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Die Weiche ist gestellt: Döllnitzbahn soll wieder bis Kemmlitz dampfen

Große Pläne Die Weiche ist gestellt: Döllnitzbahn soll wieder bis Kemmlitz dampfen

Wenige Meter hinter dem Bahnhof des Ortes teilt sich die Schmalspurstrecke. Der eine, 2006 wieder aufgebaute Ast führt nach Glossen. Der andere Strang quert die Straße. Wer sich auskennt, weiß, dass er dort nicht auf Loks aufpassen muss. Denn seit April 2006 ist die Strecke nach Kemmlitz gesperrt. Ein Hochwasser gab der bereits angeschlagenen Strecke damals den Rest.

Stellen gemeinsam die Weiche nach Kemmlitz: Roger Glanz vom Förderverein "Wilder Robert", Landrat Kai Emanuel, der Oschatzer Oberbürgermeister Andreas Kretschmar, der Mügelner Bürgermeister Johannes Ecke, Döllnitzbahn-Betriebsleiter Lutz Haschke und Stephan Seeger, Direktor der Stiftungen der Sparkasse Leipzig (v.l.).

Quelle: Dirk Hunger

Nebitzschen. Seit dieser Woche gibt es Anzeichen dafür, dass die Autofahrer in Nebitzschen bald wieder aufmerksam beobachten müssen, ob Züge von oder nach Kemmlitz unterwegs sind. Diese Hoffnung verbreitete vor neun Jahren auch der damalige Geschäftsführer der Döllnitzbahn Gerhard J. Curth. Er verkündete, dass die Bahn ab dem 2. Juli wieder nach Kemmlitz fahren würde und meinte damit tatsächlich 2006.

Grund für den aktuellen Optimismus bietet eine Förderzusage der Stiftung der Sparkasse Leipzig. Sie fördert den Wiederaufbau des technischen Denkmals mit insgesamt 50.000 Euro. Das Geld soll bis 2017 in vier Teilsummen ausgezahlt werden.

Es ist nicht das erste Mal, dass die Stiftung dem Förderverein "Wilder Robert" Unterstützung gewährt. "Wir haben 2011 die Untersuchung des Dampfkessels der Lok 99 574 mitfinanziert" erinnerte Stephan Seeger, Direktor der Stiftungen der Sparkasse Leipzig. Vielleicht habe man damit einen Anstoß für das Engagement des Freistaates Sachsen zum Erhalt der Schmalspurbahnen im Land gegeben. In Torgau fördere die Stiftung zum 500-jährigen Reformationsjubiläum den Wiederaufbau des Spalatinhauses mit 50.000 Euro. Man wolle nicht warten, bis die Döllnitzbahn 500 Jahre alt wird.

"Unser Motto ist 'Bewahren, was uns ausmacht'", betonte Stephan Seeger. In dieser Hinsicht sei die Unterstützung der Schmalspurbahn bestens platziert. Viele Menschen würden sich mit ihr identifizieren und sich für sie engagieren. In Zeiten, in denen der Stiftung die Erlöse wegbrechen würden, konzentriere man die Förderung auf Projekte, bei denen es bereits ein Engagement der Bürger gäbe. Stephan Seeger betonte, dass die 50.000 Euro für eine so kleine Stiftung ein großer Posten seien.

Lutz Haschke, Eisenbahnbetriebsleiter bei der Döllnitzbahn, unterstrich, dass der 1903 geschaffene Anschluss nach Kemmlitz der Bahn ab 1993 mit dem Transport von Kaolin eine Überlebenschance bot. Der Mügelner Bürgermeister Johannes Ecke (FWV) betonte, dass es insbesondere im Zusammenhang mit dem im Mügelner Bahnhof geplanten Geoportal, das die Geschichte und Bedeutung des Kaolinabbaus reflektieren soll, wichtig sei, mit dem Wiederaufbau der "Kaolinbahn" ein Zeichen zu setzen.

"Zum Abschnitt nach Kemmlitz bekommen wir von Einheimischen und Bahnfreunden viele Nachfragen", sagte Lutz Haschke. Der Oschatzer Oberbürgermeisters Andreas Kretschmar (parteilos) ist optimistisch, dass man zu den Glühweinfahrten 2017 wieder Fahrten nach Kemmlitz anbieten könne. Lutz Haschke möchte das sogar noch schneller erreichen.

Allerdings hieße das Ziel zunächst Kemmlitz Ort. Die Aufgaben seien umfangreich: "Es ist notwendig, eine größere Anzahl an Holzschwellen zu tauschen, eine Brücke über den Kemmlitzbach zu ertüchtigen, den vorerst geplanten Endpunkt Kemmlitz Ort herzurichten und auf der gesamten Strecke das Lichtraumprofil wieder herzustellen", erläuterte er.

Letztmalig sei die Strecke im Jahr 1981 ertüchtigt worden, merkte Roger Glanz vom Förderverein "Wilder Robert" an. Diese Sanierung habe in etwa so ausgesehen, dass rund ein Drittel der Holzschwellen ersetzt worden sei - allerdings durch bereits gebrauchte Schwellen.

Der Förderverein werde Eigenleistungen und einen Eigenanteil für den Wiederaufbau der Strecke erbringen. Nur so sei es - trotz der umfangreichen Förderung durch die Stiftung - möglich, Kemmlitz tatsächlich wieder ans Schmalspurnetz zu nehmen.

Von Axel Kaminski

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