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Eine andere Art der Fahrzeug-Kupplung

Eine andere Art der Fahrzeug-Kupplung

Oschatz.Obwohl Rollböcke noch bis 1928 Verwendung fanden, gewannen jedoch Rollfahrzeuge, auf welche die Regelspurfahrzeuge über eine Fahrbühne aufgefahren wurden, bereits ab 1921 die Oberhand.

Oschatz. Die Beförderung regelspuriger Fahrzeuge erfolgte bei den sächsischen Schmalspurbahnen zunächst auf Rollböcken, bei denen die Achsen der Hauptbahnwaggons durch sogenannte Achsgabeln (Tragklauen) festgehalten

 

Obwohl Rollböcke noch bis 1928 Verwendung fanden, gewannen jedoch Rollfahrzeuge, auf welche die Regelspurfahrzeuge über eine Fahrbühne aufgefahren wurden, bereits ab 1921 die Oberhand. In unserem Bericht soll es aber um Kupplungen gehen, mit denen diese vier- oder sechsachsigen Rollwagen untereinander als auch mit ihren schmalspurigen Fahrzeugen und deren Lokomotiven verbunden waren. Diese Kupplungen waren wegen eines nötigen Abstandes zwischen den aufgefahrenen Regelspurwagen gegenüber allen anderen Kupplungsarten auffällig lang und schwer und wurden deshalb als Kuppelstangen, die längsten von ihnen als Kuppelbäume, bezeichnet. Anfangs wurden sie auch Deichsel genannt; eine Karrenbezeichnung, die sich vor allem außerhalb Sachsens länger hielt.

 

Die eisernen, später auch stählernen, im Inneren hohlen Kupplungen gab es in zwei, zweieinhalb, drei, viereinhalb und sechs Meter Länge mit einem Gewicht, das je nach Länge zwischen 40 und 80 Kilogramm betrug. Ausgerüstet waren sie neben ihren Einsteck-Köpfen mit zwei Tragegriffen, denn die Stangen konnten nur durch zwei Personen getragen werden.

 

In deren Mitte befand sich ein Kettenbügel, in welchem eine bis zu zweieinhalb Meter lange eiserne Kette eingebracht war, die als Aufhänger in die Wagenkupplung des Regelspurers eingehangen wurde, um sich bei einem Bruch nicht ins Gleis zu bohren. Bei der bis 1987 vorhandenen Heberleinbremseinrichtung konnten an den Stangen zusätzliche Seilführungsrollen angebracht werden. Beim Saug- und Druckluftbremssystem waren die Stangen mit Verbindungsschläuchen oder Rohrleitungen versehen. Die Kuppelstangen waren auf den Spurwechselbahnhöfen, in deren jeweiligen Aufrolleinrichtungen vorhanden, wo sie geordnet auf Kuppelbänken aufbewahrt und gewartet werden sollten. Dies wurde jedoch weitgehend ignoriert, weil der Laufweg zwischen Aufbewahrung und Anbringung oft zu lang war.

 

Die Kuppelstangen mussten als Notreserve oder zu Tauschzwecken auch vom Zugpersonal im Packwagen mitgeführt werden. Auf einigen Stichbahnen und außerhalb Sachsens - vor allem in der Priegnitz - wurden sie in sogenannte Stangenwagen (ex Rungenfahrzeuge) befördert.

 

Die Arbeiten mit den Kuppelstangen oblagen auf den Spurwechselbahnhöfen dem Rangierpersonal, wozu mindestens zwei Personen nötig waren. Das Tragen und Einbringen zunächst in aufrechter, dann in gebückter Haltung erforderte Kraft und Geschicklichkeit und war nicht ungefährlich. Korpulente Personen hatten dabei trotz ihrer Kraftreserven mehr Probleme als drahtig wirkende. Vor allem war während des Fahrzeugauffahrens und Kuppelns eine gute Verständigung zwischen dem Lok- und Rangierpersonal nötig. Diese erfolgte sowohl durch Rangierpfeifsignale als auch fernmündlich mit signalgebenden Handzeichen. Das direkte Einbringen der Kuppelstangen erforderte vom Lok- und Rangierpersonal ein gewisses Feingefühl, welches man sich erst mit einiger Erfahrung aneignen konnte.

 

Mit der Einstellung des schmalspurigen Huckepack-Güterverkehrs in Sachsen ging auch die Arbeit mit den Kuppelstangen zu Ende. Heute werden einige bei historischen Sonderfahrten benötigt. Für einstige Schmalspureisenbahner und Liebhaber sind diese Betriebsmittel eine Erinnerung an einen echten Schmalspurbahnbetrieb wieder.

Reiner Scheffler

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