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Oschatz Ernst Hornauer aus Hohenprießnitz sammelt Flaschenöffner
Region Oschatz Ernst Hornauer aus Hohenprießnitz sammelt Flaschenöffner
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10:28 29.02.2016
Fein säuberlich hat Ernst Hornauer seine Sammelstücke im Keller an Wänden, in Schränken und Vitrinen aufgereiht. Quelle: Wolfgang Sens LVZ
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Hohenprießnitz

Wie so oft im Leben war es der Zufall, der auch in Ernst Hornauer die Leidenschaft fürs Sammeln weckte. Am Biertisch mit Freunden hatte er Mitte der 1980er-Jahre plötzlich einen übergroßen Flaschenöffner in der Hand. Und damit war die Idee, solche Dinger zu sammeln, geboren. „Wann das war, weiß ich schon gar nicht mehr so genau. Aber bei jedem meiner jetzt vielleicht 2740 Stück weiß ich, woher ich sie habe“, so der Invalidenrentner.

Den Prototypen für sein Hobby - wie er einst aus Metall, schön verziert mit allerlei Prost-Versionen aus aller Herren Länder in Werkstätten so nebenher entstand – holt der inzwischen 60-Jährige bis heute gern zuerst von der Wand, wenn er Interessenten im Keller seine gesammelten Schätze zeigt.

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Robbe, Elefant oder nackte Dame: Ernst Hornauer öffnet seine Flaschen mit kreativen Modellen.

Erst vor wenigen Tagen hat der Ex-Hausmeister, -Maurer und Heimwerker in Hohenprießnitz, einem Ortsteil der Gemeinde Zschepplin bei Eilenburg, sein sechstes Lebensjahrzehnt vollendet. Und nicht schwer ist zu erraten, womit die Gratulanten ihm eine Riesenfreude gemacht haben: Gleich 86 „Kapselheber“ schmücken einen in der Nachbarschaft in Roger Widdermanns Kunstschmiede handgeschöpften Metallbaum. „Und nur zwei der Öffner hatte ich schon“, betont der Sammler.

Verwandte, Bekannte und Freunde ließen lange vorher ihre Kontakte spielen, um dabei zu helfen, dass die Hornauer-Sammlung weiter an Umfang zunimmt. Jeden ihrer Öffner für das Gemeinschaftswerk haben die edlen Spender liebevoll mit Grußkarten, Fotos, Versen und Widmungen ergänzt. „Hier ist einer von unserer Partner-Gruppe des Naturschutzbundes aus Ostfriesland“, zeigt der Jubilar auf eine der Aufmerksamkeiten. „Meine Frau Sabine hatte einen umfangreichen Personenkreis angemailt, damit diese die Geschenke-Aktion unterstützen“, zeigte sich Ernst Hornauer dankbar.

Noch hat das Geburtagsgeschenk einen Ehrenplatz in der guten Stube. Wie ein etwa ein Meter großer hölzerner Anker an der Wand dahinter. „Den hat mein Sohn Thomas gebaut, der bei der Marine zur See gefahren ist“, erklärt der zweifache Vater, der außerdem eine Tochter hat. Mithilfe des mit Seemannsknoten und einer Glocke verzierten Schmuckstücks lässt sich außerdem an einer Messing-Vorrichtung eine Kapsel von der Flache entfernen, ohne den Anker von der Wand nehmen zu müssen. Wie sollte das auch anders sein.

Als Ernst Hornauer nach dem ersten Sammeljahr etwa 70 Öffner-Exemplare schön säuberlich auf einem Brett befestigt hatte, stellte sich die Ehefrau noch quer, als damit die Stubenwand verziert werden sollte. Ein Farbfoto aus DDR-Zeiten erinnert daran. Eine Aufnahme, die seinerzeit nicht billig war. „Ich habe aber nie Flaschenöffner selbst erworben, die früher teurer als fünf Mark waren und heute als fünf Euro sind. Die meisten Exemplar bekomme ich ohnehin geschenkt. Und wenn wir in einer Gaststätte sind, muss man nur danach fragen, dann werden die Werbeträger gern weitergereicht.“

So hat Hornauer mit seinem Begehr schon viele gute Erfahrungen gemacht und damit auch manch interessanten Kontakt geknüpft. „Denn was ich hier beisammen habe, das ist noch bescheiden im Vergleich zu anderen.“ Ein Sammler im Thüringischen Gotha, der ihm mal entsprechende Kataloge vermachte, würde bereits 7000 Flaschenöffner sein eigen nennen. In den USA gebe es gar fünfstellige Größenordnungen, wenn dann außerdem noch diverse Korkenzieher zur Sammlung gehören.

