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Elisabeth Schreiber aus Luppa lernt Traumjob Pferdewirtin

Berufsausbildung Elisabeth Schreiber aus Luppa lernt Traumjob Pferdewirtin

Für viele Mädchen ist der Umgang mit Pferden ein Traum. Bei Elisabeth Schreiber aus Luppa ist daraus ein Traumjob geworden. Sie lernt Pferdewirtin im Gestüt Graditz.

Am Modell üben die Auszubildenden das Fahren der Pferdekutsche.

Quelle: Kristin Engel

Graditz/Calbitz. Z

Als Elisabeth Schreiber aus dem Wermsdorfer Ortsteil Luppa als Fünfjährige zum ersten Mal mit Pferden in Kontakt kam, war es für ihre Eltern kaum möglich, sie wieder vom Hof der Familie Sachse in Calbitz wegzubekommen. Wieso auch? Hier schlug ihr Herz höher. Auf einem Pferd zu sitzen, war für das kleine Mädchen von damals kaum möglich, doch schon der Umgang mit den Tieren, das Putzen ihres weichen Fells machte sie glücklich. Und sie konnte auch bei der Geburt eines Fohlens dabei sein, das sie nur wenige Monate später ihr Eigen nennen konnte. „Ich war 15 Jahre, als ich meine Oldenburger-Stute ,Djara RS’ – Letzteres steht für Reitstall Sachse – bekam. Ich war froh, dass meine Eltern und meine Schwester Pferde liebten, so dass sie mir nach langem Betteln und geleisteter Überzeugungsarbeit erlaubten, mich um Djara zu kümmern“, so die heute 19-Jährige. Beide begannen mit der Bodenarbeit, damit die junge Stute die Möglichkeit hatte, alles spielerisch zu erlernen. Als die Stute drei Jahre alt war, wurde Djara angeritten und Elisabeth saß zum ersten Mal auf ihrem eigenen Pferd. Für die Jugendliche ein tolles Gefühl. Ob es dieses Erlebnis war, oder sich ihre Einstellung schon viele Jahre zuvor entwickelt hat, kann sie heute nicht mehr genau sagen. Doch eines stand fest: Sie wollte auch in Zukunft mit Pferden arbeiten.

Entscheidung war richtig

Nach ihrem Abitur begann Elisabeth Schreiber ihre Ausbildung zur Pferdewirtin im Gestüt in Graditz. „Ich hatte nach meinem Schulabschluss nicht den Drang zu studieren. Ich wollte die Arbeitswelt kennenlernen. Eine Freundin von mir hatte hier bereits eine Ausbildung gemacht. Mir gefiel auch die Vorstellung, nah bei der Heimat zu bleiben. Als ich in Graditz mit meiner Ausbildung begann, stellte ich schnell fest, dass die Entscheidung genau richtig war.“ Damit meint die Luppaerin die vielfältige Ausbildungspalette. „Neben dem Reiten bereitet mir vor allem der Umgang mit den Fohlen, zu sehen, wie sie sich entwickeln, viel Freude. Vor Herausforderungen stellte mich das Kutschefahren. Das hatte ich zuvor noch nie gemacht. Es ist ganz anders, da man nicht direkt am Pferd dran ist“, erinnert sie sich an ihre Anfänge.

Auch wenn ihr ganzer Arbeitsalltag mit Pferden zu tun hat, hält das Elisabeth nicht davon ab, weiterhin mit ihrer eigenen Stute zu reiten. Auf eine bestimmte Richtung habe sie sich nicht spezialisiert. Auf dem Gelände des Reitstalls Sachse übt sie Dressur und das Springen. Zwei Mal war sie mit Djara auf Turnieren und belegte dort auch gute Plätze. „Für uns zählt weniger die Platzierung, sondern vielmehr die gemeinsame Zeit.“

Studiengang Pferdewissenschaft im Visier

Noch ein Lehrjahr steht Elisabeth bevor. Was danach folgt, weiß sie nicht ganz genau. Aber im „Bereich Pferd“ will sie bleiben. Nach einer erfolgreichen Ausbildung zum Pferdewirt und zweijähriger Berufserfahrung lässt sich eine zweijährige Ausbildung zum Meister ergänzen. Doch Elisabeth würde lieber noch einmal die Schulbank drücken. „Es gibt einen Studiengang Pferdewissenschaft oder einen Studiengang Agrarwirtschaft, bei dem auch ein entsprechendes Wahlmodul enthalten ist“, weiß sie. Mit einem solchen Abschluss könnte sie später zum Beispiel eine Anstellung im Zucht- oder Sportverband bekommen, oder gar selbst ein Gestüt leiten. Elisabeth blickt zuversichtlich in die Zukunft, konzentriert sich jetzt jedoch erst einmal vollkommen auf ihre Ausbildung im Gestüt Graditz.

