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Die Oschatzer Rocker aus der Nachbarschaft

Die Benkers Die Oschatzer Rocker aus der Nachbarschaft

In der Stammkneipe fing alles an: Vier Freunde aus Oschatz beschließen, eine Rockband zu gründen, die Geburtsstunde der Benkers. Das war 1996 – und die Band gibt es noch immer. Von der alten Besetzung ist zwar nur noch Raimo Dorow übrig, doch die Benkers haben sich längst einen guten Ruf in der Region erspielt.

Echte Rocker: Die Benkers

Quelle: privat

Lonnewitz. Rock Palast“ steht in schludrig hingekritzelten roten Buchstaben an der Tür eines abgeschiedenen grauen Containers in Lonnewitz. Eine Bezeichnung, die dem, was sich darin befindet, durchaus gerecht wird: Zwischen Bierflaschen und Aschenbechern steht und liegt diverses musikalisches Equipment, an den Wänden hängen Poster von AC/DC, Motörhead und Status Quo, daneben klebt die Silhouette der Blues Brothers. Vereinzelt sind auch Kisten und Sitzgelegenheiten zu erblicken. Ja, Ordnung und Sauberkeit sind hier eher Fremdwörter – genau wie sich das für einen Bandproberaum gehört.

Wer hier probt, das sind die Benkers. Ein fünfköpfiger Zusammenschluss aus leidenschaftlichen Musikern und Rockliebhabern, gegründet 1996, inzwischen aber in einer (fast) ganz anderen Besetzung als damals. Wie es sich für eine gute Band gehört, haben auch die Benkers ihren ganz eigenen Gründungsmythos. Der geht so: 1996 saßen die Freunde Raimo, Latte, Blondie und Gell wie an so vielen anderen Abenden in ihrer Stammkneipe. Unter Alkoholeinfluss entstehen bekanntermaßen die besten Ideen, so auch in dieser Nacht. „Lasst uns eine Band gründen!“, rief einer der Freunde – die Runde stimmte zu. Erst einige Tage später erinnerten sie sich an das, was beschlossen wurde und entschieden, die Sache durchzuziehen.

Die Konten leergekratzt

„Wir haben unsere Konten leergekratzt, sind nach Leipzig gefahren und dort hat sich jeder ein Instrument gekauft“, berichtet Raimo, das letzte verbliebene Mitglied der Ursprungsbesetzung. Dass keiner von ihnen auf den neuerworbenen Instrumenten spielen konnte, war erst einmal egal. „Als ich 18 war, habe ich mal ein bisschen rumgeklampft, aber die anderen konnten wirklich gar nichts“, erzählt Raimo amüsiert. „Wir waren völlige Stümper!“

Das Quartett übte sich im Nachspielen ihrer großen Vorbilder: „Klassische Lagerfeuerdinger von AC/DC, den Stones oder Led Zeppelin.“ Der erste Auftritt erfolgte schließlich im Garten einer Freundin. Abermals aus einer Laune heraus fuhr die Truppe kurzerhand nach Oschatz zurück, packte die Instrumente ein und spielte drei Songs vor ebenso vielen Zuschauern. „Die anderen saßen auf der Hollywoodschaukel und haben brav geklatscht, als wir fertig waren.“

Mundpropaganda

Dank Mundpropaganda folgten in den kommenden Jahren Auftritte in der gesamten Collm-Region, Mitteldeutschland – zuletzt in Weißenfels – und sogar in Tschechien. Auch als Vorband für Ostrock-Bands wie die Puhdys, Karat und City standen die Benkers schon auf der Bühne. Doch nicht alle Auftritt, vor allem die ersten Gehversuche, verliefen ideal: „Das ist ein typisches Fettnäpfchen, in das man als junge Band tritt: Bei Auftritten vor Freunden brüllen alle los, aber in fremden Gefilden sieht das ganz anders aus“, so Raimo. Das falsche Publikum mit der falschen Laune könne dann schon mal für Unmut in der Band sorgen. „So eine Situation ist nicht einfach. Man muss es entweder aushalten oder man steigt aus.“

Und das geschah dann auch. Einige gingen genau deswegen, andere wegen persönlicher Veränderungen. Übrig blieb nur Raimo, der ab der Jahrtausendwende aber Unterstützung durch vier Neuzugänge bekam. Nun besteht die Besetzung aus ihm, Philipp, Sebastian und Frank sowie Mike an der Technik – wie die Ursprungsbesetzung allesamt musikalische Autodidakten. Das Quartett plus eins tritt seitdem regelmäßig bei Kneipennächten und Bikertreffen auf – einfach aus Spaß an der Sache. Dort treffen ihre Cover-Versionen von Rock- und Blues-Klassikern auf offene Ohren und viel Begeisterung. Raimos Reibeisenstimme verwandelt beispielsweise „Sweet Home Chicago“ in ein akustisches Fest für Fans von lauten Drums und harten Gitarrenriffs. Besonders die Motorradfreunde feiern die Oschatzer jedes Mal, „diese Auftritt sind beinahe Selbstläufer“, sagt Philipp.

Eigene Stücke

An eigenen Stücke haben sich die Benkers schon lange nicht mehr versucht. Anfangs war das noch anders, doch die Aufnahmen dieser Eigenkompositionen behält Raimo strikt unter Verschluss. Heute sei für große kreative Experimente jedoch keine Zeit mehr: Die Proben und Auftritte beanspruchen schon genug Zeit, schließlich sind alle mit Job und Familie fest verankert. „Außerdem“, erklärt Sebastian, „wollen die Leute, vor denen wir spielen, lieber das hören, was sie schon kennen und lieben.“ Genau wie die Benkers, denn das Zusammenspiel funktioniere nur so gut, weil der Musikgeschmack aller Mitglieder sehr ähnlich ist: Rock’n’Roll und Rhythm & Blues der 50er, 60er, 70er und 80er. „Die einfachen Sachen – nicht so verschnörkeltes, modernes Zeug“, so das jüngste Bandmitglied. Wichtig ist: Die Lieder müssen vor allem den Musikern Spaß machen.

Bleibt zum Schluss noch die Frage, die sich eigentlich schon am Anfang stellte: Woher kommt der Name? Raimo grinst, hadert damit, die richtigen Worte zu finden. „Zu unserer Gründungszeit wurden diejenigen, die nach dem abendlichen Trinkgelage auf einer öffentlichen Bank eingeschlafen sind, in einer Zeitung ,Bänker’ genannt. Das hatte so etwas schön abgehobenes und da wir damals selbst so ein versoffener Haufen waren, haben wir einfach einen Buchstaben ausgetauscht.“ Die Benkers waren geboren. Und sie machen weiter – im besten Fall bis zur Rocker-Rente.

Von Christian Neffe

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