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Dorfleute in der Hand des Advokaten

Dorfleute in der Hand des Advokaten

"Es ist in der Stube sehr durchsichtig, ja auch so übereinander gesunken, dass man quer durch die Wände greifen kann. Keine Scheibe in den Fenstern ist erhalten, weil Fensterrahmen und Stöcke ganz verfaulet.

Der damalige Lehrer Friedrich August Machaon beschreibt 1719 den Bauzustand an seinen Patron:

 

Bei trübem Wetter und an kurzen Tagen ist kein Licht in der Stube, weil diese sehr niedrig und enge sind, so dass ich nicht weiß, so ich mit den Meinigen bleiben soll. Die letzten zwei Jahre habe ich mit den Meinigen von der Kälte als auch anderen Ungemach gar viel erdulden müssen. In dergleichen ist auch der Viehstall nichts mehr nütze. Der Giebel ist eingebrochen und wird mit der größten Gefahr noch von einer Stütze gehalten, so dass hier auch Mensch und Vieh der Lebensgefahr unterworfen sind."

 

Dennoch wird zunächst nur am alten Haus herumgeflickt. Erst 20 Jahre später geht man an den Neubau. Das Holz liegt angefahren auf dem Friedhof, auch Kalksteine und Bruchsteine. Da kommt aus dem Ober-Konsistorium der Bescheid, dass es nur 50 Thaler aus der Kasse zu dem Bau bewilligen könnte. Der Bau darf nur 90 Thaler kosten. Das Übrige sollte die Gemeinde beibringen. Darüber gab es große Entrüstung. Eine Eingabe des Pfarrers, dass das Kirchenvermögen 1146 Thaler und der Kassenbestand 354 Thaler beträgt, so dass man die gesamten Baukosten tragen könne, bewirkt nur, dass die Beitragssumme der Kirche auf 70 Thaler erhöht wurde. Nur 20 Thaler sollten die Gemeinden Deutsch- und Wendisch-Luppa jetzt noch beisteuern.

 

Die Gemeinden bewilligen aber kein Geld, sondern nur Hand- und Spanndienste. Noch nie hätten sie zu Bauten an der Kirche, Schule oder Pfarre Geld gegeben, die Kirche sei die reichste weit und breit. So ließen die Gemeinden einen schlauen Advokaten schreiben.

 

Die beteiligte Behörde stellte einen Termin an, an welchem alle männlichen Gemeindemitglieder zu erscheinen haben, um zu klären, ob der Advokat oder die Gemeinde Schuld an den Wortbeleidigungen haben. 94 Personen werden in der Pfarre, zu dem der Superintendent aus Oschatz und der Gerichtsherr aus Börln erschienen, vernommen.

 

Ehe sie sich versahen, sind 19 Thaler Kosten aufgelaufen, die sich von Woche zu Woche steigern.

 

Die Hartnäckigkeit, die damals gezeigt worden ist, übersteigt alle Begriffe. Die Leute im Dorf sind ganz in der Hand des Advokaten.

Arndt Schuster

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