das neue Gerätehaus gezogen. Ist die Oschatzer Feuerwehr damit am Ende Ihrer Wünsche?

 

Lars Natzke: Wir sind auf jeden Fall hochzufrieden. Der Umzug von der Reithausstraße hierher ist ein echter Quantensprung: Das Haus ist wirklich absolut modern, hell und funktional.

 

Fehlt noch irgendetwas?

 

Die Außengestaltung ist noch nicht abgeschlossen. Aber innen sind alle Kisten ausgepackt, und wir sind fertig eingerichtet. Vorige Woche ging noch die neue Einsatzzentrale in Betrieb, so dass wirklich alles passt.

 

Haben sich schon alle Mitglieder an die neue Adresse gewöhnt?

 

Ja, und das ging recht schnell. Selbst am Anfang ist niemand bei der Alarmierung noch zum alten Gerätehaus gefahren. Auch die Abläufe, die jetzt natürlich anders sind, haben alle Kameraden bereits verinnerlicht.

 

So ein neues Gerätehaus bringt sicher auch einen Motivationsschub für die Helfer, oder?

 

Unsere Leute sind ohnehin motiviert. Aber es stimmt schon, die Bedingungen sind jetzt ja viel besser, das hebt bei allen die Stimmung. Mitglieder der Jugendfeuerwehr haben ihren Spind jeweils neben einem Kameraden aus der aktiven Wehr. Darauf sind die Schüler stolz, das motiviert sie noch mehr, den erwachsenen Vorbildern nachzueifern.

 

Wie viele Kameraden gehören aktuell zur aktiven Wehr?

 

Wir haben derzeit 38 Einsatzkräfte, darunter vier Frauen, außerdem natürlich die Alters- und Ehrenabteilung sowie Mini- und Jugendfeuerwehr.

 

Wann bekommen die Oschatzer das neue Gerätehaus von innen zu sehen?

 

Alle interessierten Einwohner, Gäste und Freunde der Feuerwehr sind am 10. Mai zu einem Tag der offenen Tür eingeladen. Dabei wollen wir ganz offiziell mit den Oschatzern die Einweihung feiern. Allerdings sind vor allem die Kinder sehr neugierig. Wir haben bereits viele Anfragen von Schulen und Kindergärten, die das Haus besichtigen wollen. In Absprache mit dem Oberbürgermeister haben wir uns darauf verständigt, jetzt schon Führungen für Kindergruppen durchzuführen. Und bisher waren alle begeistert.

 

Nun hat Oschatz das modernste Feuerwehrgerätehaus im Umkreis. Gibt es da manchmal auch Neid bei anderen Brandschützern?

 

Vielleicht gibt es tatsächlich manchmal auch Neid. Aber wir haben lange auf das neue Gerätehaus gewartet. Andere Wehren wie Dahlen oder Mügeln haben viel eher nach der Wende neue Gerätehäuser bekommen, und es ist gut, wenn der Standard überall nach und nach angepasst wird. Wir sind froh, dass Stadtrat, Oberbürgermeister und Verwaltung wissen, was sie an der Wehr haben und bereit sind, zu investieren.

 

Welche Rolle spielt die Nachwuchsgewinnung bei der Oschatzer Feuerwehr?

 

Traditionell eine große Rolle, und unsere Nachwuchsarbeit läuft sehr erfolgreich. Wir haben in Mini- und Jugendfeuerwehr über 40 Kinder, und es kommen immer wieder neue hinzu. Es ist natürlich ein langer Weg, die Mädchen und Jungen bis zur aktiven Wehr zu führen, und wir hoffen, das möglichst viele von ihnen dabei bleiben.

 

Wer übernimmt die Ausbildung?

 

Die Minis werden von Feuerwehrmitgliedern betreut, die Erzieherin und Sozialpädagogin sind - das ist ein richtiger Glücksfall. Die Jugendwarte, die für die Älteren verantwortlich sind, kommen alle selber aus der Jugendwehr und haben dadurch einen guten Draht zu den Mädchen und Jungen.

 

Wie oft mussten die Aktiven im vergangenen Jahr ausrücken?

 

Wir hatten 2013 insgesamt 195 Einsätze, das ist verglichen mit anderen Jahren schon viel. Normalerweise müssen wir im Durchschnitt 130-mal ausrücken. Schwerpunkte waren die Unwetter und Starkregen über Oschatz. Außerdem wurden wir zu Bränden, Unfällen und zur Unterstützung von Rettungskräften gerufen.

 

Schlaucht das am Ende des Jahres?

 

Das ist schon anstrengend, aber man kann sich zwischendurch immer wieder erholen. Unsere Leute sind begeisterte Feuerwehrmänner und stets bereit, jeden Einsatz gewissenhaft zu absolvieren. Die Entscheidung für die Feuerwehr wird schließlich freiwillig getroffen. Die Leute haben sich das ausgesucht und machen das gern. Wir haben deshalb auch nie Probleme, den Dienst zu Weihnachten oder Silvester zu besetzen.

 

Wer demnächst die Oschatzer bei einem Einsatz beobachtet, dem werden die neuen Farben auffallen. Was hat es damit auf sich?

 

Zur Jahreshauptversammlung hat uns der Oberbürgermeister neue Jacken übergeben. In Kürze kommen noch passende Hosen dazu, so dass unsere Einsatzkleidung, die immerhin schon zwölf Jahre alt ist, komplett ersetzt wird. Wir haben vorher einen Tragetest gemacht und dabei festgestellt, dass die Warnwirkung bei roter Einsatzkleidung einfach am größten ist. Abgesehen davon sind die Sachen jetzt leichter und können repariert werden, das ging bei der alten Montur nicht. Zusätzlich bekommen wir moderne Messgeräte, die uns im Einsatz vor austretendem Gas warnen. Damit hat die Stadt Oschatz in die persönliche Schutzausrüstung der Kameraden investiert. So steigt die Sicherheit des Einzelnen im Einsatz.

 

Interview: J. Brechlin

Brechlin, Jana

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