„Sie glauben gar nicht, was es auf diversen Sammlerbörsen rund um das Bier so alles gibt“, gerät Hornauer ins Schwärmen. Für ihn sollte die Kapselheber-Sammelgeschichte aber nie ausufern, vor allem finanziell, sondern immer nur ein Hobby sein, in das man sich nicht maßlos hineinsteigert.

Trotzdem fasst der Kellerraum inzwischen kaum noch alles, was mittlerweile an Mitbringseln von Urlaubsreisen, von Bekannten und Verwandten, Leuten aus dem Dorf, die viel unterwegs sind, und aus anderen Quellen so zusammenkommt. Da gehört eine Wand ausschließlich den Sammelstücken aus DDR-Zeiten, zu denen Exponate aus Polen, Tschechien und Ungarn gehören. Alles fein säuberlich aufgereiht. In Vitrinen werden außerdem Schaustücke aus den westlichen Bundesländern, aus Schweden, Österreich, der Schweiz, Italien, Spanien, Marokko, Kenia, Neuseeland und Russland ausgestellt, die nach dem Mauerfall hinzukamen.

Es ist unglaublich, in welcher Vielfalt, mit wie viel Kreativität und Witz sowie etlichen Zusatzfunktionen Kapselheber ausgestattet werden. Neben diversen Werbeobjekten mit Korkenzieher und Dosenöffner gibt es hier beispielsweise zu bewundern: eine Spielkarte aus Metall mit Öffner-Funktion, in Herzform geschmiedete Exemplare, verschiedene Tierfiguren in allen möglichen Materialien, Fingerringe und Gebisse, die Flaschen öffnen können, einen Feldspaten und andere Werkzeuge, die das ebenso schaffen, manche sogar mit musikalischer Begeitung, in der Grillschürze verborgen, an Basecaps befestigt oder in erotischer Aufmachung.

„Im Aussiedler-Wohnheim in Bad Düben, wo ich sieben Jahre als Hausmeister gearbeitet habe, hatte ein Handwerker mal einen Tür- als Flaschenöffner, der mich beeindruckt hat. Später hat er mir dann so ein Teil geschickt.“ Überhaupt sei die Arbeit in Düben für ihn eine schöne Zeit gewesen. Nicht nur, weil die Kontakte zu den Russlanddeutschen sehr gut waren, sondern diese wiederum mit ihren Beziehungen in die alte Heimat auch Hornauers Sammeleifer unterstützten. Die berühmten UdSSR-Komikfiguren Hase und Wolf schenkte ihm sein damaliger Chef. Deren Gitarren helfen – natürlich - beim Flaschen öffnen. Nu, pagadi, sajetz (Komm schon, Hase).

Jeder seiner Kapselheber, versichert Ernst Hornauer, habe schon einmal eine Getränkeflasche geöffnet. Auch mit Saft oder Wasser gefüllt. Vorurteilen, Flaschenöffner-Sammler würden vorrangig dem Konsum von Gerstensaft zusprechen, widerspricht er: „Bei mir kommt am Tag höchstens eine Flasche Bier auf den Tisch“, weil er auf seine Gesundheit achten wolle. Doch wenn sich jemand für sein Hobby interessiert, dann ist Ernst Hornauer in seinem Element. „Zum Tauschen habe ich noch einen Koffer voller doppelter Stücke vorrätig.“ Und obwohl sich bei ihm inzwischen Exponate aus der ganzen Welt angesammelt haben, würden ihm noch Öffner aus den USA, China, der Mongolei, aus Japan oder Australien fehlen. Wenn also jemand dorthin Kontakte hat oder diese Länder selbst auf dem Reiseplan, dann denkt er bei der Einkehr vielleicht mal an ein Mitbringsel für Ernst Hornauer in Hohenprießnitz.

Dabei mag man es Hornauer kaum glauben: „Wenn ich unterwegs bin, finde ich meist keinen Flaschenöffner in meinen Taschen, wenn ich mal einen brauche. Dann muss ich nicht selten aufs Messer zurückgreifen.“ Aber vielleicht bemerkt er bei einer solchen Gelegenheit dann wieder jemanden im Umfeld, der ihm ein neues Sammelstück vermachen könnte.

Kontakt: Ernst Hornauer, Telefon 034242 50056

Von Karin Rieck

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