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Oschatz Dr. Martin Kupke hält Festrede zu 25. Jubiläum der friedlichen Revolution
Region Oschatz Dr. Martin Kupke hält Festrede zu 25. Jubiläum der friedlichen Revolution
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16:12 05.09.2014
Dr. Martin Kupke Quelle: Dirk Hunger

Die Stadt Oschatz wird das 25. Jubiläum dieses Ereignisses gemeinsam mit der evangelisch-lutherischen Kirchgemeinde am 12. November in der Klosterkirche würdigen. Als Festredner konnte der Ehrenbürger Dr. Martin Kupke gewonnen werden, der damals als Superintendent die Revolution moderierte. Die OAZ fragte den 77-Jährigen, welche Botschaft er am 12. November vermitteln möchte.

Die Stadt Oschatz hat Sie gebeten, die Festrede zu halten. Empfinden Sie diesen Auftrag als Lust oder Last?

Ich mache das gern, da ich mich auch irgendwie zuständig fühle. Die DDR habe ich von Anfang bis Ende erlebt und die Zeit der friedlichen Revolution als Moderator mitgestaltet. In meinem Ruhestand habe ich mich wissenschaftlich intensiv mit dieser Zeit beschäftigt und vier Bücher darüber geschrieben, die sich auf Originalunterlagen der SED und der Staatssicherheit beziehen.

Wie weit ist Ihre Festrede gediehen?

Sie ist eigentlich fertig, es gibt jetzt nur noch ein paar Schönheitsoperationen. Das Problem ist: Ich habe sehr viel Stoff, aber nur relativ wenig Zeit, um alles vorzutragen. Und ich werde auch über neue Dinge berichten, die ich erst nach der Veröffentlichung meiner Bücher erfahren habe. Unter anderem habe ich 15 Fotos von der Fahrrad-Demonstration nach Börln zum kirchlichen Umwelttag, der gegen das geplante Atomkraftwerk protestierte. Die Fotos waren im Auftrag der Stasi gemacht worden.

Worauf werden Sie den Schwerpunkt legen?

25 Jahre nach der Wende wissen besonders die jungen Leute nur noch wenig über die DDR. Deshalb geht es mir besonders um Informationen - gegen das Vergessen, Verfälschen und Verharmlosen der DDR-Geschichte. Ich möchte die Gründe darstellen, die zur friedlichen Revolution geführt haben.

Welche Gefühle beherrschten Sie im Herbst 1989?

Das waren unbeschreibliche Gefühle, die ich mein Leben lang nicht vergessen werde. Wir standen alle unter Strom, unsere Nerven vibrierten permanent - und wir waren ungeheuer aufgeregt. Da geriet dieses waffenstarrende System ins Wanken, das sich zum Sieger der Geschichte erklärt hatte. Das Kartenhaus stürzte zusammen, und wir wurden nicht erschlagen. Da blieb uns einfach die Luft weg.

Wie beurteilen Sie diese spannenden Wochen aus dem Abstand von einem Vierteljahrhundert?

Das war der bedeutendste äußere Wandel, den ich erlebt habe. Und dass der Wandel auch noch so positiv verlief, ist für mich immer noch unvorstellbar. Klar: Auch die Zeit als Kriegskind hat mich geprägt, doch das ist mittlerweile verwachsen.

Sind die Hoffnungen, die Sie damals mit der friedlichen Revolution verbunden haben, in Erfüllung gegangen?

Für mich persönlich haben sie sich erfüllt - das gilt aber nicht für alle. Es gab auch ideologische und wirtschaftliche Verlierer. Die DDR war wirtschaftlich bankrott. Mit den blühenden Landschaften ging es nicht so schnell wie erhofft.

Was entgegnen Sie Ostalgikern, die meinen, in der DDR sei alles besser gewesen?

Wenn man diese Leute fragt, was denn besser gewesen sei, hält das meist einer Überprüfung nicht stand. Es gab in der DDR auch Privilegierte, für die es damals vielleicht tatsächlich besser gewesen ist. Aber das waren nur wenige, die meisten Menschen hatten das System satt.

Zum Abschluss noch ein Blick in die Zukunft: Wird das 50. Jubiläum der friedlichen Revolution im Jahr 2039 noch eine Rolle spielen oder längst in Vergessenheit geraten sein?

Ob es so eine große Rolle spielt wie jetzt, weiß ich nicht. Wenn man aber der vielen blutigen Ereignisse in der Geschichte gedenkt, dann muss man der friedlichen Revolution 1989 erst recht gedenken. Interview: Frank Hörügel

Frank Hörügel

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