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Die bunte Welt des Oschatzer Malers Mirko Theodor

Kunst Die bunte Welt des Oschatzer Malers Mirko Theodor

Der seit zwanzig Jahren freischaffende Künstler Mirko Theodor (46) kam aus Halberstadt nach Oschatz und tat zunächst, was er zuvor in allen anderen Orten tat, wo er lebte: Er malte die Kirche in seinem markanten Stil. Inzwischen ist er sesshaft geworden. Und er möchte Oschatz mit seinen Bildern bunter machen.

Mirko Theodor in seinem Büro.

Quelle: Christian Kunze

Oschatz. Bunt auf Schwarz“ – oder doch lieber „Über den Wolken“? Mit beiden Schlagworten könnte man versuchen, Mirko Theodors Kunst zusammenzufassen. Der Wahl-Oschatzer mit Wohnung und Mini-Atelier in der Nonnengasse und einem zweiten, großen Atelier in der Lichtstraße möchte sich jedoch selbst nicht festlegen. Eher sollen die Betrachter seiner Bilder dem Ganzen einen Namen geben – oder es wenigstens versuchen. Kaum eines seiner Werke hat einen Titel – das, so Theodor, sei Aufgabe des „Konsumenten“. Seit einigen Jahren lebt der aus Halberstadt stammende Stuckateur und Restaurator in Oschatz. „Ich möchte hier bleiben und die Stadt mit meiner Kunst bereichern“, sagt der 46-Jährige. Und seine Bilder seien sehr gefragt.

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Bilder von Mirko Theodor

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Unterstützung für regionale Initiativen

Nahezu alle seine Ansichten von Oschatz und Umgebung sind verkauft – an Interessenten in allen Schichten der Gesellschaft. Nun geht er dazu über, regionale und lokale Initiativen zu unterstützen. So wird am 10. September ein echter Theodor, der das Leubener Wasserschloss zeigt, zugunsten des Schlossvereins versteigert. Weitere Motive möchte der Maler der Kirchgemeinde Oschatz zur Verfügung stellen, auch in der Oschatz-Information stößt man auf die bunte Welt des in der Regel eher dunkel gekleideten Mannes. Doch wer sich mit Mirko Theodor unterhält, merkt schnell, dass man ihn nicht allein nach seinem Äußeren beurteilen sollte. „Ich möchte mit den Menschen ins Gespräch kommen – über den Weg meiner Kunst“, sagt er. Gelingen kann und wird das auch beim nächsten offenen Atelier in der Lichtstraße am 19. August. Hier darf geschaut, gestöbert und selbst zu Pinsel und Stift gegriffen werden – ja richtig gelesen, in seinem Atelier hat der Künstler auch zahlreiche Bücher untergebracht.

Theodor, der schon zahlreiche deutsche Städte und diverse Auslandsaufenthalte hinter sich hat, hält traditionell die Kirchen all seiner Aufenthaltsorte auf der Leinwand fest – nicht realistisch, sondern im farbenfrohen Hundertwasser-Stil – die Oschatzer Doppeltürme von St. Aegidien hängen bereits in der Türmerwohnung. Warum er das tut? Ganz einfach – die Gotteshäuser sind geistliche und kulturelle Zentren und überdies Baudenkmale von überragender Bedeutung für einen jeden Ort.

Hundertwasser und Dalí als Inspiration

Außer Friedensreich Hundertwasser ist ein weiterer Mann als Inspirationsquell dabei unverkennbar. Salvador Dalí hat es Theodor ebenso angetan. Neben den bunten, kleinen Gemälden ist in seinem Schaffen zudem Raum für ein paar düstere Ansichten, die zum Nachdenken anregen. Die dunkleren Gemälde kommen dann auch gerne mal in etwas größeren Formaten daher. „Es gibt wohl kaum jemanden, der von sich sagen kann, sein Leben wäre immer nur hell und klar oder dauernd betrübt auf der anderen Seite. Genau diesem Umstand möchte ich Rechnung tragen“, sagt Theodor. „Kunst hat die Möglichkeit, Dinge abstrakter und damit ein wenig einfacher, erträglicher und mehr Menschen zugänglich zu machen“, betont der freischaffende Künstler, der sich nicht vorstellen könnte, von heute auf morgen wieder in seinen Beruf zu wechseln.

