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Die Spargelsaison in Nordsachsen hat begonnen

Spargelstechen in der Region Die Spargelsaison in Nordsachsen hat begonnen

Die Spargelsaison startet – wegen des kühlen Wetters allerdings derzeit noch etwas verhalten. Spargelbauern aus der Region um Leipzig berichten, wie das Stechen angelaufen ist und welche Hilfe die Arbeiter heutzutage bekommen.

Anna Goryzka ist schon seit 20 Jahren Erntehelferin.
 

Quelle: Wolfgang Sens

Nordsachsen.  
 So richtig glücklich ist Landwirt Andreas Schertenleib derzeit noch nicht mit der Witterung. Der einzige Spargelbauer im Landkreis Mittelsachsen mit sechs Hektar Anbaufläche rund um Schmorren (Gemeinde Ostrau bei Döbeln) macht das Schaltjahr für die demnächst wieder aufziehende Kälte verantwortlich. „In den Schaltjahren spielt das Wetter immer verrückt. Es gibt zu viel Wind, es ist zu kalt und dann wieder Regen. Da wird nichts fertig, nichts wächst richtig“, hadert er mit Blick auf den Wetterbericht.

Am gestrigen Freitag erst haben seine sieben rumänischen Saisonarbeiter mit dem Stechen der ersten Spargelköpfe begonnen. Schnell konnte Andreas Schertenleib die Hälfte von ihnen zur Bepflanzung eines anderen Feldes abziehen, wo der Spargel die nächsten beiden Jahre reifen muss, bevor er erstmals geerntet werden kann. Mehr als zehn bis 15 Kilo des „weißen Feldgoldes“ waren am ersten Erntetag noch nicht drin.

Spargel wächst auf Sandboden besonders gut

Das liegt einerseits an den kühlen Temperaturen – 20 Grad und Sonne wären für Andreas Schertenleib Wunschwetter –, andererseits aber auch am schweren Lehmboden, auf dem der 56-Jährige anbaut. Hier braucht der Spargel länger, soll aber dafür besser schmecken. „Der Boden ist eine Frage der Philosophie. 90 Prozent des Spargels wird in Sandboden angebaut. Der ist leichter zu bewirtschaften als Lehm und der Spargel wächst bei guten Bedingungen in Stunden. Dafür schmeckt dann alles gleich, weil der Sand dem Spargel nicht alle Nährstoffe gibt“, sagt Schertenleib. Der Lehmboden dagegen sei reichhaltiger, speichere das Wasser besser und sei einfacher auf biologische Weise zu führen, da er keine so hohe Nährstoffzufuhr von außen benötige.

2014 sind Schertenleibs endgültig auf biologischen Anbau umgestiegen. „Wir haben den mineralischen Dünger weggelassen und fahren jetzt nur noch Pflanzengülle raus“, sagt Elfi Schertenleib, die die gesamte Bürokratie und den Verkauf des Landwirtschaftsbetriebs unter ihren Fittichen hat. Schon seit 1995 sei der Spargel ohne jegliche Pflanzenschutzmittel angebaut worden, sagt sie, nun erfülle er auch offiziell alle Bio-Standards.

Saisonstart Ende April ist ganz normal, heißt es vom Hof in Pulsnitz

Saisonstart Ende April ist ganz normal, heißt es vom Hof in Pulsnitz.

Quelle: Sven Bartsch

Noch ist es ruhig auf dem Schertenleib-Hof in Pulsitz, nur rund 500 Meter von den Feldern entfernt, wo Elfi Schertenleib schon alles für den Verkaufsstart vorbereitet hat. Ab Montag soll der Hofladen mit dem ersten frischen Spargel öffnen. Schon seit zwei Wochen vertröstet sie immer wieder Kunden, dabei ist der Saisonstart Ende April ein ganz normaler. „2014 hatten wir mal einen Verkaufsstart schon in der ersten April-Woche, aber das war das einzige Mal in den 25 Jahren seit wir hier sind“, berichtet die Wormserin, die 1991 mit ihrem niedersächsischen Mann nach Pulsitz gekommen ist.

Seither hat sich der Betrieb stetig weiterentwickelt, werden auch Mais, Weizen, Zwiebeln und Kartoffeln angebaut. Spargel spielte zu Beginn bei den Döbelnern gar keine Rolle. „Da haben wir Pionierarbeit geleistet. Es kam oft das Argument, wir essen eher Schwarzwurzel“, erinnert sich Elfi Schertenleib. Inzwischen lieben die Döbelner den Pulsitzer Spargel, der überall im Altkreis, aber auch in Freiberg, Chemnitz, Leipzig und Dresden zu haben ist.

Am 24. Juni endet die Spargelsaison

22 bis 25 Zentimeter hat die ideale Spargelstange, meint die 52-Jährige. Holzige Enden gebe es bei den Stendaler Züchtungen, die auf Schertenleibs Felder kommen, nicht mehr. „Wer ein sehniges Ende hat, hat vielleicht nicht sorgfältig geschält. Man darf den Spargel auch nicht zu lange kochen, sonst fühlt es sich faserig an. Bissfest reicht völlig“, empfiehlt die Fachfrau.

