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Oschatz Die Reichen unter den Armen
Region Oschatz Die Reichen unter den Armen
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16:59 01.11.2012

Nordsachsen . Der monatliche Arbeitsmarktbericht gibt Anlass zur Freude. Eine Arbeitslosenqote in der Region von 9,1 Prozent (wir berichteten) gab es hier seit der Wende noch nie. Trotzdem gibt es sie weiter: Die Schere zwischen Armut und Reichtum, auch in Nordsachsen. Im Landkreis leben 203 797 Bürger (Stand: 31. März 2012), davon sind zwei Drittel im erwerbsfähigen Alter. Von Gabi Liebegall Auch wenn die aktuellen Zahlen Optimismus verbreiten, zeichnen sie im selben Augenblick ein Bild der Armut. Wer arm oder reich ist verdeutlichen aber nicht nur die Einkünfte (siehe Kasten). Trotzdem: Wer verdient schon in der Region eine Million Euro im Jahr und mehr? Außerdem sieht die Bewertung von Reichtum mit moralischen Werten sowieso anders aus. " Armut ist ein gesellschaftliches Phänomen mit vielen Gesichtern, das untrennbar mit Werturteilen verbunden ist. In unserer heutigen Gesellschaft wird Armut als eine auf einen mittleren Lebensstandard bezogene Benachteiligung aufgefasst", so Sozialdezernent Hans-Günther Sirrenberg. Das heißt, als arm gelten Personen, Familien und Gruppen, die über so geringe materielle, kulturelle und soziale Mittel verfügen, dass sie von der Lebensweise ausgeschlossen sind, die als Minimum annehmbar ist. Armut sei somit auch ein soziales Phänomen, das als Zustand gravierender sozialer Benachteiligung mit der Folge einer Mangelversorgung mit materiellen Gütern und Dienstleistungen verstanden wird. Nach den zugrunde liegenden Sozialgesetzbüchern beziehen mit Stichtag 30. Juni 2012 folgende Personen im Landkreis Nordsachsen Leistungen: erwerbsfähige Leistungsberechtigte 22 418 Personen und damit 1537 weniger als im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Bei den Bedarfsgemeinschaften (BG) beträgt die Zahl 16 672. Das sind 910 weniger als im gleichen Zeitraum des Vorjahres. "Der deutliche Rückgang ist der Tatsache geschuldet, dass es eine sehr positive Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt gibt und das Jobcenter Nordsachsen die Integrationen deutlich verbessern konnte." 910 Personen gelten als nicht erwerbsfähige Leistungsberechtigte. Das sind vier Personen mehr als im gleichen Monat im Vorjahr, so der Dezernent. Er betont aber gleichzeitig: "In diesem Zusammenhang ist allerdings darauf hinzuweisen, dass aufgrund der geringen Einkommen zukünftig die Altersarmut zunehmen wird." Was für Menschen in Armut eine Existenzfrage ist, bedeutet für Reiche ein Leben in Sicherheit und Sorglosigkeit. "Dresden und Leipzig haben in Sachsen die meisten Einkommensmillionäre. Insgesamt lag die Zahl der Millionäre in Sachsen im Jahr 2009 bei 137. 2008 waren es noch 202", verlautete eine Agenturmeldung Anfang 2012. "In Dresden und Leipzig lebten sachsenweit die mit Abstand meisten Einkommensmillionäre." Das geht aus einer Antwort des Finanzministeriums auf eine Anfrage des Linke-Abgeordneten Dietmar Pellmann hervor. Demnach lebten im Jahr 2009 in Dresden 23 und in Leipzig 21 Menschen mit einem Jahreseinkommen von über einer Million Euro. "Den dritten Platz belegte der Landkreis Leipzig mit 13 Millionären. Schlusslicht war der Landkreis Nordsachsen mit lediglich zwei Einkommensmillionären." Die Statistik im Landesamt Kamenz reicht bei diesem Thema bis 2009. 35 Privatpersonen oder/und Gewerbebetriebe verfügten in der Stadt Dresden zu diesem Zeitpunkt über ein Vermögen von insgesamt 54,3 Millionen Euro. In Leipzig teilten sich 34 Reiche sogar 68,5 Millionen Euro. Die "ärmsten" der Reichen gab es im Vogtlandkreis mit fünf und 27,4 Millionen Euro sowie Nordsachsen, wo sechs Personen über insgesamt 9,3 Millionen Euro verfügten. Und dann gibt es noch die Glückspilze, die Lottomillionäre. In Sachsen können sich 112 Personen oder Spielgemeinschaften als solche bezeichnen. Die meisten, 19, leben in Leipzig, gefolgt von Dresden und Bautzen mit jeweils zehn. In Nordsachsen gibt es vier Lottomillionäre, zwei im Raum Delitzsch und zwei im Raum Torgau-Oschatz. Im Spiel 77 gewann ein Lottospieler in Torgau-Oschatz im Juni 2000 4,37 Millionen D-Mark und ein weiterer im Februar 2010 1,37 Millionen Euro. Die größten Gewinne sahnten Lottospieler in Mittweida und in Bautzen ab. Im September 1998 ging ein Gewinn im Lotto am Sonnabend über 17,8 Millionen D-Mark nach Mittelsachsen und im November 2010, ebenfalls an einem Sonnabend, über 10,4 Millionen Euro in den Osten Sachsens.

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