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Oschatz Erhängt in der Zelle - Ex-Rocker "Kanone" ist tot
Region Oschatz Erhängt in der Zelle - Ex-Rocker "Kanone" ist tot
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17:48 16.10.2014
So präsentierte sich Ex-Rocker Endrik P., Spitzname "Kanone", auf seiner Facebook-Seite. Gestern Morgen wurde er tot in seiner Dessauer Gefängniszelle entdeckt. Quelle: Wolfgang Sens

"Augenscheinlich hatte der Mann sich erhängt", berichten die Polizeipressesprecher Doreen Wendland und Frank Pieper. Die Staatsanwaltschaft und Beamte des Fachkommissariats II der Polizeidirektion Sachsen-Anhalt Ost haben die Ermittlungen zu den Umständen des Todes des Untersuchungsgefangenen aufgenommen. Das Fachkommissariat ist für Schwerkriminalität zuständig. Die Ermittler sind unter anderem mit der Aufklärung von Gewaltverbrechen, ungeklärten Todesfällen und auch für die Ursachenermittlung bei Großbränden zuständig.

Offen bleibt, wie es dem mutmaßlichen Bankräuber angesichts strenger Sicherheitsrichtlinien in der Untersuchungshaft gelingen konnte, sich das Leben zu nehmen. Die Staatsanwaltschaft aus Dessau-Roßlau stellte klar, dass es keine Videoüberwachung der Untersuchungshäftlinge gebe und deshalb keine ständige Überwachung möglich sei. Außerdem bestätigte die Pressestelle, dass Endrik P. in einer Einzelzelle untergebracht war.

Klar ist, dass Endrik P. über jede Menge internes Wissen über die Leipziger Unterwelt verfügte. Der Mann, der eigentlich ein "Hells Angel" werden wollte, ein verunglückter "Bandido" war, zog letztlich offenbar mit einer multinationalen Rockergang, den "Brothers" in der Leipziger Eisenbahnstraße um die Blöcke. Die Gang, deren Mitglieder unter anderem arabischer und iranischer Abstammung sind, soll vor allem in der Leipziger Drogenszene mitmischen.

Ex-Rocker Endrik P., der in der Szene nur "Kanone" genannt wurde, lebte zwar in der Leipziger Eisenbahnstraße, pflegte aber einen exklusiven Lebensstil, wie sein öffentlicher Facebookauftritt zeigt. Der 41-jährige Mann verreiste offenbar gern und oft, ließ sich mit Stars ablichten, hatte ein Faible für schnelle und teure Autos und war oft in Clubs unterwegs. Womit der Mann seinen teuren Lebensunterhalt bestritt, wird jetzt klar: mit Überfällen.

Inzwischen ist auch geklärt, warum sich die sachsen-anhaltinische Staatsanwaltschaft Dessau-Roßlau und keine sächsische Staatsanwaltschaft um den Fall bemühte. Vor allem in der Region zwischen Halle und Bitterfeld hatte der Täter sein Unwesen getrieben.

Im vergangenen Jahr wurde die Sparkassenfiliale vom Roitzsch dreimal innerhalb von zwei Monaten überfallen, für die Angestellten damals eine enorme psychische Belastung. Die Täterbeschreibungen lassen darauf schließen, dass es sich immer um den gleichen Täter gehandelt hatte - vermutlich Endrik P. alias "Kanone".

Die Ermittler gehen inzwischen davon aus, dass rund sechs bis acht weitere Überfälle auf die Kappe des Leipzigers gehen. Sie sollen übrigens schon seit einiger Zeit hinter dem korpulenten Mann aus der Rocker-Szene her sein, angeblich sogar Zielfahnder eingesetzt haben.

Als sicher gilt, dass es einen erdrückenden Beweis für den Bankraub in Dahlen gibt. Nach dem Überfall auf die Sparkassenfiliale entdeckten die Polizeibeamten bei der Festnahme des Täters die Beute und Gegenstände, die bei dem Überfall verwendet worden waren.

Erleichterung gab es nach der Verhaftung bei den Sparkassenmitarbeitern in Sachsen und Sachsen-Anhalt. Nordsachsens Landrat Michael Czupalla (64, CDU) äußerte sich in seiner Eigenschaft als Präsident des Ostdeutschen Sparkassenverbandes zu dem Fall: "Ich bin sofort nach der Festnahme des Verdächtigen am Montagabend informiert worden. Ich freue mich, dass unsere Polizei eine ausgezeichnete Arbeit geleistet hat. Vor allem unsere Schalterangestellten werden dies mit Erleichterung zur Kenntnis nehmen."

Hagen Rösner

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