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Ein letztes Tisch-Abendmahl im alten Pfarrhaus von Limbach

Abschied Ein letztes Tisch-Abendmahl im alten Pfarrhaus von Limbach

Das alte Pfarrhaus am Limbacher Teich ist seit vergangenem Jahr unbewohnt. Deshalb möchte die örtliche Kirchgemeinde das 150 Jahre alte Gebäude nun veräußern. Davor jedoch blickte sie noch einmal auf die bewegte Geschichte des Baus zurück – und versammelte die Mitglieder zu einem letzten Abendmahl.

14 Gemeindemitglieder kamen am Gründonnerstagabend, um bei einem Tisch-Abendmahl vom Limbacher Pfarrhaus Abschied zu nehmen.

Quelle: Christian Neffe

Limbach. Von außen ähnelt das alte Pfarrhaus in Limbach einer Ruine. Umso überraschender ist der Eindruck im Inneren: Unter dem Staub, zwischen den kahlen Wänden und der spartanischen Ausstattung zeigt sich, das großes Potenzial in der Residenz am Teich schlummert. Das Obergeschoss des historische Baus diente schon zuvor als Privatwohnung – nun möchte die Gemeinde das gesamte Gelände veräußern.

Doch davor, am Gründonnerstag um genau zu sein, wurde das 150 Jahre alte Gebäude noch einmal zum Ort einer zu Ostern unentbehrlichen, religiösen Tradition. Zum – im wortwörtlichen Sinnen – letzten Abendmahl im Limbacher Pfarrhaus kamen insgesamt 14 Gemeindemitglieder zusammen. Es wurde gemeinsam gespeist und parliert, man tauschte Anekdoten und persönliche Erinnerungen aus, die die Anwesenden mit diesem Ort verbinden. Das Ehepaar Odrich konnte am meisten über das alte Pfarrhaus berichten. Manfred (84) und Irmtraud Odrich (81) gingen hier ab 1939 beziehungsweise 1942 zur Schule. Im späteren Gemeinderaum musste vier Klassen zeitgleich Platz finden, „unser Lehrer mussten jeden Tag die Strecke von Oschatz aus mit dem Fahrrad zurücklegen“, erinnert sich der gebürtige Limbacher. Seine Frau erlernte hier schon früh das Klavierspielen, musizierte ab 1955 an der Orgel in den zahlreichen Kirchen der umliegenden Gemeinden und bereicherte auch diesen Abend mit ihren Künsten am Harmonium. Ramona Albricht verbrachte ebenfalls einen Teil ihrer Jugend im alten Pfarrhaus, allerdings paukte sie hier nicht Mathe und Deutsch, sondern ging hier in die Christenlehre. „Im Winter war das auch der Ort, an dem wir das Krippenspiel aufführten - da drängten sich knapp 100 Menschen in diesen einen Raum“, so die 53-Jährige. In einem jedoch sind sich alle einig: Es wäre ein Segen, wenn das geschichtsträchtige Haus in gute Hände geriete.

Schon im davor abgehaltenen Gottesdienst in der benachbarten Limbacher Kirche wurde sich der Geschichte des alten Gebäudes erinnert. Pfarrerin Christina Moosdorf berichtete von der Geschichte und ihren eigenen Erfahrungen mit dem ehemaligen Sitz des Pfarrers und dem auch als Schule genutzten Haus. Es ist eine Geschichte voller Veränderungen: Laut einer Giebel-Inschrift erbaut im Jahre 1866, ab 1936 als Kantorenwohnung und Schule genutzt, seit 1952 als Wohnhaus und Gemeinderaum. „Viele Generationen an Kindern haben hier den christlichen Glauben besser kennengelernt“, hieß es. Die 42-Jährige erinnere sich viele gemütliche Winter-Gottesdienste und Krippenspiele, die in der Vorwendezeit, hier stattfanden, da es in der Kirche zu kalt war.

Ende 2015 verließ die letzte Bewohnerin das Haus – seitdem ist es verwaist. „Seit langem war dem Kirchenvorstand schon bewusst, dass das Pfarrhaus auf Dauer nicht gehalten werden kann“, berichtete Moosdorf. „Es wurde angefangen, Käufer für dieses Haus zu werben. Einige Interessenten gab es schon, doch wir sind noch immer auf der Suche und hoffen, es bald in guten Händen zu wissen.“

Das sollten allerdings auch fleißige Hände sein, denn vor allem die Fassade bedarf einer gründliche Sanierung. Und auch innen gibt es viel zu tun. Die letzte große Renovierung – der Einbau eines neuen Heizofens – fand 2008 statt. Etwaige Baumaßnahmen werden dadurch verkompliziert, dass das Haus unter Denkmalschutz steht. „Eine Sanierung dürfte also ein echter Spagat werden“, meint Kirchenvorstand Albrecht Reinhard. „Wenn das Ganze aber erst mal vollendet ist, ist der Anblick malerisch.“

Das Gelände bringt es mit Garten auf knapp 5300 Quadratmeter Gesamtfläche, die Wohnräume erstrecken sich über 163 Flächenmeter und auch mehrere Garagen sind vorhanden. Einer der größten Pluspunkte ist die ruhige Lage am Limbacher Teich. Die Kirchgemeinde freut sich auf jeden, der Interesse am Grundstück bekundet.

Von Christian Neffe

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