Allen Gemälden gleich ist, dass der Mann mit dem etwas düster anmutenden Äußeren seine Stimmungen darin zum Ausdruck bringt. Und die ist in vielen Fällen alles andere als nebelgrau oder tiefschwarz. Tiefrot, grellorange und himmelblau leuchten die Fassaden und Details der Wind- und Wassermühlen, Glockentürme und anderer Gebäude. Die Abmessungen und Proportionen sind verfremdet und verzerrt, Kinderbildern ähnlich. Hier kommt die naive, minderjährige Natur zum Ausdruck, die sich der Künstler bewahrt zu haben scheint. Die Oschatzer Markt-Ansicht samt Kirche und Rathaus, an dem jedoch die Uhr fehlt, unterstreicht, dass diese Bilder zeitlos sind.

Berühmt sterben

Mirko Theodor hält nicht viel von Personenkult, hofft dagegen vielmehr, dass seine Werke die Zeit überdauern werden. „Ich möchte mal berühmt sterben – aber nicht weil andere oder ich selbst mir ein Denkmal gesetzt haben, sondern weil meine Bilder wiederum andere Menschen in ihrem Schaffen inspiriert haben.“ Mit den regionalen Künstlern beschäftigt er sich derzeit eingehend – geplant sind Vorträge zu deren Schaffen an der Volkshochschule, die Theodor selbst halten möchte.

„Ich bin ein Paradiesvogel, der noch nicht angekommen ist“, schätzt er sich selbst ein. Dass Theodor auf der Suche ist und in ihm durchaus ein Erwachsener mit gefestigten Ansichten steckt, zeigen seine großformatigen Gemälde – in denen schon mal Raum für politische Statements ist – sie bleiben aber die Ausnahme. Das Konterfei des russischen Präsidenten Wladimir Putin, unterstrichen von der russischen Flagge und mittendrin ein winziger goldener Mann mit einem Pamphlet in der Hand, ziert das Bild „Referendum“. Der kleine Kerl sei ein Ukrainer, sagt Theodor, dem es ansonsten widerstrebt, seine Werke zu erklären. In diesem Fall hält er es dagegen für angemessen – und wichtig. Versteigerungen, Workshops, die von ihm mitinitiierte Kunstmesse in Oschatz – all diese Veranstaltungen böten Gelegenheit zum intensiven, individuellen Austausch – auch und gerade zu politischen Themen.

Vielseitig interpretierbar

Wie vielseitig interpretierbar Theodors Kunst ist, beweist die recht schlicht gehaltene Kohlezeichnung „Schlaf“: Eine junge Frau hat sich zur Ruhe gelegt, neben ihr ein länglicher Gegenstand, den die Betrachter ganz unterschiedlich deuten. Einer sieht einen fremden Oberschenkel, der andere eine Schlange, die sich dem Bett nähert. Ein dritter meint dagegen, es sei nur ein Kissen. Dieser Moment während einer Ausstellungseröffnung in der Oschatzer Stadthalle habe ihm vor Augen geführt, dass es zwar wichtig ist, über die Kunst miteinander ins Gespräch zu kommen, aber das Schaffen anderer auf diese Weise auch nicht zerreden zu dürfen – nur weil man auf seinem Standpunkt bestehe oder keinen Zugang zum Bild finden könne. Für ihn ist es wichtig, beim Betrachter Emotionen zu wecken, ins Unterbewusste vorzudringen oder einfach nur zu entspannen und das alltägliche hinter sich zu lassen. Gelegenheit dafür gibt es bei einer der kommenden Aktionen, zu denen Mirko Theodor einlädt.

Von Christian Kunze

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