Am Johannistag am 24. Juni endet traditionell die Spargelsaison. Bis dahin wollen Schertenleibs wie bisher jedes Jahr die gesamte Ernte verkauft haben. Dafür kommt sogar extra Tochter Alexandra aus Worms für vier Wochen nach Hause, um zu helfen. Sie oder ihr Bruder Matthias sollen den Hof einmal weiterführen. Der Enthusiasmus für den Spargel ist in der Familie jedenfalls gegeben.

Seit 1995 wird auch in Kyhna, einem Ortsteil der Gemeinde Wiedemar in der Nähe von Delitzsch, auf schwerem Boden Spargel angebaut. Und mittlerweile haben sich die Pflanzen auch hier den besonderen Verhältnissen gut angepasst. Jetzt wächst das vitaminreiche, aber kalorienarme Edelgemüse auf rund 120 Hektar der Gemüse- und Landbau Kyhna. Erstmals in diesem Jahr wurde vollkommen darauf verzichtet, Spargel im Gewächshaus zu ziehen und zu ernten. Um dennoch möglichst zeitige Erträge zu haben, verwenden die Kyhnaer Spargelbauern ein spezielles Doppel-Folientunnelsystem, mit dem die Temperaturen im Boden schneller steigen.

Hilfe für die Arbeiter

Hilfe für die Arbeiter: Eine sogenannte Spargelspinne hebt die Folien von den Dämmen ab.

Quelle: Wolfgang Sens

Die Freiland-Ernte ist deshalb schon seit etwa zwei Wochen im Gange, täglich werden die elfenbeinfarbenen Stangen gestochen und für den Verkauf vorbereitet. Den fast ausschließlich polnischen Erntehelfern steht für die körperlich schwere Arbeit eigens entwickelte Technik zur Verfügung. Eine sogenannte Spargelspinne hebt die Folien von den Dämmen ab und legt sie nach dem Stechen der Stangen wieder sorgsam auf dem Wall. Angetrieben wird das zweiachsige Gerät über Elektromotoren. In der Hochphase der Ernte sind etwa 150 Frauen und Männer auf den Feldern und in den Hallen des Spargelhofes beschäftigt. Die Kyhnaer bevorzugen die ertragreichen niederländischen Sorten Gijnlim und Backlim. Sie gehen erntefrisch und aufbereitet sofort in die Supermärkte, Verkaufsstände, ausgewählte Restaurants und natürlich in den eigenen Hofladen. Neben dem weißen Spargel wird auch grüner Spargel angeboten.

In der Region Oschatz ist Josef Brummers Spargel jährlich der erste, der geerntet und verkauft wird. In diesem Jahr gab es schon am 11. März den ersten Spargel-Stand auf dem Oschatzer Markt. Das ist für den Spargel-Bauer und seine Helfer immer wieder eine neue Herausforderung. Dass es das edle Gemüse bereits so früh zu kaufen gibt, ist der Technologie auf einem Teil der Spargel-Felder zu verdanken. Eine Heizung, die von einer Bio-Gasanlage gespeist wird, sorgt für Bodenwärme von etwa 20 Grad Celsius. Das Brummer-Unternehmen bewirtschaftet 15 Spargel-Felder. Doch noch läuft die Ernte nicht auf Hochtouren, denn die beheizten Felder sind nur ein Teil der Spargelanbaufläche. Übrigens: das Kilo Spargel gibt es hier ab 5 bis 13 Euro.

Beheizte Spargelfelder in Wickershain

Schon seit Ostern erntet auch die Tobias Barthel & Christian Landwehr GbR im Geithainer Ortsteil Wickershain das leckere Gemüse – denn auch hier gibt es eine Biogasanlage. Zwar erzeugt diese hauptsächlich Strom, doch mit der überschüssigen Wärme kann das zwei Hektar große Spargelfeld beheizt werden, sagte Yvonne Landwehr. Dadurch sei es möglich, „dass wir wesentlich früher Spargel ernten können“. Das Edelgemüse werde an eigenen Verkaufsständen angeboten, aber auch Gaststätten geliefert. Die Firma betreibt seit fast einem Vierteljahrhundert Landwirtschaft in Wickershain und baut außerdem Getreide und Raps an.

Für Spargelbauer Thomas Sießmeir aus Gimmel im Altenburger Land läuft die Spargelernte in diesem Jahr langsam an. „Wegen des unbeständigen, kühlen Wetters haben wir erst am 8. April – also später als sonst mit dem Ernten begonnen.“ Auch die Erntemenge fällt deshalb bislang noch nicht üppig aus. Über Ernteausfälle wegen extremer Dürre oder viel Nieder- oder Hagelschlag wie im Vorjahr kann der Landwirt aber nicht klagen. Auch der Schädlingsbefall sei nicht der Rede wert. Die späte Ernte werde sich zudem „nicht auf den Preis auswirken“, sagt Sießmeir.

Er erwartet in den kommenden drei Monaten Erntezeit höhere Temperaturen, was den schleppenden Ertrag am Anfang wieder ausgleichen werde. Auch der Mindestlohn macht dem Bauern keinen Strich durch die Rechnung. Er zahlt seinen Saisonkräften bereits jetzt neun bis elf Euro, um diese zu mehr Leistung anzuspornen. Nach einer Preiserhöhung um 50 Cent im Vorjahr, steigen bei ihm die Preise nicht. Der Preis pro Kilo Spargel liegt nun je nach Sortierung zwischen 7 und 12 Euro.

Von Sebastian Fink, Ditmar Wohlgemuth, Gabi Liebegall, Claudia Carell und Oliver Tim Becker

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