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Elternzeit für Kühe? Bauern aus der Collm-Region sagen: Nein.

Tierhaltung Elternzeit für Kühe? Bauern aus der Collm-Region sagen: Nein.

Die Oschatzer Region ist traditionell eine Region mit viel Rinderhaltung und Milchproduktion. Doch das jetzt in Norddeutschland propagierte Modell der Elternzeit für Mutterkühe findet hier keinen Anklang. Vor allem in den großen Milchviehanlagen glaubt man nicht an die Zukunft des Modellversuchs.

Für den jüngsten Rindernachwuchs gibt es ab und zu ein paar Streicheleinheiten.

Quelle: Gabi Liebegall

Collm-Region. Die Oschatzer Region gilt traditionell als eine Landwirtschaftregion in der nicht nur Feldbau betrieben, sondern auch der Milchviehhaltung ein großer Stellenwert eingeräumt wird. Obwohl es der aktuelle Milchpreis den Bauern nicht einfach macht zu überleben. Ist die Rinderhaltung noch in vielen Dörfern zu finden. Doch wie experimentierfreudig sind die Landwirte der Collm-Region? „Elternzeit für Kühe“ ist ein Thema, das eine kleine Erzeugergemeinschaft von Milchbauern im Norden Deutschlands praktiziert. Die Bauern – einer davon hat 30 Milchkühe – lassen die Kälbchen bis zu drei Monaten bei ihrer Kuh-Mama. So könnten sie sich an der „Milchbar“ bedienen, wie sie wollen. Die bis zu 1000 Liter Milch, die auf diese Weise verloren gingen, wäre für die meisten Landwirte kein Problem. Der Liter Milch von diesen Landwirten koste im Einzelhandel zwischen 1,79 und 1,99 Euro. Was sagen Milcherzeuger in der Region zu diesem Vorschlag? Traditionell werden die neugeborenen Rinder den Müttern gleich weggenommen.

Für Ernst Bößneck vom Heidegut Dahlen mit seinen Mitarbeitern ist dieser Vorschlag keine Option. Denn eine solche Methode trage auch Risiken. 350 Milchkühe stehen in den Ställen des Unternehmens.„Zum Beispiel können sich bei den Hochleistungsrindern die Euter entzünden. Schließlich können die Kälbchen nicht das ganze Euter leeren, was die Produktion von neuer Milch erschwere. Die Kälbchen werden in sogenannten Iglus aufgezogen. Hier bekommen sie die so wichtige Kolostralmilch – die Kuhmilch in den ersten Tagen nach dem Kalben. Diese ist nicht mit der herkömmlichen Kuhmilch vergleichbar. Sie enthält sehr hohe Nähr- und Wirkstoffe, die für das neugeborene Kalb sehr wichtig sind, zum Beispiel Vitamine und Antikörper. So werde das Kälbchen immunisiert. „Trotzdem muss das jeder Landwirt selbst entscheiden“, so Bößneck. Wenn die genannte Erzeugergemeinschaft dieses Projekt für sich als erfolgversprechend entdeckt habe, sollte sie das tun.

Der Betrieb Peter Huehnlein & Sohn GbR in Treptitz hat rund 120 Kühe und weibliche Nachzucht. Insgesamt 250, davon etwa 25 Kälber. „Wenn die Neugeborenen bei ihrer Mutter bleiben sollen, müssten wir Mutterkühe halten. Aber das wollen wir nicht. Wir sind Milchbauern“, so Annette Huehnlein. Mutterkühe würden für die Milchproduktion nicht zur Verfügung stehen und die Kosten für das Unternehmen erhöhen. Außerdem meinte sie, dass das Vorhaben unkalkulierbare Risiken berge. „Aber wer die Kälber länger bei den Kühen lassen will, soll das tun.“

Iris Claassen vom Regionalbauernverband kann sich die Methode „Elternzeit für Kühe“ in kleineren Betrieben vorstellen. Trotzdem bringt sie im Gespräch mögliche Euter- und andere Krankheiten ins Spiel. Das gehe bis zum Trennungsschmerz zwischen Kuh und Kälbchen. Und der Aufwand einer solchen Haltung dürfe auch nicht unterschätzt werden.

Unterdessen bangen viele Milchproduzenten seit fast zwei Jahren um ihre Existenz. Rund 188 000 Milchrinder stehen in den sächsischen Ställen. Der niedrige Milchpreis macht den meisten Unternehmen zu schaffen. Alternative Aufzuchtmethoden stehen dabei nicht im Vordergrund der Betriebsführung. Vor allem kleine Unternehmen fürchten um ihre Zukunft.

Von Gabi Liebegall

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