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Drei Türmer wachen für einen Tag auf der Oschatzer St. Aegidienkirche

Alles unter Kontrolle Drei Türmer wachen für einen Tag auf der Oschatzer St. Aegidienkirche

Normalerweise versieht der Oschatzer Türmer Ulrich Uhlitzsch seinen Dienst über den Dächern von Oschatz allein. Jetzt erhielt er jedoch Besuch von zwei sächsischen Kollegen. Die Türmer von Zittau und von Schwarzenberg ließen ihre Hörner und Trompeten über der Stadt erschallen.

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Der Oschatzer Ulrich Uhlitzsch (Mitte) empfängt seine Amtsbrüder Gerd Schlesinger (rechts) und Felix Weickelt in der Türmerstube.

Quelle: Dirk Hunger

Oschatz. Das hat es in der langen wechselvollen Oschatzer Stadtgeschichte noch nicht gegeben – drei Trümer blicken über die Stadt, blasen auf der Trompete und dem Horn und singen den Türmerspruch. In den vergangenen Jahrhunderten begnügte sich Oschatz mit einem Türmer. Doch dass sich jetzt drei Türmer hoch über der Stadt trafen, ist eher ein Zufall. Felix Weickelt ist derzeit Türmer in Zittau. Sein zu Hause ist die Johanniskirche in Zittau. „Ich habe mich um die Türmerstelle beworben und in der vergangenen Zeit mit Freunden viel Kraft aufgewendet, um die Wohnung im Turm der Johanniskirche wieder auf Vordermann zu bringen. Jetzt will ich mir die Zeit nehmen und die anderen Kirchen, die noch einen Türmer haben, besuchen“, sagt der 25-jährige Felix Weickelt. Seine Tour startetet er beim Schwarzenberger Türmer Gerd Schlesinger in der vergangenen Woche. „Wir haben uns auf Anhieb gut verstanden und haben uns ausgemacht, die Oschatzer St. Aegidienkirche gemeinsam zu besuchen“, berichtet Weickelt.

Der Schwarzenberger Türmer Gerd Schlesinger ruft über Oschatz

Der Schwarzenberger Türmer Gerd Schlesinger ruft über Oschatz.

Quelle: Dirk Hunger

Während für den jungen Mann aus Zittau, die Oschatzer Türmerstube noch Neuland ist, war Gerd Schlesinger schon ein paar mal in Oschatz bei seinem Amtsbruder Ulrich Uhlitzsch zu Gast. Die meisten Türmer in Deutschland kennen sich und sind in einer Zunft vereint. „Früher war es selbstverständlich, dass eine Stadt einen Türmer hatte. Dass war sozusagen, die Feuerversicherung einer Stadt. Derzeit gibt es in Sachsen nur noch eine Hand voll Türmer“, so Schlesinger. „Und wir sind stolz darauf, dass wir mit Ulrich Uhlitzsch dazu gehören“, meint Pfarrer in Ruhe Berthold Zehme. „Dabei war der Türmer-Job in früherer Zeit sehr begehrt. Es gab mietfreie Unterkunft, ein festes Gehalt und ein hohes Ansehen in der Stadtbevölkerung“, hat der Oschatzer Türmer Ulrich Uhlitzsch herausgefunden.

„Für mich ist die Oschatzer Türmerwohnung etwas ganz Besonderes. Sie ist beispielsweise viel geräumiger als meine Türmerwohnung in Zittau“, vergleicht Felix Weickert, der es sich nehmen lässt, seine Trompete über Oschatz zu schmettern zu lassen. Ungewohnte Klänge entlocke dann auch noch Gerd Schlesinger seinem Schwarzenberger Türmerhorn. Die Klänge, eine Mischung zwischen Alphorn und Didgeridoo, ließen die Oschatzer in den Straßen aufhorchen. Und weil sich Türmer untereinander beistehen, wurden die beiden Gäste von ihrem Oschatzer Amtskollegen Ulrich Uhlitzsch, Berthold Zehme und Alexander Nitsche zu einem zünftigen Mahl über den Dächern der Stadt eingeladen.

Nach der Visite in Oschatz wird sich Felix Weickert auf den Weg machen, die nächste Station zu besuchen. Dann geht es noch einmal zurück, nach Bautzen, bis die Reise im Westen, nämlich in Münster, enden wird.

Von Hagen Rösner

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