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Oschatz Drohender Pflegenotstand: Behörden können nur beraten
Region Oschatz Drohender Pflegenotstand: Behörden können nur beraten
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00:20 15.06.2018
In der Tagespflegeeinrichtung der Volkssolidarität „An der Döllnitz“ wacht Azubi Alicia Hasani über die Mensch-Ärger-Dich-Nicht-Partie von Jutta Dahl und Ernst Richter. Quelle: Christian Neffe
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Region Oschatz

Der demografische Wandel hebt den Altersdurchschnitt in Deutschland kontinuierlich nach oben. Die Folge: Der Bedarf an Pflegestellen und -einrichtungen – seien es stationäre oder ambulante Einrichtungen, Angebote für Kurzzeit- oder für Tagespflege – steigt konstant.

Kapazitäten für Pflegestellen noch lange nicht ausgeschöpft

Deutschlandweit wird versucht, dieser Entwicklung Rechnung zu tragen – auch in Oschatz. Vor wenigen Wochen erst eröffnete hier eine neue Tagespflegeeinrichtung des Deutschen Roten Kreuzes (DRK), in ein weiteres Pflegeheim in der Seminarstraße sind die ersten Bewohner eingezogen.

Damit sind die Kapazitäten für Pflegeplätze in und um Oschatz aber noch lang nicht ausgeschöpft. Im Gegenteil: In Nordsachsen muss noch einiges an Arbeit geleistet werden, um einen baldigen Pflegennotstand zu verhindern.

Wie viele Pflegestellen erforderlich sind, das wird im Pflegesozialplan des Landratsamtes ermittelt und publiziert. Darauf aufbauend wurde von 2013 bis 2015 das sogenannte „Seniorenbezogene Gesamtkonzept“ erarbeitet. Das wiederum operiert unter dem Leitbild „Selbstbestimmt bis ins hohe Alter“, das gemäß den Wünschen und Bedürfnissen der nordsächsischen Senioren erstellt wurde.

2017: Große Umfrage unter nordsächsischen Pflegeheimen durchgeführt

„Danach erfolgte von September 2015 bis März 2016 ein erneuter Beteiligungsprozess, um die operativen Zielstellungen zu formulieren“, teilt Annett Krusche vom Sozialdezernat des Landratsamtes auf Anfrage mit.

Diese Zielstellungen umfassen die Pflegekoordination, eine Kampagne zum Gewinnen von Fachkräften und nicht zuletzt die Pflegestrukturplanung, also die Anzahl und Verteilung von Pflegeeinrichtungen. Im Zuge dessen wurden im vergangenen Jahr 95 der 126 nordsächsischen Pflegeeinrichtungen zu verschiedensten Aspekten befragt.

Fachkräftemangel ist Kernproblem

Dabei gaben drei Viertel aller voll- und teilstationären Einrichtungen an, dass die Nachfrage nach Plätzen größer sei als die zur Verfügung stehende Kapazität. Ein Grund dafür sei – wenig überraschend – der Fachkräftemangel und ein erhöhter Krankenstand. Noch schwieriger sieht in dieser Hinsicht die Lage bei ambulanten Pflegediensten aus.

Die Anzahl der pflegebedürftigen Personen im Sozialraum Oschatz wird vom Landratsamt mit 1091 angegeben (Stand: 1. Januar 2017). Hinzu kommen rund 400 Personen, die reines Pflegegeld erhalten. Dem stehen aktuell sieben Pflegeheime, zwölf ambulante Pflegedienste, drei Kurzzeit- und acht Tagespflegeeinrichtungen gegenüber.

Genaue Zahlen zu den zur Verfügung stehenden Plätzen kann das Landratsamt aus Datenschutzgründen nicht bereitstellen. Auch zur jeweiligen Anzahl der Beschäftigten liegen keine genauen Daten vor.

Aktuell Pflegeschlüsse liegt bei 1 zu 3

Diese existieren lediglich für ganz Nordsachsen. Stand Dezember 2015 gab es im Landkreis 2532 Betten in stationären Pflegeeinrichtungen sowie 3003 Pflegekräfte. Bei rund 8550 pflegebedürftigen Personen ergibt sich ein Personalschlüssel von beinahe 1:3.

Ein guter Wert für Personen der Pflegestufen 1 und 2. Für Stufe 3 hingegen ist in Sachsen ein Schlüssel von höchstens 1:1,9 gesetzlich vorgeschrieben. Kritisch ist auch, dass etwa zwei Drittel aller Beschäftigten nur in Teilzeit arbeiten.

Prognosen bereits jetzt überboten

Angesichts der schwierigen Personallage und eines immer größer werdenden Pflegebedarfs, muss in den kommenden Jahren mit einer Verschlechterung der Situation gerechnet werden.

So ging eine 2011 erstellte Prognose bis 2020 von 8200 Pflegebedürftigen in Nordsachsen aus – ein Wert, der bereits 2015 um mehr als 300 überschritten wurde. Bis 2030 sollten es 9350 sein. „Daraus lässt sich ableiten, dass die kommunalen Bemühungen im Bereich der Pflege unbedingt weiterentwickelt werden müssen“, erklärt Krusche.

Bisher gilt „Selbststeuerung des Pflegemarktes“

Doch was können die Ämter konkret tun? Die Antwort: wenig. Im Gegensatz beispielsweise zu Nordrhein-Westfalen stehen den sächsischen Landkreisen nur „allgemeine Steuerungsmöglichkeiten“ zur Verfügung. „Bisher wurde das Prinzip der Selbststeuerung des Pflegemarktes gelebt, wobei die Landkreisbehörde aufklärend und ratgebend gern zur Seite möglicher Investoren steht“, heißt es aus dem Sozialdezernat.

„Grundsätzlich kann deshalb die Behörde nur stark auf die Mitarbeit der Akteure vor Ort setzen. In Nordsachsen erfolgt dies zum Beispiel sehr erfolgreich über die Arbeitsgruppe ,Sozialplanung für Senioren und Pflegenetz’.“ Ein „durchsetzbarer Einfluss“ ist der Behörde jedoch nicht gegeben. „Hierzu bedürfte es der rechtlichen Grundlagen und der Ressourcen für eine verbindliche Planungsverantwortung.“

Das ist dennoch kein Grund zum Pessimismus. Der Motor sei schließlich erst angelaufen: „Wir haben einen guten Start innerhalb der Daseinsvorsorge für ältere Menschen geleistet und wollen uns künftig mit den Trägereinrichtungen, Städten, Gemeinden und weiteren Akteuren weiterhin ganzheitlich und zielorientiert aufstellen.“

Von Christian Neffe

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