Hier werden Pferdewirte in Haltung und Service ausgebildet. „Andere Ausbildungsstätten haben sich zum Beispiel auf Zucht, das klassische Reiten, das Rennreiten oder die Spezialreitweisen spezialisiert. Doch ein Pferdewirt sollte meines Erachtens ein umfangreiches Verständnis mitbringen, um auch auf dem Arbeitsmarkt gute Chancen zu haben“, sagt Antje Zimpel, Ausbildungsleiterin im Gestüt Graditz. Bevor es für die Auszubildenden zur eigentlichen Arbeit kommt, wird ihnen in den ersten Tagen in Graditz das Gestüt gezeigt. Zwei Prüfungen müssen die Lehrlinge dann während ihrer dreijährigen Ausbildung absolvieren. Bei der Zwischenprüfung müssen sie ihr Talent unter anderem im Reiten und Fahren unter Beweis stellen. Danach haben sie die freie Entscheidung, ob sie zur Abschlussprüfung im Reiten oder in Kutschfahrt geprüft werden möchten. „Für die Meisten ist die Fahrt eine Herausforderung. Es gibt aber auch Talente, bei denen es schnell funktioniert. Aber auch nur dann, wenn genügend Fleiß und Interesse dahintersteckt. Erfahrungen im Reiten sollten die Lehrlinge bereits vor der Ausbildung bei uns mitbringen. Sonst ist es sehr schwer, die Prüfungen zu bestehen“, sagt Antje Zimpel.

Alle 14 Tage Berufsschule

Die Lehrlinge besuchen zudem etwa alle sechs Wochen für 14 Tage die Berufsschule in Dresden-Altroßthal. Auch hier wird ihr Wissen in zwei Prüfungen getestet. Zur Abschlussprüfung werden sie in den Themenkomplexen „Wirtschaft- und Sozialkunde“, „Kundenberatung“ und „Krankheit, Haltung, Zucht, Fütterung“ geprüft.

Jedes Jahr bekommen die besten Absolventen aus ganz Deutschland mit der Georg-Graf-von-Lehndorff-Plakette eine Auszeichnung. 2016 erhielten fünf, 2017 drei Auszubildende aus Graditz diese Ehrung. „Darauf sind wir sehr stolz“, sagt Antje Zimpel.

Doch bei einer solchen Ausbildung, wie sie Elisabeth Schreiber in Graditz absolviert, geht es nicht alleine nur darum, sich intensiv auf die Prüfungen vorzubereiten. Viele Höhepunkte warten im Jahr auf die Lehrlinge. So sind sie bei der jährlichen Gestütsschau integriert und wirken ganz eigenständig beim Programm mit. „In diesem Jahr haben wir mit den Pferden Pushball als Fußball für Pferde vorgestellt. Auch bei den Schaubildern sind wir dabei“, erinnert sich Elisabeth.

Erstmals Lehrlings-Championat

Eine Neuerung wird es im kommenden Jahr geben. Denn in Graditz plant man voraussichtlich am 2. Juni 2018 ein Lehrlings-Championat für alle sächsischen Lehrlinge. „Es ist uns nicht bekannt, dass schon einmal jemand ein Championat für Auszubildende organisiert hat. Ich finde es eine gute Idee und für die Lehrlinge ist es eine Gelegenheit, sich untereinander zu vergleichen“, sagt Antje Zimpel. Auch Elisabeth ist begeistert. „Es ist die Gelegenheit, im direkten Vergleich festzustellen, wie gut man selbst ist und wo man steht. Ich freue mich darauf.“

Einmal im Jahr findet die Messe „Partner Pferd“ in Leipzig statt. Auch hier sind einige der Lehrlinge aus dem dritten Jahr mit dabei, um bei Gesprächsrunden zukünftigen Auszubildenden ein paar wichtige Ratschläge mit auf den Weg zu geben. Sie begleiten die Facharbeiter auf Turnieren und Zuchtveranstaltungen und sind bei der Hengstparade oder der Agra in Leipzig vertreten. „Doch neben diesen Ausflügen, an denen wir uns beteiligen können, gibt es etwas besonders Aufregendes vor Ort in Graditz mitzuerleben“, sagt Elisabeth mit einem Lächeln. Sie meint damit die Fohlengeburt. „Beim Abfohlen brauchen die Stuten 24-Stunden-Betreuung. Dann übernehmen die Auszubildenden ab dem zweiten Lehrjahr auch mal die Nachtschicht“, erklärt die Ausbildungsleiterin. Rund 200 Pferde stehen in Graditz. Um die 25 Fohlen werden jedes Jahr geboren und hier ausgebildet. „Es ist immer ein spannendes Erlebnis, wenn ein Fohlen zur Welt kommt. Doch Pferde werden auch mal verkauft, werden krank oder müssen im schlimmsten Fall eingeschläfert werden. Dessen muss man sich bewusst sein. Daher empfehle ich den Lehrlingen immer, sich nicht zu stark an ein Pferd zu binden. Bei diesem Beruf kann man sich nicht zu sehr an ein Pferd klammern“, so Antje Zimpel.

Elisabeth versucht, sich an diesen Rat zu halten. Auch wenn gerade bei den kleinen Fohlen ihr das ein oder andere bereits ans Herz gewachsen ist. Für die 19-Jährige ist es eben ein Beruf, den sie gern macht. Obwohl es nicht immer einfach ist, genießt sie die Zeit mit den Tieren. Auch wenn dies bedeutet, die Ställe zu reinigen und die Pferdeäpfel aufzusammeln. Diese Tätigkeiten gehören eben einfach dazu. Genauso wie die Streicheleinheiten, das Striegeln und das Reiten auf dem Rücken der Pferde.

Von Kristin Engel

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