Menü
Leipziger Volkszeitung | Ihre Zeitung aus Leipzig
Anmelden
Oschatz Elternzeit für Kühe? Bauern aus der Collm-Region sagen: Nein.
Region Oschatz Elternzeit für Kühe? Bauern aus der Collm-Region sagen: Nein.
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
17:06 20.02.2017
Von Annette Huehnlein gibt es für die Kälbchen auch Streicheleinheiten. Quelle: Gabi Liebegall
Anzeige
Collm-Region

Die Oschatzer Region gilt traditionell als eine Landwirtschaftregion in der nicht nur Feldbau betrieben, sondern auch der Milchviehhaltung ein großer Stellenwert eingeräumt wird. Obwohl es der aktuelle Milchpreis den Bauern nicht einfach macht zu überleben. Ist die Rinderhaltung noch in vielen Dörfern zu finden. Doch wie experimentierfreudig sind die Landwirte der Collm-Region? „Elternzeit für Kühe“ ist ein Thema, das eine kleine Erzeugergemeinschaft von Milchbauern im Norden Deutschlands praktiziert. Die Bauern – einer davon hat 30 Milchkühe – lassen die Kälbchen bis zu drei Monaten bei ihrer Kuh-Mama. So könnten sie sich an der „Milchbar“ bedienen, wie sie wollen. Die bis zu 1000 Liter Milch, die auf diese Weise verloren gingen, wäre für die meisten Landwirte kein Problem. Der Liter Milch von diesen Landwirten koste im Einzelhandel zwischen 1,79 und 1,99 Euro. Was sagen Milcherzeuger in der Region zu diesem Vorschlag? Traditionell werden die neugeborenen Rinder den Müttern gleich weggenommen.

Für Ernst Bößneck vom Heidegut Dahlen mit seinen Mitarbeitern ist dieser Vorschlag keine Option. Denn eine solche Methode trage auch Risiken. 350 Milchkühe stehen in den Ställen des Unternehmens.„Zum Beispiel können sich bei den Hochleistungsrindern die Euter entzünden. Schließlich können die Kälbchen nicht das ganze Euter leeren, was die Produktion von neuer Milch erschwere. Die Kälbchen werden in sogenannten Iglus aufgezogen. Hier bekommen sie die so wichtige Kolostralmilch – die Kuhmilch in den ersten Tagen nach dem Kalben. Diese ist nicht mit der herkömmlichen Kuhmilch vergleichbar. Sie enthält sehr hohe Nähr- und Wirkstoffe, die für das neugeborene Kalb sehr wichtig sind, zum Beispiel Vitamine und Antikörper. So werde das Kälbchen immunisiert. „Trotzdem muss das jeder Landwirt selbst entscheiden“, so Bößneck. Wenn die genannte Erzeugergemeinschaft dieses Projekt für sich als erfolgversprechend entdeckt habe, sollte sie das tun.

Der Betrieb Peter Huehnlein & Sohn GbR in Treptitz hat rund 120 Kühe und weibliche Nachzucht. Insgesamt 250, davon etwa 25 Kälber. „Wenn die Neugeborenen bei ihrer Mutter bleiben sollen, müssten wir Mutterkühe halten. Aber das wollen wir nicht. Wir sind Milchbauern“, so Annette Huehnlein. Mutterkühe würden für die Milchproduktion nicht zur Verfügung stehen und die Kosten für das Unternehmen erhöhen. Außerdem meinte sie, dass das Vorhaben unkalkulierbare Risiken berge. „Aber wer die Kälber länger bei den Kühen lassen will, soll das tun.“

Iris Claassen vom Regionalbauernverband kann sich die Methode „Elternzeit für Kühe“ in kleineren Betrieben vorstellen. Trotzdem bringt sie im Gespräch mögliche Euter- und andere Krankheiten ins Spiel. Das gehe bis zum Trennungsschmerz zwischen Kuh und Kälbchen. Und der Aufwand einer solchen Haltung dürfe auch nicht unterschätzt werden.

Unterdessen bangen viele Milchproduzenten seit fast zwei Jahren um ihre Existenz. Rund 188 000 Milchrinder stehen in den sächsischen Ställen. Der niedrige Milchpreis macht den meisten Unternehmen zu schaffen. Alternative Aufzuchtmethoden stehen dabei nicht im Vordergrund der Betriebsführung. Vor allem kleine Unternehmen fürchten um ihre Zukunft.

Von Gabi Liebegall

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Die Mannschatzer hoffen gutes Wetter am Sonnabend, denn dann findet zum 41. Mal der große Faschingsumzug durch den Ort und das benachbarte Schmorkau statt. Mit bunt geschmückten Wagen, Kostümen und kritischen Botschaften warten die Umzugsbilder auf. Und einen Tag später geht der Spaß in Strehla weiter.

20.02.2017

Vor ziemlich genau vier Monaten, es war an einem Abend und schon dunkel, befuhr eine Wermsdorfer Familie die Friedrich-Oettler-Straße in Grimma am Stadion – mit ihrem liebsten Kind, dem fast noch nagelneuen Mazda CX 3. Auf einmal krachte ein Ball an die hintere rechte Autotür. Für den Schaden will bislang niemand aufkommen.

20.02.2017

Genies, Talente, Inselbegabungen: Die Wunderkinder, die Hagen Kunze in seinem gleichnamigen Buch porträtiert, haben Spuren in der Geschichte hinterlassen.

Zur Buchlesung mit dem Döbelner Autor kamen am Freitagabend nur wenige Gäste auf Schloss Hubertusburg. Vielleicht sind es zum nächsten Besuch im Oktober mehr.

19.02.2017
Anzeige